Karriere
Vergleich deutscher Startups des Jahres 2008 und deren Entwicklung bis heute

Facebook ist wohl das Exempel für ein Startup, das innerhalb kürzester Zeit weltweite Aufmerksamkeit erhielt und heute laut Schätzungen rund 1 Milliarde Nutzer hat. Ausschlaggebend war dazu eine innovative Idee eines Harvard-Studenten, der mit einigen Kommilitonen an der Idee tüftelte und damit eine der am häufigsten besuchten Websites weltweit ins Leben rief. Genau das macht ein Startup aus - eine impulsgebende Idee, die zunächst im Privaten entwickelt und dann innerhalb kürzester Zeit zum Erfolg wird. Auch Deutschland hat solche Startups und damit Erfolgsgeschichten vorzuweisen. Während es vor allem 2007 zum sogenannten Gründerboom kam, in dem rund 323 Unternehmen mit dem Schwerpunkt Internet gegründet wurden, soll dieser Artikel vier Unternehmen fokussieren, die 2008 etabliert wurden und bis heute enorme Erfolge aufzuweisen haben.

Donnerstag, 28.11.2013, 11:11 Uhr

1.  Was sind Startups?

Startups sind kürzlich gegründete Unternehmen, die meist mit einer innovativen Idee versuchen, sich am Markt zu etablieren. Häufig haben wir bei Startups das Bild im Kopf, dass kreative Köpfe mit geringen Mitteln an ihren Ideen arbeiten und damit bereits nach kurzer Zeit große Erfolge erzielen. Jedoch wird nicht jedes neu gegründete Unternehmen als Startup bezeichnet. Eingeschränkt wird oft anhand der jeweiligen Branche. In der Regel kommen Startups aus dem IT- oder dem Multimediabereich. Lediglich in den ersten drei gegebenenfalls auch noch in den ersten fünf Jahren wird von einem Startup-Unternehmen gesprochen. Ist die Idee eines Startups lukrativ, kann es durchaus dazu kommen, dass Investoren Kapital investieren und den Startups somit die notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. Zwei spezielle Bezeichnungen von Startups sind die sogenannten Moonlight-Startups und die Re-Startups. Die Moonlight-Startups zeichnet aus, dass die Gründer das jeweilige Unternehmen als Teilzeitjob aufbauen. Ein Re-Startup hat bereits eine gescheiterte Idee vorzuweisen und möchte im Nachhinein mit einer neuen Idee durchstarten. Dabei soll die in der Krise gewonnene Erfahrung genutzt werden, um sich diesmal wirklich am Markt zu etablieren. Jedoch ist nicht nur eine innovative Idee allein ausschlaggebend dafür, dass ein Unternehmen als Startup bezeichnet wird. Zudem muss ein skalierbares Geschäftsmodell entwickelt werden. Dazu zählt ein Businessplan, der detailgenau eine Ist- und eine Soll-Situation entwickelt und somit sowohl als Orientierung für die Zukunft als auch als Überzeugungsmittel für mögliche Geschäftspartner dient. Da Startups wachstumsorientiert sind, benötigen diese Geschäftspartner, die ihnen ermöglichen auch innerhalb kürzester Zeit ein rasantes Mitarbeiterwachstum und stetig wachsende Umsätze vorzuweisen.

2. Vier deutsche Startups gegründet 2008

2.1. Statista

2.1.1. Der Start

Statista ist, wie der Name schon sagt, eine Onlineplattform, die Statistiken zur Verfügung stellt. Dabei sind auf der Website de.statista.com sowohl Daten von Marktforschungs- und Meinungsforschungsinstitutionen als auch Daten aus der Wirtschaft zugänglich. Grundidee war es, ein Recherchetool zu quantitativen Daten anzubieten. Das Internet bietet zahlreiche Fakten, Daten und Zahlen. Doch vor der Gründung von Statista gab es keine zentrale Anlaufstelle für all diejenigen, die nach solchen Informationen suchten. Das Unternehmen selbst gibt dabei an, Statistiken zu mehr als 60.000 Themen zur Verfügung zu stellen.

Statista startete im Mai 2008. Die beiden Gründer Tim Kröger und Friedrich Schwandt gingen damals mit ihrer Webseite online und schafften es bereits im Jahre 2008 einige Preise zu gewinnen. Das Startup entwickelte sich stetig.

