Gesundheit
Zahnarztangst - was können Ärzte und Patienten tun?

Zum Zahnarzt gehen vermutlich nur die wenigsten gerne. Die meisten Patienten betreten die Praxis mit einem mulmigen Gefühl im Bauch. Für einige Menschen hingegen reicht bereits der Gedanke an den Zahnarzt aus, um die Angst, Furcht, ja, die Panik in die Höhe schießen zu lassen, wie das frische Gras im Frühjahr nach einem kräftigen Regenschauer.

Freitag, 21.10.2016, 04:10 Uhr

Gesundheit : Zahnarztangst - was können Ärzte und Patienten tun?
Mit den richtigen Maßnahmen muss der Gang zum Zahnarzt keine angstvolle Erfahrung mehr werden. Die Anästhesie-Optionen sind vielfältiger und viele Zahnärzte haben sich auf Angstpatienten eingestellt. Foto: rgerber (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Die Zahnarztangst ist kein seltenes oder neues Phänomen. In den letzten Jahren wurde sie jedoch anerkannt und in den Kreis der echten Phobien angehoben. Für Patienten mit dieser Phobie ist dies ein Glück. Immerhin leiden rund 19 Prozent der Bevölkerung an einer echten Angst , wenn ein Kontrollbesuch beim Zahnarzt ansteht. Doch müssen Betroffene mit ihrer Angst leben und woher kommt sie eigentlich? Dieser Artikel klärt auf und zeigt, wie sich Zahnarztangst in den Griff bekommen lässt.

Ursachen für die Zahnarztangst

Nur in seltenen Fällen entwickelt sich die Dentalphobie ohne eine echte Ursache. Traumatische, beim Zahnarzt erlebte Ereignisse begründen die Furcht viel häufiger. In der Regel gibt es Ursachen, die der Großteil der Angstpatienten unterschreiben würde:

  • Schlechte Erfahrungen - Machten Patienten in der Vergangenheit im Rahmen einer Behandlung schlechte oder schmerzhafte Erfahrungen, kann sich in der Folge Angst manifestieren.
  • Erzählungen - Einige Betroffene übernehmen gesammelte Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis und begründen hierauf auch ihre Angst.
  • Furcht vor Kontrollverlust - Dieser Punkt ist eine Hauptursache für die Angst.

Die Kontrolle zu verlieren, sich nicht wehren zu können, ausgeliefert zu sein - dieses Gefühl steht nicht selten im engen Zusammenhang mit der Zahnarztangst. Während einer Behandlung fühlen sich Patienten hilflos und unfähig, selbst aktiv zu werden. Wird die Behandlung noch von medizinischen Utensilien begleitet, die die Beweglichkeit und die Möglichkeit zur Äußerung einschränken oder verhindern, haben Patienten keinerlei Kontrolle mehr über die Situation. Dieser Punkt ist für Betroffene noch viel schlimmer, wenn sie den Kontrollverlust bereits in anderen Lebensbereichen erlebten und somit auf den Zahnarztbesuch ausweiten können. Insbesondere Menschen, denen Traumata widerfahren sind, leiden unter dieser Furcht.

Tückisch ist, dass die Zahnarztangst nicht unbedingt mit einem kürzlich vorgefallenen Ereignis zusammenhängen muss. Bereits schlechte Erfahrungen in der Kindheit können im Erwachsenenalter eine Panik heraufbeschwören. Werden Betroffene von ihrem Umfeld in ihrer Angst nicht ernst genommen, verschlimmert sich die Situation meistens noch. Gleichfalls steigt das Angstpotenzial, wenn Betroffene Zahnarztbesuche immer weiter herausschieben - bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Zahnsubstanz so zerstört ist, dass eine ausführliche und vermutlich schmerzhafte Behandlung unausweichlich ist.

Was können Zahnärzte tun?

