Wirtschaft
Logistische Herausforderungen: Wie DHL und ein finnisches Start-Up-Unternehmen an einer sicheren Verteilung des COVID-19-Impfstoffs arbeiten

In den Medien wird von einer dritten Welle gesprochen. Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen nimmt wieder zu. Das Robert-Koch-Institut spricht von einem exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen. Das Kanzleramt reagiert dementsprechend und fordert eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April.

Mittwoch, 31.03.2021, 04:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2021, 13:59 Uhr
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Foto: Colourbox

Die Kritik an den harten Maßnahmen ist da, denn wären wir schneller und organisierter beim Impfen gewesen, wären wir eventuell glimpflicher davon gekommen. Tempo ist beim Impfen in der Corona-Pandemie ausschlaggebend . In Deutschland schauen viele neidisch auf andere Länder. Israel und Großbritannien sind schon wieder dabei, ins ‚normale‘ Leben zurückzukehren. Was lief in der Bundesrepublik schief? Von Anfang an ging es in Deutschland schleppend voran. Zu knapp und zu zögerlich hatte die Europäische Union sich Impfstoff bei den Herstellern gesichert. Jetzt fehlt es in ganz Europa an den so wichtigen Vakzinen.

Auch ist die Skepsis gegenüber den Impfstoffen groß. So stand kürzlich Astrazeneca im Fokus, da von eventuellen Nebenwirkungen gesprochen wurde. Diese wurden nun von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) widerlegt. Dem Vakzin wurde grünes Licht zur Weiterimpfung gegeben.

Herausforderungen der Impflogistik

Neben den allgemeinen Bedenken zur Impfung unter der Bevölkerung stehen die Länder vor massiven logistischen Herausforderungen. Viele Rädchen müssen bei der Verteilung eines COVID-19-Impfstoffs im Land ineinandergreifen, um das gesetzte Ziel der Politik zu erreichen. Möglichst viele Menschen sollen in kurzer Zeit geimpft werden. Dabei ist das Gesundheitsministerium schon über diverse Probleme gestolpert. Welche Herausforderungen ergeben sich nun für die Logistikbranche?

Diese bestehen u. a. aus unzureichenden Systemen zum Datentracking beim Versand der Impfungen. Problematisch sind zudem ein Engpass an Schiffscontainern sowie ein Mangel an Trockeneis, welches zur Kühlung der Vakzine benutzt wird.

An den logistischen Herausforderungen arbeitet das weltweit führende Logistikunternehmen DHL in Kooperation mit dem finnischen Start-Up-Unternehmen Logmore, in seinen jüngsten Bemühungen seinen „SmartSensor“-Dienst zu perfektionieren. DHL schätzt, dass in den nächsten zwei Jahren 10 Milliarden Impfdosen versandt werden müssen. Bis Ende März sollen, als Ergebnis dieser Kooperation, bereits mehr als 7 Millionen COVID-19-Impfstoffe ausgeliefert worden sein. Im Verlauf des Jahres planen DHL und Logmore ihre Zusammenarbeit noch weiter zu intensivieren. Lieferungen mit Ursprung in Europa gehen mittlerweile bis in den südostasiatischen Raum.

Beim Transport und bei der Lagerung von Impfstoffen besteht derzeit an Mangel an wichtigen Daten und Informationen . Diese Lücke soll Logmore mit seinem neu entwickelten Produkt, Logmore Dry Ice, schließen. Das System sammelt Daten über Temperatur, Feuchtigkeit, Licht, Stöße und Neigung während des Transports. Abgelesen werden diese über dynamische QR-Codes mit Hilfe eines Smartphones. Andere Arten von Daten-Logger-Geräten, die für die Datenübertragung von Funkwellen abhängen, sind weniger zuverlässig als die QR-basierte Lösung von Logmore. Da die Logger von Logmore andere Hardwarekomponenten als herkömmliche Systeme verwenden, sind sie außerdem von vielen Engpässen befreit, die andere Anbieter plagen.

