Psychologie-Professor Dr. Alfred Gebert über die Wirkung von Malen
Kritzeln hilft beim Konzentrieren

Während Vorlesungen, Konferenzen und langen Sitzungen steigert Ausmalen die Aufmerksamkeit und bietet kleine Momente der Erholung, schreibt Al­fred Gebert von der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Münster im Vorwort der Ausmalbücher des Frechverlages. Im Interview erklärt der PsychologieProfessor weitere positive Effekte des Malens.

Mittwoch, 03.02.2016, 15:02 Uhr

Können Sie sich den großen Erfolg von Ausmalbüchern erklären?

Alfred Gebert: Den Wunsch nach Ruhe und Entspannung gab es schon immer: Früher nannte man es Muße oder Meditieren im Schweigekloster, heute heißt es: Digital Detox – digitale Entschlackung. Ausmalbücher bieten eine Chance, sich überall und jederzeit intensiv auf uns selber zu konzentrieren und die Welt um uns herum auszublenden. Selbst bei Konferenzen und langweiligen Sitzungen kann man die Umwelt um sich herum vergessen, ist aber schlagartig hellwach, wenn etwas Wichtiges für einen dabei ist.

Welche Wirkung hat das Ausmalen auf uns?

Gebert: Dabei können wir gedanklich abschalten. Weil alle äußeren Zwänge von uns abgeschüttelt werden, fühlen wir uns frei und selbstbewusst. Wir vergessen unsere To-Do-Liste und nehmen uns bewusst Zeit für uns. Entspannung entsteht dadurch, dass wir uns die Zeit nehmen, uns auf diese eher einfache Aufgabe zu konzentrieren. Dabei sehen wir sehr schnell Erfolge. Wir wählen Farben, die uns gefallen und freuen uns am Ende über das gelungene Bild – das erzeugt ein gutes Gefühl.

Gibt es Studien, die belegen, dass Malen und Kritzeln zur Entspannung beitragen und die Konzentration fördern?

Gebert: Neben meinen eigenen Untersuchungen finde ich die Studie der britischen Psychologin Jackie Andrade von der Universität Plymouth aus dem Jahr 2009 gut. 40 Probanden wurden zweieinhalb Minuten immer wieder acht Namen vorgelesen. Dabei kam heraus, dass Kritzler 29 Prozent mehr Informationen bei einem überraschenden Gedächtnistest behalten konnten als Nicht-Kritzler. Unser Gehirn wird beim Ausmalen und Kritzeln besser ausgelastet. Damit wird unsere Aufmerksamkeit erhöht. Wenn man in einer Besprechung oder Vorlesung sitzt und schon ahnt, was gleich kommen mag, wird man unkonzentriert und das Gehirn ist unterfordert. Durch das Malen allerdings erzeugt man ein positives Gefühl, welches mit Themen und Inhalten verknüpft wird.

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