Plattformen wie „Dawanda“ und „Etsy“ helfen Designern in die Selbstständigkeit
Eine Chance für Nachhaltigkeit

Für Musiker ist es der Applaus. Und für Designer? Der Gradmesser für ihren Erfolg ist nicht allein die Aufmerksamkeit, die ihre Entwürfe erhalten. Erst wer seine Ideen auch verkaufen kann, der nähert sich dem Traum von der Selbstständigkeit.

Dienstag, 12.11.2013, 11:26 Uhr

Ein eigener Laden – und sei er auch nur im Internet – ist teuer. Erschwinglich ist dagegen das Verkaufen im Netzwerk. International spielt „Etsy“ eine große Rolle: Das New Yorker Unternehmen stellt seit 2005 die Internet-Basis für Handgemachtes zur Verfügung. Eine Million aktive Shops und 30 Millionen Mitglieder tummeln sich laut Unternehmensangaben unter dem Dach – zum Kaufen, Verkaufen und zum Austausch über den gemeinsamen ökologisch-nachhaltigen Ansatz.

Für Kreative in Deutschland ist die Plattform „Dawanda“ führend: Rund 230.000 Hersteller sind registriert und bieten rund vier Millionen Produkte an. Die Kaufabwicklung läuft über das Berliner Unternehmen, das in diesem Jahr seinen siebten Geburtstag feiert, mit seinen 150 Mitarbeitern. Auf der Plattform entwickeln sich Do-it-yourself-Trends, die sich in der Breite niederschlagen: Holzpaletten und Beton als Werkstoff, zu Ohrringen recyceltes Oma-Porzellan – in den beliebtesten Ideen des abgelaufenen Jahres zeichnet sich deutlich der Trend zur kreativen Verwertung ab.

Einer der „Dawanda“-Hersteller ist das Düsseldorfer Label „Das pinke Zimmer“: Heike Schell und Sarah Hartung , beide studierte Modedesignerinnen, waren sieben Jahre bei einem großen Modeunternehmen angestellt, ehe sie sich für das volle Risiko, eine eigene Linie und einen eigenen Laden entschieden. „Ich wollte nicht das tragen, was alle tragen“, sagt Sarah Hartung, wie sie als Kind zum Nähen kam. Ein Motiv, das sich bis heute in ihren verspielten, mädchenhaften Kleidern widerspiegelt. Und damit hat die Designerin etwas Entscheidendes gemeinsam mit ihren Kundinnen: den Wunsch nach Individualität, aber auch nach Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Doch in Vertriebsfragen ging für die beiden jungen Frauen anfangs viel schief. Eine Handelsvertreterin türmte gar mit einer ganzen Kollektion.

Daher steuern die 32-Jährige und ihre Partnerin inzwischen die Geschicke selbst. Auch um aufzufallen und sich aus der Masse der vielen Ideen und Talente herauszulösen und sichtbar zu werden. „Man muss seine Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten“, sagt Sarah Hartung. Produktionswege, Marketing und eine klare Linie tun das Übrige. Ladenlokal, Online- und Dawanda-Shop sowie 20 bis 25 Messen pro Jahr – Stunden zählen sie nicht und mit einem Zweitjob federn beide den Lebensunterhalt ab. Doch sie haben das Gefühl, dass sie gerade auf diesen Vertriebswegen auf Kunden treffen, die ein Gespür für Nachhaltigkeit und Individualität haben.

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