2.1.2. Die Entwicklung

Auf die Gründung im Jahr 2008 und das an den Start gehen der Website im Mai folgte Ende 2008 die Wahl zum Startup des Jahres 2008. Deutsche-startups.de lobte den Nutzwert des Dienstes und die Tatsache, dass die Zielgruppe, die mit der Website angesprochen wird, so weitreichend ist. Neben dieser Auszeichnung verzeichnet Statista zu Beginn der Unternehmensgeschichte, nämlich ebenfalls 2008, auch den Gründerpreis der Financial Times. Im Laufe der Jahre sammelte das junge Unternehmen weitere Preise, die dessen Bekanntheit sukzessive steigerten. 2010 folgten die Auszeichnung als Ort der Innovation und der Red Herring Preis. 2012 war Statista sogar unter den Finalisten des Deutschen Gründerpreises. Im Laufe der Zeit konnte das Unternehmen zahlreiche renommierte Partner gewinnen, mit denen Statista zusammenarbeitet, um auch in Zukunft nützliche Informationen und Statistiken bereit zu stellen. Die strategischen Partner, die im Laufe der Zeit das Potential des Startups entdeckten, sind folgende:

  • Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW)
  • Institut für Demoskopie – Allensbach
  • Wirtschaftsmagazin Brand eins
  • Spiegel Online
  • Horizont
  • Focus Magazin Verlag
  • Stern
  • Verlagsgruppe Handelsblatt

2.1.3. Die gegenwärtige Situation

Heute ist Statista Deutschlands führendes Statistikunternehmen, beschäftigt 65 Mitarbeiter und hat zwei Hauptsitze in New York und Hamburg. Redakteure, Statistiker und Datenbank-Experten kümmern sich darum, dass die Daten und Fakten entsprechend aufbereitet werden. Dabei werden 3.000 Studien kostenfrei angeboten, bei den restlichen Statistiken wird von kostenpflichtigen Premium-Inhalten gesprochen. Ein direkter Download der Fakten, um diese in die eigenen Unterlagen zu integrieren, ist dabei möglich.

2.2. Mister Spex

2.2.1. Der Start

Das Internet ist Absatzmarkt für allerhand Produkte. Vor 2008 konnte sich jedoch kaum jemand vorstellen, dass irgendwann auch einmal Brillen und Kontaktlinsen über das Internet angeboten werden würden. Bis dahin hatten einzelne Unternehmen diese Branche beherrscht und die Kunden mussten die hohen Preise hinnehmen. Als jedoch Ende 2007 die Idee zu Mister Spex entstand und das Unternehmen 2008 von Dirk Graber, Björn Sykora, Philipp Frenkel, Lukasz Gadowski und Thilo Hardt gegründet wurde, verfolgten die fünf Gründer mit ihrer Idee das Ziel, den Optikmarkt zu verändern und die Branche in Bewegung zu bringen, die bis zu diesem Zeitpunkt auf den stationären Handel und einige wenige Anbieter beschränkt war. Während viele Startups gerade zu Beginn Schwierigkeiten damit haben, finanzielle Mittel von möglichen Geschäftspartnern zu erhalten, gelang dies dem Unternehmen schon recht früh. Bereits in der Anfangszeit stieg Lukasz Gadowski mit seiner VC Gesellschaft Team Europe Venture ein und lieferte somit das nötige Startkapital, das aus Misterspex von 2008 bis heute einen der größten Online-Versandhändler Deutschlands gemacht hat. Bereits im Gründungsjahr verzeichnete das Unternehmen eine halbe Million Euro Umsatz. In der Zwischenzeit beteiligten sich weitere Partner an Mister Spex, die Umsätze stiegen rasant und die Zahl der Mitarbeiter nahm ebenfalls zu.

2.2.2. Die Entwicklung

Mit einer halbe Million Euro Umsatz im Jahr 2008 gestartet, steigerte sich der Umsatz im Laufe der Jahre. 2009 waren es bereits 4,5 Millionen Euro, 2012 26 Millionen Euro und auch im ersten Quartal 2013 stellte sich eine Umsatzsteigerung von rund 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr heraus. Gründe dafür sind die immer wieder neuen Ideen und Innovationen, die die Mitarbeiter von Mister Spex hervorbringen. Um die eigenen Kunden davon zu überzeugen, dass der Brillenkauf im Internet möglich ist, entwickelten die Gründer des Unternehmens eine 3D-Online-Brillenanprobe. Mithilfe einer Webcam oder eines einfachen Passfotos können Kunden testen, ob die ausgewählte Brille zum eigenen Typ passt. Im Jahre 2011 startete Mister Spex zusätzlich zu dem Onlinehandel ein Partnernetzwerk mit stationären Augenoptikern. Statt mit den stationären Optikern in Konkurrenz zu treten, versucht Mister Spex mithilfe einer Kooperation den eigenen Umsatz zu steigern, aber gleichzeitig auch den eigenen Service und die Zufriedenheit der Kunden zu verbessern. Die lokalen Partneroptiker, die mittlerweile auf eine Zahl von 300 angestiegen sind, bieten für Mister Spex-Kunden kostenlose Sehtests und Brillenanpassungen.

