Gesundheit
Die E-Zigarette ist nicht der Einstieg zum Tabakrauchen

Verführt die E-Zigarette Jugendliche und erwachsene Nichtraucher zum Rauchen von Tabakzigaretten? In dieser Frage tobt zwischen Befürwortern und Kritikern des Dampfens seit Jahren ein heftiger Streit. Eine neue Studie wertet umfangreiches Datenmaterial aus und kommt zu dem Schluss, dass sich Juul & Co. nicht als Einstiegsdrogen erweisen und der befürchtete Gateway Effekt bei der E-Zigarette nicht nachzuweisen ist.

Dienstag, 11.06.2019, 10:17 Uhr aktualisiert: 11.06.2019, 10:21 Uhr
Gesundheit: Die E-Zigarette ist nicht der Einstieg zum Tabakrauchen
Verführt die E-Zigarette Jugendliche und erwachsene Nichtraucher zum Rauchen von Tabakzigaretten? Foto: Pixabay.com / sarahjohnson1

Breite Öffentlichkeit schätzt E-Zigaretten als schädlich ein

Die E-Zigarette wird immer beliebter. Das belegen die Umsatzzahlen der Hersteller von E-Zigaretten eindeutig. Selbst traditionsreiche Tabakkonzerne wie British American Tobacco , die das Dampfens über Jahre hinweg ignorierten oder als Modeerscheinung ansahen, erkennen das Potential der E-Zigarette und entwickeln heute eigene Produkte.

Mit der steigenden Zahl der Dampfer wächst aber auch die Kritik an der E-Zigarette. Laut einer Umfrage des Meinungsinstitutes Forsa ist die Hälfte der Deutschen der Meinung, dass die E-Zigarette genauso schädlich ist wie die klassische Tabakzigarette. Außerdem sehen Kritiker des Dampfens die Gefahr, dass die süßlichen Aromen aromatischer Liquids und das moderne Design der E-Zigaretten auf Jugendliche besonders anziehend wirken könnten. Sie sehen die E-Zigarette als potentielle Einstiegsdroge für das Tabakrauchen.

Gateway Effekt

In diesem Zusammenhang ist häufig vom 'Gateway Effekt' die Rede. Der Begriff wurde von der angesehenen Psychologin Dr. Denise B. Kandel geprägt. Sie untersuchte in den 1970er Jahren systematisch den Drogenkonsum und entwickelte ausgehend von den gewonnenen Daten die Gateway Drug Theory. Sie beobachtete, dass viele Menschen, die harte Drogen nehmen, zunächst legale Drogen wie Alkohol oder Nikotin konsumierten.

Die Kritiker der E-Zigarette greifen diese Theorie gerne auf und schlussfolgern, dass die weniger schädliche E-Zigarette zur großen Gefahr werden könnte. Dass dieser Rückschluss nicht zulässig ist, weiß jeder, der gelegentlich ein Glas Wein genießt oder als Jugendlicher heimlich mit Freunden eine Zigarette geraucht hat. Ob jemand von Drogen abhängig wird und welche Drogen er konsumiert, ist vor allem von individuellen Merkmalen und auch von kulturellen Einflüssen abhängig.

Studien zum Verhalten von Jugendlichen

Ob die Theorie von den Einstiegsdrogen belastbar ist und wie sich das Konsumverhalten entwickelt, beschäftigt Wissenschaftler seit Jahren. In Großbritannien beispielsweise wird das Verhalten von Jugendlichen regelmäßig untersucht. Prof. Dr. Linda Bauld , eine renommierte Soziologin von der schottischen Universität Stirling hat das umfangreiche Datenmaterial aus den Befragungen bezüglich des Konsums von E-Zigaretten ausgewertet. Das Ergebnis ihrer Untersuchung ist eindeutig. Lediglich 0,1 - 0,5 % der Jugendlichen, die E-Zigaretten nutzten, waren zuvor Nichtraucher.

Meta-Studie gibt ebenfalls Entwarnung

Die weltweit größte Studie, die Rückschlüsse auf das Konsumverhalten von Jugendlichen zulässt, wurde kürzlich veröffentlicht. An dieser Studie beteiligten sich zehn Wissenschaftler von fünf Universitäten. Sie schlossen sich zusammen und werteten eine Reihe von Studien aus, die zwischen 1995 und 2015 veröffentlicht wurden. Prof. Dr. Linda Bauld war ebenfalls beteiligt.

