Ausprobiert: Laktat- und Belastungstest
Runter vom Sofa, rauf aufs Rad

Münster - Fitness ist relativ. Während die eine fit für einen Marathon werden will, reicht es dem Nächsten schon, beim Treppensteigen nicht aus der Puste zu kommen. Doch wie stellt man objektiv fest, wie es um die eigene Fitness bestellt ist? Belastungs- und Laktattest geben Aufschluss über die Leistungsfähigkeit und mögliche Trainingsziele. Ein Selbstversuch.

Montag, 02.02.2015, 14:02 Uhr

Ausprobiert: Laktat- und Belastungstest : Runter vom Sofa, rauf aufs Rad
Die medizinisch-technische Assistentin Marianne Lambrecht nimmt beim Laktattest Blut aus dem Ohrläppchen ab. Das im Blut enthaltene Laktat (Milchsäure) gibt Aufschluss über die Ausbildung der Muskulatur. Foto: Gunnar A. Pier
Check-up beim Arzt

Ab 35 Jahren sollten Hobbysportler einen sportärztlichen Check-up machen, empfiehlt Mediziner Prof. Dr. Dr. Stefan-Martin Brand. Mit dem Test des Herz-Kreiskreislauf-Systems findet ein Arzt eventuelle Risikofaktoren, die gegen eine bestimmte Sportart oder zu starke Belastung sprechen. Eine sportmedizinische Untersuchung gilt selten bei privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen als Vorsorgeuntersuchung und muss in der Regel selbst bezahlt werden (100 bis 150 Euro). Eine Rücksprache kann sich aber lohnen, wenn es z.B. zu Überschneidungen mit Früherkennungsmaßnahmen wie „Check-up 35“ kommt. Die Techniker Krankenkasse bezuschusst einen Test mit bis zu 80 Prozent.

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Mein rechtes Ohrläppchen brennt und leuchtet rot. Marianne Lam­brecht hat es mit einer chili-ähnlichen Salbe eingerieben, damit es ordentlich durchblutet wird. Wenn die medizinisch-technische Assistentin am Institut für Sportmedizin der Medizinischen Fakultät der WWU Münster gleich elf Mal hineinsticht, soll genug Blut herauskommen. Ein Laktat- und Belastungstest soll zeigen, wie fit ich bin.  

"Die Leistungsfähigkeit nimmt mit jeder Dekade messbar ab“, prophezeit Institutsleiter Professor Dr. Dr. Stefan-Martin Brand . Wenn ich also innerhalb der kommenden zehn Jahre nicht abbauen will, muss ich einen Zahn zulegen. Natürlich spricht viel dafür, sich mehr zu bewegen. Fitte Menschen leben länger, haben weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Herzinfarkt, erkranken seltener an Diabetes mellitus Typ 2, leiden seltener an Depressionen, und auch die Wahrscheinlichkeit, eine kognitive Störung wie Demenz zu bekommen, sinkt.

Bei Ihnen kann man mental noch was machen. 

Stefan-Martin Brand
Stefan-Martin Brand, Leiter des Instituts für Sportmedizin in Münster, testet sie alle: vom Hobbysportler über angehende Sportstudenten bis hin zu Profis aus sämtlichen Kadern in NRW.

Stefan-Martin Brand, Leiter des Instituts für Sportmedizin in Münster, testet sie alle: vom Hobbysportler über angehende Sportstudenten bis hin zu Profis aus sämtlichen Kadern in NRW. Foto: Gunnar A. Pier

Da ich bislang unsystematisch und auch unregelmäßig Sport getrieben habe, sollen jetzt harte Fakten her. Nachdem Marianne Lambrecht meinen Ruhepuls genommen hat, um auszuschließen, dass ich Herzprobleme habe, kommen nun Pulsschlag und Muskelkraft unter Anstrengung unter die Lupe. Auf das Fahrrad­ergometer am Horstmarer Landweg steigt beim ersten Gesundheitscheck jeder, vom Profi- bis zum Nichtsportler. „Das Herz-Kreislauf-System sollte vor allem vor Kraft- und Kraftausdauertraining untersucht werden, weil es sich besonders auf den Blutdruck auswirkt“, sagt Mediziner Stefan-Martin Brand. Schon Manuel Neuer soll hier zu seinen Schalker Zeiten an seine Grenzen gebracht worden sein.