2.2.3. Die gegenwärtige Situation

Erst kürzlich wurde bekannt, dass Mister Spex eine Investition des Unternehmens Scottish Equity Partners erhalten hat. Dabei wurden 16 Millionen Euro in den Online-Optiker investiert, der damit nun expandieren möchte. Die beiden schwedischen Mitbewerber Lensstore und Loveeyewear werden von Mister Spex aufgekauft und sollen im Jahre 2013 gemeinsam auf einen Umsatz von 48 Millionen Euro kommen. Mister Spex startet so auch in den nordeuropäischen Ländern damit, den Optikmarkt zu verändern. Daran sind mittlerweile mehr als 200 Mitarbeiter beteiligt. Der BVK , der Bundesverband Deutscher Kapitalbildungsgesellschaften, spricht von Mister Spex bereits nach so kurzer Zeit von Deutschlands größtem Online-Optiker.

2.3. Zalando

2.3.1. Der Start

Zunächst lediglich ein Online-Versandhändler für Schuhe, macht Zalando heute Modeketten wie H&M oder Versandhändlern wie Otto und Amazon Konkurrenz – und dabei wurde Zalando erst im Jahre 2008 gegründet. Gründer von Zalando sind David Schneider und Robert Gentz. Diese gingen im Oktober 2008 mit der Website zalando.de an den Start. Maßgeblich steuerten die Samwer-Brüder die nötigen finanziellen Mittel bei. Damals wurden noch ausschließlich Schuhe ausgewählter Marken angeboten, die im Keller des Büros in Berlin verpackt und versendet wurden. Noch im gleichen Jahr, genauer gesagt nur einen Monat später, entsteht bereits der Plan, das Sortiment um Handtaschen zu erweitern. Bereits drei Monate nach der Gründung, Ende 2008, ist Zalando eine kleine Kapitalgesellschaft mit rund 300.000 Euro Bilanzsumme. Ebenso rasant, wie sich der Start des Unternehmens gestaltet, ist auch die weitere Entwicklung.

2.3.2. Die Entwicklung

Der Versandhandel entwickelte sich stetig und das ab dem Zeitpunkt der Gründung.

2009: Im Februar 2009 steht der erste Umzug an, denn die bisherigen Räumlichkeiten fassen die Menge an Ware längst nicht mehr. Dank des Umzugs garantiert Zalando den eigenen Kunden, dass die Ware noch am Tag der Bestellung verpackt und versendet wird. Im April desselben Jahres können schließlich auch Kunden aus Österreich versandkostenfrei bei dem Startup-Unternehmen bestellen. Ebenfalls 2009 muss das Unternehmen aufgrund drastisch gestiegener Mitarbeiterzahlen erneut umziehen. Das neue Büro ist viermal so groß und befindet sich im Herzen von Berlin. Auch der erste Werbespot entsteht. Dieser läuft auf Sendern wie Pro 7, Sat.1 und anderen. Eine Kennzeichnung durch den TÜV Süd im November 2009 bestätigt die bisherige Kundenzufriedenheit.

2010: Im ersten Quartal des Jahres 2010 erweitert Zalando sein Sortiment zunächst um Kinderschuhe und dann um Bekleidung für Damen und Herren. Mit der Zalando-Lounge, Zalando Beauty und dem Zalando-Modeblog finden Kunden nicht mehr nur Produkte zum Verkauf, sondern auch hilfreiche Tipps zum Thema Styling, Beauty oder auch lukrative Verkaufsaktionen. Zusätzlich entsteht Zalando Sports, womit erneut eine weitere Zielgruppe angesprochen wird. Im letzten Quartal des Jahres 2010 folgt ein weiterer Umzug, ein neuer Werbespot und mit zalando.nl und zalando.fr können nun auch holländische und französische Kunden bei Zalando bestellen.

2011: Auch in diesem Jahr erweitert Zalando seine Reichweite. Sowohl Kunden in Italien, Großbritannien als auch der Schweiz können nun bei dem jungen Versandhandel bestellen. Gleichzeitig entsteht in Erfurt ein neuer Logistikstandort, der das Sortiment von Zalando um die neue Kategorie Wohnen erweitert. Im November 2011 erscheint außerdem erstmals das Zalando Magazin.

2012: 2012 folgen weitere Länder, in denen der Zalando-Versandhandel nun auch zugänglich ist: Schweden, Skandinavien, Belgien, Spanien, Dänemark, Finnland und Norwegen. Außerdem entsteht in Mönchengladbach ein weiteres Logistikzentrum. Im selben Jahr erhält das Unternehmen zudem den deutschen Marketing-Preis.

