Morbus Bechterew
Mit Bewegung gegen die chronische Krankheit

Es fängt an mit Schmerzen im unteren Rücken. Typisch ist das Gefühl von Unbeweglichkeit vor allem in den Morgenstunden. Ärzte deuten diese Symptome von Morbus Bechterew jedoch häufig falsch – ein fataler Fehler: Wer nichts gegen die rheumatische Autoimmunerkrankung unternimmt, leidet im schlimmsten Fall irgendwann unter einer komplett versteiften Wirbelsäule. Mit der richtigen Therapie lässt sich die chronisch entzündliche, rheumatische Krankheit zurückdämmen. Diese Erfahrung hat auch Martina Irrgang aus Porta Westfalica gemacht.

Freitag, 03.02.2017, 04:02 Uhr

Morbus Bechterew : Mit Bewegung gegen die chronische Krankheit
Foto: Klaus Becker

Mehrere Jahre bis zur endgültigen Diagnose

Morbus Bechterew, auch ankylosierende Spondylitis genannt, betrifft insbesondere die Gelenke von Wirbelsäule, Darmbein und Kreuzbein. Geschätzte 350.000 Patienten gibt es allein in Deutschland . Zum ersten Mal tritt die Krankheit meist zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr auf, ohne dass sie zunächst als spezielle Erkrankung wahrgenommen wird. Bei Männern dauert es durchschnittlich sieben Jahre, bis Ärzte Morbus Bechterew erkennen . Bei Frauen sind es im Schnitt neun Jahre.

Mit sportlicher Betätigung gegen die Symptome von Morbus Bechterew

Auch bei Martina Irrgang aus Porta Westfalica kam die Diagnose spät. Die Beamtin litt als junge Frau immer wieder unter schmerzhaften Syndromen in Schulter und Lendenwirbeln. Mit Mitte 30 wurden ihre Beschwerden dann stärker. „Ich habe das allerdings zunächst auf Nierensteine zurückgeführt“, erzählt die heute 50-Jährige. Sie ging deshalb zum Urologen. „Er hat schnell herausgefunden, dass es sich nicht um Nierensteine handelt“, fährt Irrgang fort, „sondern dass vermutlich ein orthopädisches oder rheumatisches Problem vorliegt.“ Der Urologe sollte recht behalten. Die Überweisung zum Rheumatologen brachte Gewissheit: Diagnose Morbus Bechterew.

Gegen die Schmerzen bekam sie zunächst nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) und andere Rheumamittel. Doch wie viele andere Betroffene klagte Irrgang trotzdem immer wieder über neue Schübe mit starken Schmerzen: „Ich war nicht mehr in der Lage länger zu sitzen und hatte große Schwierigkeiten bei der Arbeit.“ Das beste Gegenmittel: Bewegung. „Ohne sportliche Bewegung, die physikalische Therapie und die Krankengymnastik hätte ich sicher noch viel schlimmere Beschwerden gehabt“, stellt Irrgang fest. Dabei wirkt jede Art von Aktivität der Versteifung entgegen. Reiten und Muskeltraining helfen ebenso wie Fahrradfahren und Schwimmen.

Dank Biologika eine höhere Lebensqualität  

Heute nimmt Martina Irrgang sogenannte Biologika. Diese Biopharmazeutika, etwa mit dem Wirkstoff Secukinumab, werden erst dann vom Arzt verschrieben, wenn NSAR und Basistherapie nicht mehr ausreichend ansprechen. Sie lindern die Beschwerden und erleichtern den Alltag der Betroffenen ungemein. „Sie machen den Unterschied, ob ich eine Treppe raufkriechen oder normal hochgehen kann“, beschreibt Irrgang die Wirkung. „Ich habe seitdem eine viel höhere Lebensqualität.“ Dennoch: Nur eine regelmäßige Bewegungstherapie kann die Versteifung der Wirbelsäule verlangsamen. Je früher die Patienten mit Krankengymnastik und Bewegungstraining beginnen, desto besser bekommen sie die Krankheit in den Griff.

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