Schrittweise steigen die Wattzahl und damit der Widerstand in den Pedalen an. Bis 125 Watt ist das bei mir noch ganz prima. Schafft man 120 Watt, hat man die Kraft zum Joggen.

Eine Stufe höher wird mir warm. Marianne Lambrecht pikst und misst, Stefan-Martin Brand beobachtet auf dem Monitor meine Herzaktionen und fragt mich, wie schwer mir die einzelnen Stufen fallen. Inzwischen „sehr schwer“. In der allerletzten Stufe von 200 Watt schaffe ich es nur noch, eine Minute zu treten. Zehn Sekunden bevor ich aufgeben will, soll ich es ankündigen. Brand zählt runter. Mit letzter Kraft trete ich weiter und atme schwer, bis das Ergometer in die Erholungsphase umschaltet.

Beim Belastungstest fährt die Testperson auf einem Fahrradergometer ihrer Belastungsgrenze entgegen.

Beim Belastungstest fährt die Testperson auf einem Fahrradergometer ihrer Belastungsgrenze entgegen. Foto: Gunnar A. Pier

Das Ergebnis ist ernüchternd: „Insgesamt okay“, sagt der 51-Jährige. Immerhin: „Besser als erwartet“, fügt er noch hinzu. Schließlich arbeite ich sehr viel am Schreibtisch. Ein Profifußballer von Preußen Münster hätte 60 Minuten in der höchsten Wattstufe von 200 durchgehalten, ein Radrennfahrer zwölf Stunden. Allerdings investieren deutsche Leistungssportler im Schnitt auch mehr als 30 Stunden pro Woche in Training, Wettkämpfe und Physiotherapie. Ich komme höchstens auf drei Stunden. Höchstens.

Der Laktattest ergibt: Meine Muskulatur ist altersgemäß ausgebildet. „Sie müssten locker bei acht Stundenkilometern eine Stunde durchlaufen können“, sagt der Arzt. Ich bin ungläubig. Das würde bedeuten, dass ich zur Arbeit joggen kann. Das sind auch fast acht Kilometer.

Der Antrieb kommt aus dem Erfolg. 

Stefan-Martin Brand

Meine „Trainingsschwäche“ liegt wohl weniger im Können, als vielmehr im Wollen begründet: „Bei Ihnen kann man mental noch was machen“, sagt der 51-Jährige. Der Antrieb, Sport zu treiben, komme aus Erfolgserlebnissen.

Ich überlege, was mich motivieren könnte: so auszusehen wie die Fitness-Freaks bei Instagram, mehr essen zu können, ohne zuzunehmen, die Leute in den Fitnesskursen neben mir in den Schatten zu stellen, definierte Oberarme wie Michelle Obama zu haben, bessere Chancen beim anderen Geschlecht, weniger zu leiden beim Tragen von Einkäufen, insgesamt mehr Energie oder einfach ein besseres Körpergefühl?

In jedem Fall muss ich Spaß haben. Das bedeutet in meinem Fall: Kraftausdauertraining bei Musik,  unter Anleitung und in der Gruppe. „Sehr sinnvoll“ findet das Professor Brand und verrät mir noch die Pulsfrequenz, in der ich Radfahren und Laufen sollte. „Wenn Sie fitter werden, geht der Puls bei gleicher Leistung runter.“ Neben einem neuen Trainingsplan (für mehr Muskeln), neuen Sportklamotten (einfach so) brauche ich also eine Pulsuhr (krieg ich hin). Der nächste Laktattest kann kommen. 

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