Angesichts des rapiden Wachstums stiegen demnach auch die Umsätze. Diese sollen 2010 150 Millionen Euro betragen haben, 2011 510 Millionen Euro und 2012 dann bereits 1,15 Milliarden Euro.

2.3.3. Die gegenwärtige Situation

Kürzlich gab Zalando bekannt, dass sich deren Umsatz allein im zweiten Quartal des Jahres 2013 um 70 Prozent auf 437 Millionen Euro gesteigert habe. Bereits im ersten Quartal wurde ein Mehrumsatz von 74 Prozent verzeichnet. Das ist kaum verwunderlich, denn Zalando ist mittlerweile neben Deutschland auch noch in 13 anderen Ländern vertreten und rund 2.500 Mitarbeiter aus 30 verschiedenen Ländern beschäftigt der Versandhändler bereits. Welche Entwicklung Zalando genau 2013 bisher gemacht hat, lässt sich unter http://www.zalando.de/presse_geschichte/ nachlesen. 

2.4.  Soundcloud

2.4.1. Der Start

Aus Fehlern lernen – das ist wohl das Motto der beiden Gründer des Unternehmens SoundCloud. Zunächst in Stockholm versuchen eine Idee zu verwirklichen, daran scheitern und dann in einer anderen Stadt mit einem Milieu, das deutlich innovativer ist  und ein besseres Netzwerk aufweist, durchstarten. Genau das haben Alexander Ljung und Eric Wahlforss geschafft. Trotz großer Konkurrenz in Form von MySpace gehört SoundCloud heute zu den wenigen Streamingdiensten, die internationale Bekanntheit erlangt haben und sich in stetigem Wachstum befinden. Die Kooperations- und Werbeplattform für Musiker sollte sozusagen ein soziales Netzwerk zwischen Musikern und Nutzern sein. Künstler können dort ihre Tracks hochladen und somit die Community erreichen. Zunächst war das Team nur recht klein. Die beiden Gründer und zwei weitere Schulkameraden arbeiteten anfangs an der Idee, die in Berlin erst wirkliche Gestalt annahm. Bereits zu Beginn fanden die beiden Gründer von SoundCloud Investoren, die Ihnen den Einstieg in den Markt vereinfachten. Der erste Investor, den SoundCloud zu verzeichnen hatte, war Ableton, eine Firma aus dem Bereich Musiksoftware.

2.4.2. Die Entwicklung

Weitere zur Verfügung gestellte finanzielle Mittel von Investoren ermöglichten die rasante Entwicklung des Startups bis heute. Unter anderem erhielt SoundCloud von Kleiner Perkins Caufield  Byers (KPCB) eine Finanzspritze von 50 Millionen US-Dollar. KPCB unterstützen unter anderem auch schon Startups wie Amazon, Google oder Facebook. Die Website des Streamingdienstes wird in der Laufbahn bis heute stetig überarbeitet und verbessert. Dabei lag der Fokus hauptsächlich auf Dashboarding und Attention-Streams. Es bietet sich für die Nutzer an, Playlisten zu erstellen, diese mit anderen Usern zu teilen, die eigenen Lieblingssongs zu markieren, sich die Playlisten anderer Nutzer anzuhören und diese ebenfalls zu abonnieren. SoundCloud stellt an sich den Anspruch, das YouTube des Sounds zu sein. Musiker bieten dort ihre Stücke den Nutzern an, werben für diese und bieten somit ihren Fans oder Followern immer die neusten Musikstücke.

2.4.3. Die gegenwärtige Situation

Das Startup SoundCloud beschäftigt mittlerweile bereits 180 Mitarbeiter und das in Berlin, San Francisco, London und Sofia. Pro Monat nutzen 180 Millionen Nutzer die Plattform, was acht Prozent aller Internetnutzer weltweit sind.

Ein Interview mit einem der Gründer Eric Wahlforss offeriert weitere Informationen zu dem Startup SoundCloud: http://www.gruenderszene.de/interviews/eric-wahlforss-soundcloud-startup-helden

3. Fazit

Der unmittelbare Vergleich der vier Startups in einigen Aspekten stellt ganz klar Zalando als wachstumsstärkstes und erfolgreichstes Jungunternehmen heraus. Auch, wenn zu den Umsätzen der Startups Statista und SoundCloud bedauerlicherweise keine Angaben vorliegen, macht bereits die Tatsache, dass Zalando neben Deutschland bereits in 13 europäische Länder expandiert hat und mittlerweile 2.500 Mitarbeiter beschäftigt, deutlich, dass von den vier verglichenen Jungunternehmen Zalando wohl die umfangreichste Entwicklung verzeichnet und den höchsten Umsatz erwirtschaftet.

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