Geringerer Schutz
Stiftung Warentest: FFP2-Masken passen oft nicht richtig

Nur wenn sie eng anliegen, bieten sie hohen Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Doch genau das ist das Problem bei vielen FFP2-Masken, zeigt ein Test. Was heißt das für Nutzer?

Donnerstag, 25.02.2021, 14:29 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 20:30 Uhr
FFP2-Masken müssen eng anliegen. Nur dann bieten sich den erhofften hohen Schutz.
FFP2-Masken müssen eng anliegen. Nur dann bieten sich den erhofften hohen Schutz. Foto: Zacharie Scheurer

Berlin (dpa/tmn) - FFP2-Masken verschiedener Hersteller haben bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest durchwachsen abgeschnitten. Während es bei der Filterleistung der Materialen keine Beanstandung gab, bemängelten die Tester bei einer Mehrzahl der zehn geprüften Masken die Passform - und bei drei Masken den Atemkomfort.

Für ihre Untersuchung hat die Stiftung zunächst den Komfort beim Ausatmen mit Hilfe einer Art «künstlicher Lunge» und einem Sensor gemessen, wie es in dem Testbericht heißt. Bei drei Masken sei der gemessene Widerstand so groß gewesen, dass das Atmen schwer falle. Sie wurden deshalb als «wenig geeignet» bewertet, da vor allem ältere und geschwächte Menschen dadurch Probleme bekommen könnten.

Was man über FFP2- und OP-Masken wissen sollte

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  • Alltagsmasken sollen laut einem Bund-Länder-Beschluss künftig bundesweit in vielen Bereichen tabu sein: Bus und Bahn fahren oder Einkaufen gehen: Das soll künftig nur noch mit einer medizinischen Maske, also einer OP-Maske möglich sein. 

    Die wichtigsten Infos über FFP2-Masken im Überblick. 

    Foto: Tobias Hase/dpa
  • Medizinische Masken, vereinfacht OP-Masken genannt, kommen normalerweise in Krankenhäusern und Arztpraxen zum Einsatz.

    Die mehrschichtigen meist grünen oder blauen Masken bestehen aus speziellen Kunststoffen, müssen der Norm EN 14683:2019 entsprechen und tragen ein CE-Zeichen.

    Sie schützen vor allem andere Menschen vor den Tröpfchen, die man beim Sprechen, Lachen oder Husten ausscheidet. Der Eigenschutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus ist bei den Masken begrenzt, wird aber besser, je enger die Maske anliegt.

    Foto: Christoph Soeder/ dpa
  • Können OP-Masken mehrmals verwendet werden?

    Das BfArM schreibt mit Blick auf OP-Masken: Das seien Einwegprodukte, die man regelmäßig wechseln und nach der Verwendung entsorgen sollte. Spätestens, wenn sie durchfeuchtet sind.

    Foto: dpa
  • Haben die OP-Masken Masken wirklich Vorteile gegenüber Alltagsmasken?

    Ja - und das liegt an ihrer Struktur. "In den OP-Masken sind spezielle Vliese verarbeitet. Das sind in aller Regel nicht-gewebte Stoffe, auch Nonwovens genannt, wo die Fasern wild durcheinander liegen", erklärt Frank Drewnick vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Sie haben damit in aller Regel nicht so große Poren, durch welche die Partikel sonst durchkommen könnten.

    "Außerdem sind die Fasern elektrostatisch geladen und scheiden kleine Partikel dadurch noch mal effektiver ab."

    Foto: dpa/The News & Observer/AP | Robert Willett
  • Was ist der Unterschied zwischen medizinischen (OP-) und FFP2-Masken?

    FFP2-Masken sind partikelfiltrierende Halbmasken. Die Bezeichnung FFP stammt aus dem Englischen (Filtering Face Piece). Ursprünglich sind sie insbesondere aus dem Handwerk bekannt. Die Arbeiter schützen sich damit dagegen, Staub oder andere giftige Stoffe einzuatmen. 

    Die allgegenwärtigen FFP2-Masken müssen mindestens 94 Prozent der Testaerosole abfangen, erläutert das BfArM. Sie schützen also nicht nur andere Menschen, sondern bieten auch für den Träger einen sehr guten, aber keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Ansteckung.

    FFP-Masken werden in drei Kategorien eingeteilt - 1 bis 3. Die unterschiedliche Bezeichnung geht darauf zurück, wie viele Aerosole die Masken filtern können.

    Foto: Hendrik Schmidt/dpa
  • Warum sind FFP2-Masken besser als Alltagsmasken?

    Der Unterschied liegt insbesondere darin, ob die Masken eher andere Menschen oder auch die Maskenträger schützen. Bei korrekt sitzenden FFP2-Masken würden beide Seiten vor Partikeln, Tröpfchen und Aerosolen geschützt, erklärt das BfArM.

