Gesundheit
Feuchte AMD: Eine medizinische und gesellschaftliche Herausforderung

Im Alter steigt die Zahl von Augenerkrankungen rapide an. Neben grauem und grünem Star rückt feuchte AMD als Hauptursache für Erblindung weltweit in den Blickpunkt. Die Behandlung ist teuer, doch Studien beweisen klar ihren großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen. Alarmierend: In Deutschland findet die feuchte AMD viel zu wenig Beachtung.

Mittwoch, 08.01.2020, 13:41 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 13:50 Uhr
Gesundheit: Feuchte AMD: Eine medizinische und gesellschaftliche Herausforderung
Foto: Unsplash.com

AMD : Schleichende Erblindung

Feuchte altersbedingte Makuladegeneration (AMD) greift in der Netzhaut jene Nervenzellen an, die für scharfes Sehen zuständig sind. Die Krankheit entwickelt sich bei Menschen ab 50 Jahren und verläuft progressiv: Wird sie nicht medikamentös verlangsamt, gehen die Nervenzellen unwiederbringlich verloren. Der Patient verliert weite Teile seiner Sehfähigkeit.

Die Ursache für feuchte AMD sind Veränderungen im Stoffwechsel: Ablagerungen in der zentralen Netzhaut – der Makula – hemmen die Versorgung der Nervenzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Später kommt ein ungeregeltes Wachstum poröser Blutgefäße in der Makula hinzu, das starken Sehverlust verursacht.

Weltweit steigt die Zahl der AMD-Fälle stark an. Außer demografischen Gründen spielen vermutlich auch Lebensgewohnheiten eine Rolle. Neben UV-Strahlung steht blauwelliges Licht von Displays und Monitoren zunehmend im Verdacht, die Makula zu schädigen und feuchter AMD Vorschub zu leisten. Und diesem Licht sind die Menschen immer intensiver ausgesetzt.

Große gesellschaftliche Auswirkungen

Feuchte AMD ist unheilbar, kann aber durch hoch effektive Wirkstoffe in ihrer Entwicklung verlangsamt werden. Dazu sind regelmäßig und lebenslang Injektionen nötig, die die Sehfähigkeit stabilisieren und damit die Unabhängigkeit der Betroffenen deutlich länger erhalten können.

Noch tritt feuchte AMD vorwiegend bei Menschen auf, die nicht mehr im Arbeitsleben stehen. Mittelfristig ist jedoch mit einer deutlichen Zunahme von Arbeitsunfähigkeit aufgrund der Erkrankung zu rechnen. Die Lebensarbeitszeit verlängert sich, zusätzlich dürften Patienten zunehmend aufgrund verstärkter schädigender Einflüsse früher eine AMD entwickeln. Hat die feuchte AMD schließlich die Makula so weit geschädigt, dass die Unabhängigkeit des Patienten stark eingeschränkt wird, steigen zudem die Kosten für die Betreuung im Alltag.

Internationales Bewusstsein wächst

Feuchte AMD verursacht bereits gut die Hälfte aller Erblindungen weltweit. Wissenschaft und Gesundheitsinstitutionen werden zunehmend auf das schnell wachsende Problem aufmerksam. Ob in Neuseeland, Finnland oder der Türkei, in den USA oder in Großbritannien: Experten untersuchen in Studien, wie groß der gesellschaftliche Schaden durch diese in der Öffentlichkeit wenig bekannte Augenerkrankung ist und wie der wirtschaftliche Nutzen der Therapie ist. Dabei wird auch die durch feuchte AMD bedrohte und eingeschränkte Lebensqualität der Betroffenen berücksichtigt.

Das Fazit ist international eindeutig: Zwar steigt überall die Zahl der Fälle von feuchter AMD rapide an . Doch ihre Behandlung – sie muss lebenslang beibehalten werden – bringt deutliche Gewinne hinsichtlich der Lebensqualität der Betroffenen und verringert zudem die gesellschaftlichen Kosten erheblich. In Neuseeland mit 20.000 Betroffenen wurden die gesellschaftlichen und medizinischen Kosten auf umgerechnet 230 Millionen Euro geschätzt. Ein früher Therapiebeginn aller Patienten würde mit 1,9 Millionen Euro zu Buche schlagen, aber eine Gesamtersparnis von 42 Millionen Euro erbringen. In den USA mit elf Millionen Erkrankten liegt der Kostengewinn in einer Größenordnung zwischen umgerechnet 6,5 und 10,2 Milliarden Euro. Und in der Türkei fanden die Wissenschaftler heraus, dass bei konsequent verfolgter Therapie die Kosten ab dem zweiten Behandlungsjahr deutlich zu sinken beginnen.

Problematisches Szenario

Und in Deutschland? Bei uns ist die Datenlage eher unsicher, da keine statistischen Erhebungen zu Augenkrankheiten und Erblindung durchgeführt werden. Eine aktuelle Auswertung von Fachliteratur durch die Uni Bonn geht von 6,9 Millionen AMD-Betroffenen aus. Weltweit soll die Zahl zwischen 2015 und 2050 von 67 und 77 Millionen steigen. 2050 wird prognostiziert jeder vierte ältere Erwachsene in der EU an AMD leiden.

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