Wer sich als Zahnarzt für den Umgang mit Angstpatienten interessiert und sich vielleicht sogar auf diesem Gebiet spezialisieren möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Zuerst sei jedoch gesagt, dass nicht jeder Zahnarzt geeignet ist, sich mit Angstpatienten zu beschäftigen. Dies sagt nichts über seine Qualifikation und Güte aus, sondern ist schlichtweg menschlich. Der Fakt ist damit vergleichbar, dass auch nicht jedes Elternteil als Kindergärtner geeignet wäre. Ein Zahnarzt, der bereits ohne Weiterbildung besser auf Angstpatienten eingehen will, kann folgende Punkte umsetzen:

  • Schnelle Terminvergabe - Für Angstpatienten kann ein Termin in 14 Tagen bereits zu spät sein. Bis dahin ist genügend Zeit, um sich aus einem reinen Kontrolltermin ein Fiasko auszumalen.
  • Freundliche Atmosphäre - Die Wartezeiten in der Praxis sollten kurz gehalten werden. Gleichfalls ist ein einfühlsames, freundliches Personal wichtig. Der Patient muss sich mit seiner Phobie ernst genommen und gut aufgehoben fühlen, ohne dass die Angst belächelt wird oder er in seiner Furcht bestärkt wird. Auch die Hygiene in den Warte- und Praxisräumen spielt eine wichtige Rolle – diese lässt oft Rückschlüsse auf die Gesamthygiene in der Praxis zu.
  • Beratungsgespräche - Vielen Patienten hilft es, wenn sie genau wissen, was auf sie zukommt. Die Vorgehensweise kostet Zeit, erleichtert die Behandlung aber für beide Seiten.
  • Finanzierungsfragen klären - Um die Zähne echter und langjähriger Angstpatienten ist es nicht gut bestellt. Viele Betroffene gehen über Jahrzehnte nicht zum Zahnarzt und warten eher, bis der schmerzende Zahn von selbst ausfällt . Somit beschränkt sich die Behandlung oft weniger auf einzelne Zähne, sondern stellt eine Komplettsanierung dar. Die offene Finanzierung der Behandlung ist wieder ein Angstgrund. Gute Zahnärzte behalten dies im Hinterkopf und überlegen gemeinsam mit dem Patienten, wie die Kosten getragen werden können. In der Angst vergessen einige Patienten beispielsweise, dass eine Zusatzversicherung vorhanden ist, die eventuell sogar für Hypnose- oder Vollnarkosekosten aufkommt.

Zusätzlich zu dem Verhalten können sich Ärzte gezielt schulen lassen. So ist es durchaus möglich, Entspannungstechniken oder gar Hypnose zu erlernen. Auch kann es sinnvoll sein, direkt jemanden anzustellen, der die Narkose des Patienten dauerhaft überwacht. Die Schulungen geben Ärzten zudem die Möglichkeit, die Schwere der Angst zu erkennen. Einigen Patienten hilft es schon, wenn nur mit ihnen gesprochen wird oder wenn sie während der Behandlung Musik hören. Andere Patienten  hingegen haben so eine Furcht, dass sie kaum zum Stuhl kommen. Hier können auch die Möglichkeiten der Naturheilkunde helfen.

Mit den richtigen Maßnahmen muss der Gang zum Zahnarzt keine angstvolle Erfahrung mehr werden. Die Anästhesie-Optionen sind vielfältiger und viele Zahnärzte haben sich auf Angstpatienten eingestellt.

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Das Behandlungszimmer eines Zahnarztes kann bei Menschen mit entsprechender Phobie schnell für Gänsehaut sorgen. Mittlerweile lässt sich Zahnarztangst jedoch recht gut in den Griff bekommen. Hierzu können Zahnärzte und Patienten beitragen. Foto: 9355 (CC0-Lizenz)/ pixabay.com

Was können Patienten tun?

Glücklicherweise ist die Zahnarztangst heute ein so breit diskutiertes und anerkanntes Phobienfeld, dass Patienten nicht mehr auf sich allein gestellt sind. Ganz im Gegenteil, haben sich doch in den letzten Jahren etliche Zahnarztpraxen eigens auf die Behandlung von Angstpatienten spezialisiert. Zudem gibt es Selbsthilfegruppen, Therapieangebote und Lösungsmöglichkeiten, die Patienten helfen, ihre eigene Angst zu überwinden.

