Die ewige Rotznase
Kitas als Tauschbörse für Krankheiten

Das Kind geht in die Kita, die Eltern arbeiten. So weit der Plan. Vor allem im ersten Winter nach dem Kita-Start klappt das aber oft nur teilweise, weil die Kleinen dauerkrank sind. Doch zum Glück ist das nur nervig, aber nicht bedrohlich - im Gegenteil.

Donnerstag, 14.02.2019, 13:27 Uhr aktualisiert: 14.02.2019, 13:32 Uhr
Dauerbeschäftigung für den Winter: Kleine Kinder sind in der kalten Jahreszeit gerne ständig krank - vor allem, wenn sie in die Kita gehen.
Dauerbeschäftigung für den Winter: Kleine Kinder sind in der kalten Jahreszeit gerne ständig krank - vor allem, wenn sie in die Kita gehen. Foto: Silvia Marks

Oranienburg (dpa/tmn) - Die Nase läuft, das Kind hustet - und steckt dann auch noch die Eltern an. Der erste Kita-Winter ist für Familien ein echter Härtetest. Denn oft reiht sich Krankheit an Krankheit, von der harmlosen Erkältung über den Magen-Darm-Infekt bis zur richtigen Grippe.

Und im zweiten Kita-Winter ist es oft nicht viel besser. Und im dritten auch nicht. Doch die Dauerkrankheit ist kein Grund zur Sorge, sagt Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte ( BVKJ ) - auch wenn es nervt.

Das Immunsystem wird stärker

Langfristig profitieren die Kleinen sogar von der ewigen Infektparade, sagt Fegeler. «Kinder haben zwar eine sehr gute Immunabwehr, aber noch kein immunologisches Gedächtnis – also keine Bibliothek von Antikörper-Bauplänen zur Abwehr spezifischer Erreger.» Diese Baupläne bilden sich erst, wenn das Immunsystem zum ersten Mal mit einem Erreger konfrontiert ist.

Das bedeutet allerdings auch, dass dieser Erstkontakt dann erst einmal zu einer Krankheit führen kann. «Das ist glücklicherweise nicht bei jedem Erstkontakt so», sagt Fegeler. «Aber es passiert eben doch häufiger als bei Erwachsenen.»

Und die meisten Viren gibt es eben in der Kita - einer Drehscheibe für den Austausch von Krankheitserregern. «Da sind viele andere Kinder, die alle jeweils andere Erreger aus ihrem persönlichen Umfeld mitbringen, also aus der Familie zum Beispiel», erklärt Fegeler. Drei Winter dauert es seiner Erfahrung nach, bis die Kinder das lokale Keimangebot durch haben - danach sollte die Zahl der Erkrankungen deutlich abnehmen. «Aber die Zeit bis dahin ist halt sehr hart.»

Das Kind nicht gleich aus der Kita nehmen

Aber warum ist die Ansteckungsgefahr gerade im Winter so groß? Simple Antwort: Weil die Fenster zu sind. Und weil Kita-Kinder im Winter weniger draußen spielen, wo sich ausgehustete oder -genieste Keime sofort verdünnen beziehungsweise verflüchtigen.

Lässt sich die Dauerkrankheit denn überhaupt verhindern? Kaum, sagt Ulrich Fegeler. Tipps für Eltern hat er aber trotzdem, allen voran: Die Kinder nicht in Watte packen - sie also nicht beim ersten Schniefen oder Husten gleich aus der Kita nehmen. Die dauerverrotzte Nase sei im Winter einfach typisch. «Und auch Husten ist keine Krankheit, sondern erstmal nur ein Reflex.» Wer sich Sorgen macht, könne natürlich trotzdem zum Arzt gehen. «Aber ein simpler grippaler Infekt ist meistens kein Fall für Medikamente.»

Längst nicht immer geben Kita-Kinder die Krankheit an ihre Eltern weiter - zum Glück. Doch wenn es passiert, trifft es die Großen oft viel härter als die Kleinen. «Denn deren Immunabwehr ist zwar unspezifisch, aber dafür sehr stark», sagt Fegeler. Ein gutes Beispiel dafür sei die Influenza, die Grippe also: «Kinder nehmen die noch relativ locker, bei Jugendlichen oder Erwachsenen ist das aber schon ganz was anderes.»

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