Gesundheit
Der 27. Welt-AIDS-Tag ruft zur Solidarität mit HIV-Infizierten auf

Vor einiger Zeit berichtete die Redaktion über das Schicksal von Karl-Heinz Bolte – einem Mann, der durch die Ansteckung mit HIV Freunde, Familie und Job verlor. Passend zum 27. Welt-AIDS-Tag 2014, der am 1. Dezember diesen Jahres stattfand, soll erneut zur Solidarität mit Erkrankten aufgerufen und die Bedeutung von Prävention gegen eine Ansteckung mit dem HI-Virus ins Gedächtnis gerufen werden.

Freitag, 19.12.2014, 11:12 Uhr

HIV-Infizierte werden auch in unserer Gesellschaft teilweise immer noch diskriminiert und stigmatisiert
Foto: Takmeomeo © Pixabay – CCO Public Domain

Immer wieder wird in den Medien über Einzelschicksale von HIV-Infizierten berichtet. Trotzdem scheinen solche Tragödien an vielen Menschen spurlos vorbeizugehen – nicht etwa, weil es ihnen an Mitgefühl mangelt, sondern vielmehr darauf bezogen, wie sich derartige Berichte auf das eigene Verhalten auswirken. Entgegen jedes guten Ratschlags, gibt es trotzdem genügend Menschen die ungeschützten Verkehr vollziehen und sich gleichzeitig von HIV-Infizierten derart bedroht fühlen, dass sie ihnen mit Distanz und teilweise sogar mit Ablehnung gegenübertreten. Oder wie

Karl-Heinz Bolte

es zum Zeitpunkt der Berichterstattung ausdrückte: „Die Menschen meiden mich, wenn ich ihnen sage, dass ich HIV habe.“ und „Keiner wollte mehr etwas mit mir zu tun haben. Die einzige, die zu mir hielt, war meine Mutter“.

Soziale Ausgrenzung macht Betroffenen oft schwerer zu schaffen, als die Erkrankung

Zum Welt-AIDS-Tag am 1.Dezember diesen Jahres wurde daher weltweit wieder dazu aufgerufen, ein Zeichen zu setzen und sich zur Solidarität mit Erkrankten aber auch zum Kampf gegen das HI-Virus zu bekennen. Menschen, die an AIDS leiden, sollen die Anteilnahme und die Unterstützung der Gesellschaft erfahren, statt von dieser ausgegrenzt zu werden. Karl-Heinz Bolte kann von genannter Ausgrenzung quasi ein Lied singen: Nachdem er bereits einen Großteil seiner sozialen Kontakte durch die Krankheit verloren hatte, wusste er sich nur noch mit einer Notlüge zu helfen und begründete seine gesundheitlichen Probleme in seinem Umfeld mit einer falschen Krebs-Diagnose.

Doch warum sehen sich Betroffene zu solchen Maßnahmen gezwungen? Die Gründe hierfür sind vielfältig: Einerseits spielen Scham und Unsicherheit eine große Rolle. Andererseits führt ein offener Umgang der Betroffenen mit der Erkrankung oft dazu, dass die gesunden Menschen den körperlichen aber auch den sozialen Kontakt mit Betroffenen meiden. Die meisten haben Angst, sich anzustecken und ziehen sich von den Betroffenen zurück. Dabei sollte eigentlich jeder wissen, dass eine Übertragung des Virus durch den alltäglichen Kontakt ausgeschlossen ist, was auf

folgender Seite

auch nochmal auf einfache Weise erklärt wird. Eine Ansteckungsgefahr besteht danach lediglich durch den Austausch von gewissen Körperflüssigkeiten oder dem Kontakt bestimmter Schleimhäute – so etwa beim ungeschützten Geschlechtsverkehr, nicht aber, bei einer Umarmung oder einem Kuss.

Die Unwissenheit über derartige Tatsachen lässt gesunde Menschen jedoch selbst vor einfachen sozialen Interaktionen mit Erkrankten zurückweichen. Selbst ein Händeschütteln kostet plötzlich Überwindung. Eine junge Frau, die sich als Studentin im Alter von 25 Jahren mit dem HI-Virus infiziert hat, berichtet: „Als meine Eltern von meiner Erkrankung erfuhren, wurde plötzlich alles anders. Wenn ich sie besuchte, musste ich zum Beispiel immer eine eigene Toilette benutzen. Mein Bruder musste vorher sogar Zahnbürste und Rasierzeug aus dem Bad nehmen. Manchmal fühlte ich mich, als wäre ich nicht krank, sondern als wäre ich selbst die Krankheit. Außerdem wurde ich so ständig an meiner Krankheit erinnert“

Die rote AIDS-Schleife steht für Anteilnahme und Toleranz

Betroffene wünschen sich meist weder Mitleid, noch möchten sie wie Sterbende behandelt werden. Was sie sich vor allem wünschen, ist ein möglichst normales Leben zu führen und von ihrem Umfeld als normale Menschen wahrgenommen zu werden. Die rote Schleife, die sich als weltweit anerkanntes Symbol für Anteilnahme und Toleranz zum Welt-AIDS-Tag etabliert hat, soll ein Zeichen setzen und den Betroffenen vermitteln, dass man sie akzeptiert und nicht ausgrenzt. Um die Solidarität mit HIV-Infizierten zu stärken, werden zum Welt-AIDS-Tag zudem verschiedene Veranstaltungen organisiert, die einerseits informativ sein sollen, andererseits aber auch den Austausch mit Betroffenen fördern und diese ermutigen, einen offenen Umgang mit ihrer Krankheit zu pflegen, wie auch

berlin.de

berichtet. Sehr positiv zu bewerten ist, dass nicht nur Betroffene und Hilfsorganisationen an solchen Veranstaltungen teilnehmen, sondern auch viele Prominente Farbe bekennen. Dadurch wird dem Thema zusätzliche mediale Aufmerksamkeit zuteil, ganz abgesehen davon, das Prominente stets auch eine Vorbildfunktion verkörpern und vor allem auf junge Menschen und deren Sichtweisen großen Einfluss nehmen können.

Letztendendes liegt die Verantwortung jedoch bei jedem Einzelnen: Zum einen ist es ratsam, dass jeder sich einmal die Zeit nimmt, sich mit den Themen HIV und AIDS auseinanderzusetzen und sich über die Hintergründe zu informieren. Zum anderen ist es fast als humanitäre Pflicht zu sehen, Menschen die an einer Krankheit leiden zu unterstützen, statt ihnen aus dem Weg zu gehen und die Augen vor ihnen zu verschließen. Denn nur so hat die Welt eine Chance, im gemeinsamen und globalen Kampf gegen das HI-Virus und dessen folgenschweren Erkrankungen.

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