Zur Kooperation sagt Niko Polvinen, COO von Logmore: „Dies ist ein weiterer Schritt in Richtung des normalen Alltags, auf den wir alle warten. Unser gemeinsames Ziel ist es, möglichst viele Impfdosen sicher an ihren Bestimmungsorten zu bringen“.

Intakte Kühlketten müssen sichergestellt werden

Vakzine von Pfizer/Biontech und Moderna müssen bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt gelagert werden. Obwohl in Sachen Kühlung die US-Arzneimittelaufsichtsbehörde FDA Entwarnung für den Pfizer-Impfstoff gegeben hat, muss dieser immer noch, anstatt bis -70 Grad, bei einer Temperatur von -25 bis -15 Grad gelagert werden. Diese Regelung gilt aber nur für eine Lagerung für maximal zwei Wochen, sagen die Entwickler. Der Moderna-Impfstoff muss bei einer Temperatur von -20 Grad gekühlt werden. Wichtig beim Transport aller Impfstoffe ist, dass es eine durchgehende Kühlung gibt, um die Wirksamkeit des Vakzins nicht zu beeinträchtigen.

Die Covid-19-Impfstoffe wurden entwickelt und werden nun mit „Warp-Geschwindigkeit“ vertrieben. Die Verteilung erfolgt größten Teils per Luftfracht. Normalerweise erfolgt die Lieferung von Arzneimitteln auf dem Seeweg, wo Daten-Logger mit Mobilfunkverbindung weniger problematisch sind. Daher hat sich speziell der externe Temperaturfühler des Daten-Loggers von Logmore als effizient zur Überwachung von Impfstoffen für den Flugverkehr erwiesen.

Das der Transport von Impfstoffen sehr kompliziert ist, zeigt auch ein Bericht der Internationalen Luftverkehrsvereinigung (IATA) aus dem Jahr 2019. Diese schätzt, dass demnach etwa jede vierte Impfdosis unbrauchbar ankommt, weil sie falsch gehandhabt wurde. Weiter besagt sie, dass etwa 20 % der temperaturempfindlichen Produkte aufgrund von Kühlkettenproblemen beschädigt werden. Jetzt, wo die Welt hoffnungsvoll auf eine schnelle Lieferung wartet, dürfen solche Fehler nicht passieren. Logistiker tüfteln daher gerade ein weltweites Geflecht aus Tausenden Flugbewegungen für Millionen Kühlboxen aus.

Globale Kooperationen müssen ausgebaut werden

Ein effektives und globales Kooperationsnetzwerk kann Probleme für Regierungen erheblich entschärfen, indem es dazu beiträgt, Unterbrechungen entlang der Lieferkette zu vermeiden und unvorhergesehene Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen.

Frank Appel, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen DHL Group, sagt dazu: „Als globaler Logistikdienstleister mit umfassender Erfahrung und Fachkompetenz in der zeitgerechten und zielgenauen Beförderung erfolgskritischer Güter ist es uns ein Anliegen, diesen Prozess mitzugestalten. Weiter sagt er in einem Bericht zum Transport von hoch-temperaturempfindlichen Impfstoffen : „Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, die zugehörigen Systeme zu verbessern und sicherzustellen, dass medizinische Güter jederzeit dorthin gelangen, wo sie gebraucht werden“.

Große Logistikkonzerne wie DHL, aber auch mittelständische Pharmalogistikfirmen haben sich bereits auf die speziellen Transportbedingungen vorbereitet. Die zentrale Herausforderung ist hierbei neben der besonderen Kühlung, die über die gesamte Lieferkette gewährleistet werden muss, die große Menge an bestellten Impfdosen. Dafür werden deutlich mehr Spezialbehälter für den Transport benötigt, als bei den Unternehmen derzeit verfügbar sind. Weitere Kooperationen sind nötig, um einen reibungslosen Ablauf für den Transport von COVID-19-Impfstoffen zu ermöglichen.

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