Wichtig ist, dass sich Betroffene ihre Angst eingestehen und aktiv werden. Häufig leiden Betroffene über Monate oder gar Jahre und halten Zahnschmerzen aus, ohne sich Hilfe zu suchen. Hierdurch verlängert und erschwert sich die notwendige Behandlung jedoch. Doch wie finden Patienten Hilfe? Ein Überblick:

  • Krankenkassen - Die meisten Krankenkassen kennen die Angst ihrer Versicherten vor dem Zahnarzt und bieten eine Hilfestellung an. Diese bezieht sich in erster Linie auf die Weiterleitung an spezialisierte Praxen.
  • Gespräche - Häufig hilft Patienten das Wissen, dass sie mit ihrer Angst nicht alleine sind. Im Internet gibt es diverse Interessengemeinschaften, die sich mit der Dentalphobie beschäftigen. Durch den Austausch mit anderen Betroffenen, deren positive Erfahrungen und die Vermittlung an gute Zahnärzte ist vielen Angstpatienten bereits geholfen.
  • Gezielte Zahnarztsuche - Ist sich ein Betroffener bewusst, dass der Zahnarztbesuch unausweichlich ist, sollte er gezielt nach Zahnärzten für Angstpatienten suchen. Die Behandlung unterscheidet sich vielfach von der in üblichen Praxen. So beginnen spezialisierte Zahnärzte häufig gar nicht mit der eigentlichen Behandlung, sondern führen die Patienten Schritt für Schritt an diese heran.
  • Behandlung unter Hypnose/Narkose - Zahnkliniken und Zahnärzte für Angstpatienten bieten die Behandlung unter Hypnose oder auch Vollnarkose an. Zwar übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Hypnose oder Narkose nicht oder nicht vollständig, sie bietet Patienten jedoch die Chance, mit einem positiven - und gesunden - Gefühl aus der Praxis zu kommen.

Der Vorteil, sich an Arztpraxen für Angstpatienten zu wenden, lässt sich nicht allein auf die Therapieformen beschränken. Allgemein beschäftigen sich die dort arbeitenden Ärzte mit der Furcht und den Auswirkungen der Panik. Die Atmosphäre ist beruhigend, die häufig mit dem Zahnarzt in Verbindung gebrachten unangenehmen Gerüche und Geräusche werden auf einem geringen Level gehalten. Doch auch hinsichtlich der Angststeigerung bis zum eigentlichen Termin gehen diese Praxen anders vor. Sie vergeben keine Termine mit langen Wartezeiten. Stattdessen sind die Termine sehr kurzfristig, damit Patienten sich nicht in die Angst vor dem Ereignis hineinsteigern können. Gleichfalls werden die Wartezeiten in der Praxis sehr kurz gehalten und Patienten positiv abgelenkt. Die Horrorszenarien, die sich Betroffene während einer phobischen Phase oft ausmalen, kommen somit gar nicht erst zur Wirkung.

Fazit: Mit der Angst steht niemand alleine da

Glücklicherweise müssen Angstpatienten heute nicht mehr unter sich bleiben und finden eine Lösung. Durch die unterschiedlichen Therapieformen und Hilfsangebote ist es sogar möglich, die Angst letztendlich vollständig zu besiegen. Dennoch obliegt der erste Schritt stets dem Patienten, denn er muss bereit sein, Hilfe anzunehmen und mitzuarbeiten. In weiteren Schritten kann auch der Zahnarzt mit besonderer Sensibilität eine große Hilfe darstellen. Werden dabei gemeinsam gangbare Lösungen gefunden, steht dem baldigen gesunden Lächeln nichts mehr im Wege und der nächste Zahnarztbesuch wird zu einem ganz normalen Routine-Termin.

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