Sonderveröffentlichung

Gesundheit
Legionellen – Unsichtbare Gefahr aus der Wasserleitung

Die stäbchenförmigen Bakterien Legionellen (Legionella) aus der Familie der Legionellaceae sehen mit dem Mikroskop betrachtet aus wie kleine Würmchen. In der Regel sind diese im Süßwasser lebenden Bakterien ungefährlich, in hohen Konzentrationen können Legionellen jedoch schwere Krankheiten auslösen.

Dienstag, 02.03.2021, 04:16 Uhr aktualisiert: 02.03.2021, 15:19 Uhr
Gesundheit: Legionellen – Unsichtbare Gefahr aus der Wasserleitung
Foto: Colourbox

Legionellen verursachen zwei Krankheitsbilder

Beim Menschen lösen Legionellen zwei unterschiedliche Krankheitsbilder. Diese umfassen das „Pontiac-Fieber“, eine Krankheit, die mit Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Unwohlsein einer Grippe ähnelt. In der Regel heilt das Pontiac-Fieber innerhalb von einer Woche selbst.

Professor Santiago Ewig , Chef­arzt der Pneumologischen Klinik der Augusta-Kranken-Anstalt Bochum : „Bei der milderen Form spricht man von Pontiac-Fieber, das meist mit grippeartigen Symptomen einhergeht und oft ohne Behandlung wieder ausheilt.“

Gefährlicher ist die „Legionellen-Pneumonie“, auch bekannt als Legionärskrankheit, eine Form der Lungenentzündung, bei der Symptome wie Kopfschmerzen, Schüttelfrost, hohes Fieber und ein schweres Krankheitsgefühl auftreten. Möglich sind außerdem Verwirrtheitszustände und Durchfall. Bei einer ausbleibenden oder falschen Behandlung kann die Legionärskrankheit schwere Komplikationen auslösen, bei korrekter Behandlung gibt es aber gute Heilungsaussichten. In Deutschland erkranken laut Daten der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) jährlich etwa 30.000 Menschen an dieser Krankheit.

Besonders gefährdet sind sowohl für das Pontiac-Fieber als auch die Legionärskrankheit Senioren, Raucher und andere Personen mit einer geschwächten Immunabwehr.

Legionellenbefall – Filter und Desinfektion beseitigen die Bakterien

Laut der Apotheken Umschau kommen Legionellen „überall vor, wo es Wasser gibt“. Wie Diplom-Biologe Benedikt Schaefer vom Umweltbundesamt (UBA) erklärt, ist das Händewaschen und sogar das Trinken dieses Wassers für den Menschen ungefährlich.

Riskant wird es hingegen, wenn verdampfendes und zerstäubtes Wasser, das zum Beispiel beim Duschen entsteht, in die Lunge gelangt und Legionellen mit einschleppt. Bei einer hohen Legionellenkonzentration sollten deshalb umgehend Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Eine Übertragung von Legionellen von Mensch zu Mensch erfolgt hingegen nicht.

Gesundheitsämter raten in diesem Fall zum Einsatz eines Duschkopfs mit Legionellenfilter , der 99,99999 Prozent aller Bakterien zurückhält und die unmittelbare Infektionsgefahr sofort signifikant reduziert. Außerdem ist eine Desinfektion der gesamten Wasserleitungen nötig, um die Legionellen dauerhaft zu beseitigen. Dies erledigen Fachbetriebe durch chemische Desinfektionsmittel wie Wasserstoffperoxid oder Chlor.

Vorbeugende Maßnahmen gegen Legionellen

Um einen Legionellenbefall von vornherein zu vermeiden, sollten Mieter und Eigentümer regelmäßig vorbeugende Maßnahmen gegen die Bakterien durchführen. Dazu ist es wichtig, zu verstehen, unter welche Bedingungen hohe Legionellenkonzentrationen entstehen können.

Optimale Lebensbedingungen für Legionellen

Wassertemperaturen zwischen 20 und 50 Grad Celsius sind für Legionellen optimal. Temperaturen über 60 Grad Celsius töten die Bakterien, Temperaturen unter 20 Grad Celsius bremsen die Vermehrung stark. Leider bieten künstliche Wassersysteme wie Rohrleitungen in Gebäuden und Wasserspeicher aufgrund ihrer Temperaturen den Bakterien somit optimale Lebensbedingungen.

Alexander Wolff , Leiter des Bereichs Wassermanagement beim ifp Institut für Produktqualität: „Das Wachstum von Legionellen wird durch ein entsprechendes Nährstoffangebot, zum Beispiel einen Biofilm in Wasserleitungen oder Sedimente wie Rost und Kesselstein begünstigt.“

Überdies begünstigt stehendes Wasser die Vermehrung der Krankheitserreger. Legionellen entstehen deshalb häufig in Wasserleitungen, die länger nicht durchspült wurden.

Wasserleitungen durchspülen

Die wohl sinnvollste und gleichzeitig simpelste Maßnahme zur Vorbeugung von Legionellen ist das Spülen von Leitungen , bei Wasserhähnen und Duschen, die lange nicht benutzt wurden. Wenn möglich, sollte alle drei Tage oder öfter für Wasserbewegung in den Leitungen gesorgt werden. Ist dies nicht möglich, sollten die Leitungen besonders lange gespült werden.

Warmes, stehendes Wasser vermeiden

Legionellen bevorzugen warmes Wasser. Boiler und andere Warmwasserspeicher sind bei Temperaturen bis 50 Grad Celsius daher ideale Orte zur starken Vermehrung der Krankheitserreger. Das Risiko steigt zusätzlich, wenn das warme und stehende Wasser lange nicht durch kaltes Frischwasser ersetzt wurde. Nach einem Urlaub oder anderen Perioden langer Nichtnutzung sollten Warmwasserspeicher deshalb vollständig entleert werden. Alternativ können die Bakterien auch durch ein Aufheizten auf mindestens 60 Grad Celsius im Boiler getötet werden.

Benedikt Schaefer : „Nach längerer Abwesenheit, etwa nach einem Urlaub, sollte man die Kalt- und Warmwasserhähne unbedingt einige Minuten laufen lassen. Das Spülen sollte nur so lange erfolgen, bis Kaltwasser deutlich kühl und Warmwasser deutlich warm aus der Entnahmearmatur fließt.“

Kaltwassertemperatur von unter 20 Grad Celsius

Die Temperatur des Kaltwassers sollte am Wasserhahn 20 Grad Celsius nicht übersteigen. Höhere Temperaturen können zum Beispiel durch eine schlechte Isolation ausgelöst werden und begünstigen das Wachstum der Bakterien. Helfen kann hier leider nur eine bessere Isolierung, deren Installation Eigentümer aufgrund der hohen Kosten oft vermeiden wollen.

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