    Wie die Gesellschaft für Aerosolforschung erläutert, halten einfache Mund-Nasen-Bedeckungen kleinere Partikel nicht so gut ab. Daher seien sie für den Selbstschutz nicht geeignet.

    Für die einfachen Mund-Nasen-Bedeckung - im Sprachgebrauch meist Alltagsmaske genannt - gibt keine Norm und keine wissenschaftlich nachgewiesene Schutzfunktion. Dennoch gehen Experten davon aus, dass auch diese Masken einen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.

    Foto: Rolf Vennenbernd/dpa
  • Wo bekommt man FFP2-Masken her?

    Sie werden in Drogerien, Apotheken oder online verkauft. Menschen über 60 Jahren, Risikoschwangere oder chronisch Kranke erhalten derzeit eine bestimmte Anzahl FFP2-Masken günstiger in der Apotheke. Die gesetzlichen Krankenkassen verschicken dafür Gutscheine : Für einen Sechserpack muss man dann nur zwei Euro zuzahlen.

    Experten raten, zunächst einmal nur eine Packung FFP2-Masken auszuprobieren. Im Unterschied zu einfachen Stoffmasken liegen diese wesentlich fester an. Manchmal werden sie als unangenehm empfunden. Beim Kauf sollte man auf das CE-Kennzeichen und eine vierstellige Nummer achten, die Rückschlüsse auf das Prüf-Institut zulässt.

    Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Worauf sollte ich beim Kauf von FFP2-Masken sonst noch achten?

    Partikelfiltrierende Halbmasken (FFP2/FFP3/KN95) sind für den Einsatz im Gesundheitsbereich zertifiziert und müssen mindestens 95 Prozent der Aerosole abfangen. Wer entsprechende Masken kaufen will, sollte auf der Verpackung auf die Kombination aus CE-Zeichen und vier Zahlen achten, rät der Tüv Nord.

    Erfüllen die Masken die Kriterien der entsprechenden Prüfnorm, bekommt die Verpackung ein CE-Kennzeichen sowie eine vierstellige Nummer. Dies lässt Rückschlüsse auf das Prüf-Institut zu.

    Foto: Friso Gentsch/dpa
  • FFP2, N95 oder KN95?

    Wenig Unterschied macht es dem Präsidenten der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, zufolge, ob die Atemschutzmasken aus den Klassen FFP2, N95 oder KN95 sind. «Das ist ein ähnlicher Standard.» Entscheidend sei die Qualität der Masken. Immer noch gebe es nicht ausreichend geprüfte Masken auf dem Markt, die jedoch - fälschlicherweise - als solche ausgezeichnet seien.

    «Man sollte nicht so sehr auf den Preis achten, sondern auf eine vertrauenswürdige Quelle», riet der Experte. Anders als im Frühjahr gibt es nach seiner Einschätzung aber keinen derartigen Engpass mehr an FFP2-Masken.

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Besser mit oder ohne Ventil?

    FFP2-Masken gibt es mit und ohne Ventil. Haben sie ein Ventil, wird die ausgeatmete Luft nicht so gut gefiltert. Somit ist der Schutz für andere Menschen gering - entsprechend erfüllen die Masken dann nicht wirklich ihren Zweck, der ja auch daran liegt, andere Menschen vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

    Foto: Christin Klose/dpa
  • Wie lange dürfen FFP2-Masken getragen werden?

    Während die Mund-Nasen-Bedeckungen aus Stoff gewaschen und wiederverwendet werden können, sind FFP2-Masken laut dem BfArM vom Hersteller als Einmalprodukte vorgesehen.

    Doch das kann ins Geld gehen, sofern man täglich auf diese Masken angewiesen ist - besonders Haushalte mit wenig Einkommen stellt das womöglich vor Probleme. Das wirft die nächste Frage auf.

    Foto: Christin Klose/dpa-tmn
  • Lassen sich die FFP2-Masken nicht doch aufbereiten?

    Forscher der Fachhochschule (FH) Münster und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster schreiben indes, dass sich FFP2-Masken bis zu fünf Mal aufbereiten lassen : Je nach Beschaffenheit der Maske bei 80 Grad Ober- und Unterhitze für eine Stunde im Ofen, oder indem man sie eine Woche lang an einem Haken im Raum trocknen lässt. Aus verschiedenen Gründen nicht geeignet zur Wiederaufbereitung seien Kochtopf, Mikrowelle, Waschmaschine, Spülmaschine und UV-Lampe. Hier finden Sie eine Infobroschüre zu dem Thema

    Foto: Till Simon Nagel/dpa-tmn
  • Worauf muss ich beim Tragen einer FFP2-Maske achten?