Kernaussagen der wichtigsten Studien zum Suchtpotential der E-Zigarette

  • Jugendliche experimentieren mit der E-Zigarette
  • die Experimente mit der E-Zigarette verführen in der Regel nicht zum regelmäßigen Konsum
  • Akzeptanz des Rauchens entwickelt sich auch unter Jugendlichen rückläufig
  • Zahlen liefern keinen Anhaltspunkt für das Wirken des Gateway-Effekts

Studienergebnisse dringen kaum an die Öffentlichkeit

Studien zum Thema E-Zigaretten finden bisher in der Öffentlichkeit wenig Beachtung. Gibt es irgendwo einen Beitrag, regieren die Kritiker der E-Zigarette umgehend und werten die veröffentlichten Ergebnisse als Gefälligkeitsgutachten im Auftrag der Hersteller von E-Zigaretten ab.

Bei der kürzlich veröffentlichten Meta-Studie ist dieser reflexartige Vorwurf mit Sicherheit unbegründet: Einen Auftraggeber und finanzielle Unterstützung für dieses aufwendige Forschungsvorhaben gab es nicht. Lediglich Prof. Dr. Linda Bauld wies auf einen möglichen Interessenkonflikt hin, denn sie ist auch für die Cancer Research UK tätig. Das ist die größte gemeinnützige Organisation für Krebsvorsorge in Großbritannien. Die Studienergebnisse wurden im Fachmagazin Tobacco Control von BMJ Journal veröffentlicht und sind frei zugänglich, sodass sich jeder Interessierte selbst informieren kann.

Strenge Regulierung erweist sich als hilfreich

Besser als totzuschweigen, wäre es auf alle Fälle, die Studien in der Öffentlichkeit kritisch zu diskutieren und einen Konsens zum richtigen Umgang mit E-Zigaretten und anderen legalen Drogen zu finden. Dass sich eine staatliche Regulierung positiv auswirken kann, beweisen die USA. Die Abgabe an Jugendliche unter 18 Jahren ist in den Vereinigten Staaten untersagt. Es dürfen keine kostenlosen Liquidproben oder E-Zigaretten abgegeben oder über Automaten angeboten werden, die für Jugendliche frei zugänglich sind. Diese seit 2016 geltenden Vorschriften, breit angelegte Aufklärungskampagnen und die wachsende Zahl von Rauchverbotszone, zeigen bereits messbare Erfolge, wie Untersuchungen belegen. In der Gruppe der etwa 12 - 14-Jährigen Schüler ging die Zahl der Dampfer seitdem deutlich zurück.

Langzeitstudien zu gesundheitlichen Risiken fehlen bisher

Da es die E-Zigaretten noch nicht sehr lange gibt, fehlen langfristige Untersuchungen und belastbare Aussagen, wie sich das Inhalieren des Dampfes auf die Gesundheit des Menschen auswirkt. Einige Dampfer berichten von Irritationen der Atemwege beim Genuss der E-Zigarette oder Entzündungsreaktionen der Bronchien. Ob das langfristige Dampfen weitere schädliche Wirkungen hat, kann heute noch nicht beantwortet werden. Bisher geht man davon aus, dass der Schadstoffgehalt vom Dampf der E-Zigarette niedriger ist als im Tabakrauch. Es kann jedoch nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass der Dampf die Entstehung von Krebserkrankungen begünstigt. Nikotinhaltige Liquids machen den Konsumenten genau wie die Tabakzigarette abhängig.

Dennoch gibt es auch Argumente, die für das Dampfen sprechen. Seriöse Studien belegen, dass passionierte Raucher, die vom Nikotin wegkommen wollen, mit Hilfe der E-Zigarette wesentlich zuverlässiger zum Ziel kommen, als Raucher, die zu Nikotin-Kaugummis oder Pflaster greifen.

Fazit: Nikotin meiden – mit der E-Zigarette kann der Rauchstopp gelingen

In einem Punkt sind sich alle Experten einig: Nikotin schadet der Gesundheit. Jeder Nichtraucher - ob Jugendlicher oder Erwachsener - sollte sich dieser Gefahr bewusst sein und auch den Griff zur E-Zigarette meiden. Wer der Faszination des Dampfens dennoch erliegt, tut seiner Gesundheit etwas Gutes, wenn er nikotinhaltige Liquids konsequent meidet. Für Raucher, die schon mehrfach erfolglos versucht haben, sich das Rauchen abzugewöhnen, kann das Dampfen jedoch durchaus eine empfehlenswerte Alternative zum Glimmstängel sein. Darauf weist das Portal rauchfrei hin. Mit Hilfe der E-Zigarette ist es möglich, allmählich vom Nikotin wegzukommen, ohne auf lieb gewordene Gewohnheiten und Rituale zu verzichten.

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