Dr. Becker-Rhein-Sieg Klinik
Spezielle Behandlung von spastischer Muskelverkrampfung nach Schlaganfall

Nach Schätzungen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden jährlich in Deutschland mehr als 250.000 Menschen einen Schlaganfall. Bei mehr als einem Viertel der Patienten führt dieser Hirninfarkt nach einiger Zeit zu krankhaft angespannten Muskeln und damit zu einer schmerzhaften Bewegungseinschränkung, die oft dauerhaft bestehen bleibt. Sind Arme und Hände von der so genannten Spastik betroffen, kann eine frühzeitige Behandlung mit Botulinumtoxin die Muskelverkrampfung lösen und den Betroffenen so zu mehr Beweglichkeit, weniger Schmerzen sowie zu mehr Selbstständigkeit im Alltag verhelfen. „Wir setzen Botulinumtoxin seit fast 15 Jahren bei spastischen Verkrampfungen und ungewollten Muskelbewegungen ein und dabei ist das Medikament äußerst effizient“, sagt Dr. Markus Ebke, Chefarzt der Neurologie in der Dr. Becker-Rhein-Sieg Klinik in Nümbrecht. Der erfahrene Nervenarzt der oberbergischen Rehabilitationseinrichtigung erklärt warum.

Sonntag, 15.07.2012, 16:07 Uhr

Die schmerzhafte Muskelverkrampfung nach einem Schlaganfall tritt häufiger im Arm als im Bein auf. Sie ist beim Schlaganfallpatienten typischerweise mit einem gebeugten Ellenbogen und einem gegen die Brust gepressten Arm sowie einer verkrampften Hand verbunden. Sehr häufig ist die Verkrampfung so stark, dass sie Alltagstätigkeiten, Schlaf und Pflege beeinträchtigt. Man spricht daher auch von spastischer Lähmung. Grundlegende Tätigkeiten wie etwa das An- und Auskleiden, Essen und Trinken oder der Toilettengang können ohne fremde Hilfe nicht ausgeführt werden. Bereits die morgendliche Hygiene bereitet dann Schwierigkeiten. „Die Hand, die zur Faust verkrampft, kann nicht mehr zum Reinigen und Nägelschneiden geöffnet werden“, beschreibt Dr. Ebke die sehr belastende Situation für die Betroffenen. Achselhöhlen, Arminnenseiten und Handinnenflächen sind durch den an die Brust gepressten Arm und die „eingekrallten“ Finger kaum zugänglich. Mit der andauernden Muskelanspannung treten häufiger auch Schmerzen auf. Das ständige Aneinanderreiben der Haut, mangelnder Luftkontakt und Schweißansammlung führen nicht selten zu Hautreizungen, die dadurch strapaziert anfälliger wird für Pilzbesiedelung.

Sind nach einem Hirninfarkt Arme und Hände betroffen, kann eine Therapie mit speziell gereinigtem Botulinum Neurotoxin Typ A hilfreich sein. „Botulinumtoxin kann eine spastische Lähmung nach einem Schlaganfall nicht heilen“, sagt Dr. Ebke, „aber man kann eine bessere Beweglichkeit erreichen.“ So lässt sich zum Beispiel die zusammengeballte Hand eines Patienten wieder öffnen, was die Pflege und physiotherapeutische Behandlungen erleichtern kann. „Der Patient ist wieder imstande beispielsweise ein Glas festzuhalten oder sich die Hände zu waschen“, freut sich der Chefarzt. Eine einzelne Injektion kann die Muskeln für drei bis sechs Monate lockern, bevor die Wirkung nachlässt.

Botulinumtoxin ist ein natürlich vorkommendes bakterielles Nervengift, das in stark verdünnter Konzentration zur effektiven Linderung der muskulären Verspannungen eingesetzt wird und deshalb heutzutage ein Mittel der Wahl bei erhöhter Muskelanspannung wie dem so genannten „Schiefhals“, dem krankhaftem Augenzucken oder bei spastischen Lähmungen etwa in Folge eines Schlaganfalles ist. Das Medikament blockiert die Übertragung der Nervenimpulse auf die Muskeln. Die Folge ist eine Entspannung der behandelten Muskulatur. „Vorteilhaft ist, dass Botulinumtoxin gezielt in den blockierten Muskel gespritzt wird, wo es die Verkrampfungen löst und so Bewegungen zum Teil wieder möglich macht“, erklärt Dr. Ebke, der in der direkten Injektion noch einen weiteren großen Vorteil sieht: „Botulinumtoxin wirkt direkt vor Ort und geht nicht über das Gehirn. Es dämpft nicht und macht nicht müde, sondern es mindert die bewegungseinschränkende Muskelspannung im Arm oder im Bein. Das Gehirn ist dann in der Lage, die betroffene Seite anders anzusprechen, zu aktivieren und dies bei voll erhaltenem Bewusstsein.“ Für den Nervenspezialist ist damit ein wichtiger Grundstein gelegt: „Je mehr wir den Arm oder das Bein in Bewegung bekommen, umso mehr sind die Patienten auch in der Lage, in ihren Alltag zurückzufinden.“

Dr. Ebke hat dabei die Erfahrung gemacht, dass Patienten auch dann noch gut therapierbar sind, wenn der Schlaganfall schon Jahre zurückliegt. Deshalb sollte man eine Behandlung auch in diesem Fall versuchen. „Spastik ist eine Erkrankung, die Dank der Gabe von Botulinumtoxin sehr gut behandelbar ist“, so der Chefarzt der Neurologie in Nümbrecht . Unverzichtbar dabei ist Erfahrung im Umgang mit dem Medikament und ein multidisziplinäres Team, das den Patienten im stationären oder ambulanten Rahmen vor allem krankengymnastisch betreut.

Dr. Becker Klinikgruppe – Leben bewegen

Die Dr. Becker Rhein-Sieg-Klinik ist als Neurologisch-Orthopädische Rehabilitationseinrichtung spezialisiert auf die Behandlung von Störungen des Bewegungsapparates wie -ablaufes. Unter dem Motto „Leben bewegen“ werden seit über 15 Jahren PatientInnen mit Spastik nach Schlaganfall und bei Multipler Sklerose multimodal und interdisziplinär nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen therapiert. Ein weiterer Schritt in Richtung einer vernetzten und nachhaltigen Versorgungsstruktur wurde mit der Einrichtung einer Ambulanz für Bewegungsstörungen unternommen, in der PatientInnen mit Spastik über niedergelassene NeurologInnen sich vorstellen können. Die Klinik arbeitet dabei eng zum Beispiel mit den Schlaganfallselbsthilfegruppen der Region zusammen und ist Mitglied verschiedener Qualitätszirkel zum Beispiel des Ruhrgebietes. „Ziel ist, SpastikpatientInnen im Bergischen Land eine integrative Versorgung - stationär, teilstationär und ambulant mit den medizinischen Kooperationspartnern wie dem Klinikum Oberberg , Neurologische Klinik (Chefarzt Prof. Dr. Franz Blaes) und der Mediclin Rehabilitationsklinik Reichshof Eckenhagen (Chefarzt Dr. Jürgen Bonnert) – anbieten zu können“, erklärt Dr. Ebke.

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