    Wie der Präsident der Gesellschaft für Aerosolforschung, Christof Asbach, erläutert, biete eine FFP2-Maske nur dann den versprochenen Schutz, wenn sie eng anliege. Je nach Gesichtsform treffe das nicht bei jedem Modell zu. Luft - und damit auch eventuell Viren - ströme dann an den Seiten der Maske vorbei, erklärte Asbach.

    «Wenn die nicht sauber abschließt, ist sie nicht wirksamer als eine einfache Maske.» Ein besonderes Problem hätten zudem Bartträger. Es gebe in der Industrie sehr teure Alternativen mit Rundum-Visieren, sichereren Hepafiltern und Luftpumpen. Das sei aber nicht für den Alltagsgebrauch gedacht. «Im Grunde bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, sich zu rasieren.»

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Bin ich mit einer FFP2-Maske sicher?

    Experten warnen vor falschen Vorstellungen bezüglich der Sicherheit von FFP2-Masken . Diese böten selbst dann keinen hundertprozentigen Schutz, wenn sie perfekt getragen würden.

    Die Masken müssten den Anforderungen zufolge 94 Prozent der Partikel filtern - damit gingen immer noch 6 Prozent durch. 

    Foto: Sven Hoppe/dpa
  • Wo bekomme ich weitere Infos?

    Aktuelle Infos rund um das Thema Coronavirus finden Sie in unserem Special und unserem regionalen Coronavirus-Newsticker. 

    Foto: Jasper Jacobs/BELGA/dpa
  • Foto: dpa

Pausen vom Maske-Tragen

Weil das Atmen durch gut sitzende FFP2-Masken im Vergleich zu OP-Masken im Allgemeinen schwerer fällt, gilt ohnehin der Ratschlag, regelmäßige Maskenpausen zu machen. So rät die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) zu maximal 75 Minuten Tragezeit - dann sollte eine halbe Stunde Maskenpause gemacht werden.

Manche Experten wie der Hygieniker Peter Walger finden die Nutzung von FFP2-Masken durch Ältere und Geschwächte, denen das Atmen ohnehin schwerfällt, generell bedenklich.

Wie viele Kleinstpartikel strömen durch?

Die sieben Masken, die den Atemkomfort-Test bestanden haben, testete die Stiftung Warentest anschließend in einer «Prüfkammer mit wässrigen, ungefährlichen Aerosolen». Die Probanden und Probandinnen hatten nach Angaben der Tester unterschiedliche Gesichtsformen und mussten in der Kammer verschiedene alltägliche Bewegungen ausführen.

So sollte der Sitz der Maske und damit die sogenannte Gesamtleckage getestet werden - also, wie viele Kleinstpartikel durch das Material der Maske und zusätzlich durch mögliche Lücken zwischen Maske und Gesicht des Trägers strömen.

Nach Angaben der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege sieht die entsprechende Norm DIN EN 149 hier für FFP2-Masken vor, dass im Mittel bei acht von zehn Trägern maximal acht Prozent der Aerosole an der Maske vorbei oder durch strömen dürfen. Diese Vorgabe hielt in der Untersuchung der Stiftung Warentest nur eine Maske ein - sie wurde als einzige als uneingeschränkt geeignet bewertet.

Im Zweifel anderes Modell testen

Dieses Testergebnis untermauert einen wichtigen Ratschlag, der bereits vorher galt: Wer eine FFP2-Maske tragen möchte, um sich selbst und andere vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, sollte darauf achten, dass diese richtig sitzt - und im Zweifel ein anderes Modell mit anderer Passform ausprobieren.

Denn bereits ein kleines Leck, durch das die Atemluft strömt, kann die Filterleistung der FFP2-Maske enorm reduzieren. Die Maske sitzt gut, wenn sich der Stoff beim Einatmen an den Mund heranzieht und beim Ausatmen aufbläht.

Die möglicherweise falsche Anwendung von FFP-Masken durch die Träger sieht die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin ebenfalls als Problem: Sie begrüße zwar grundsätzlich die Empfehlung zum Tragen dieser Masken in der Bevölkerung. Man sehe aber das Problem, dass durch inkorrekte Handhabung und mangelhafte Passform keine ausreichende Schutzwirkung erzielt werde.

«Daher muss mehr Aufklärung in der Bevölkerung erfolgen, wie die Masken zu tragen sind», schlussfolgerte die Fachgesellschaft in einer Stellungnahme Ende Januar 2021.

Die Kennzeichnung der Masken

FFP2-Masken müssen der Norm EN 149:2001 entsprechen und ein CE-Kennzeichen sowie eine vierstellige Nummer aufgedruckt haben. Die Nummer gibt Rückschluss auf die Prüfstelle.

Eine gute Nachricht der Untersuchung lautet übrigens: Keine der zehn geprüften Masken, die preislich zwischen rund ein und sieben Euro pro Stück liegen, enthielt bedenkliche Schadstoffe.

© dpa-infocom, dpa:210225-99-591250/2

 

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