Jobmarkt
Der Fachkräftemangel – Aktuelle Situation und Lösungsvorschläge in Deutschland

Immer mehr junge Menschen streben ein Studium an und gleichzeitig tun sich auch viele schwer, einen Einstieg in den Ausbildungsberuf zu finden. Die Anzahl der bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldeten Ausbildungsplatzbewerber ist seit 2007 um rund ein Viertel zurückgegangen. In den neuen Bundesländern hat sie sich sogar um die Hälfte reduziert. Aufgrund des demografischen Wandels rücken ebenfalls immer weniger junge Erwerbstätige auf den Arbeitsmarkt nach. Daraus ergibt sich ein Mangel an Fachkräften, von welchem bereits jetzt mehrere Branchen betroffen sind. Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren auf diesen besorgniserregenden Trend reagiert und verschiedene Maßnahmen zur Sicherung der Fachkräftebasis eingeleitet. Doch wie akut ist die Gefahr des Fachkräftemangels wirklich und inwieweit wirken die bisher ergriffenen Maßnahmen der Bundesregierung dem entgegen? Der folgende Artikel beinhaltet eine Bestandsaufnahme, zeigt Lösungsvorschläge für Unternehmen auf und bietet einen Ausblick bezüglich der Chancen und Risiken für Deutschland.

Dienstag, 31.03.2015, 12:03 Uhr

1. Einleitung: Der Fachkräftemangel – ein großes Problem der Technologiebranche

Die Technologiebranche gehört zu den wichtigsten Branchen überhaupt und ihre Bedeutung nimmt stetig zu. Gerade weil diese Branche im Wachstum begriffen ist, gestaltet sich der Mangel an Fachkräften dort besonders dramatisch.

a. Definition

Es kann zwischen den Begriffen Arbeitskräftemangel, Fachkräftemangel und Fachkräfteengpass unterschieden werden. Doch was bedeuten die einzelnen Begrifflichkeiten genau?

Arbeitskräftemangel

Liegt die Arbeitsnachfrage dauerhaft über dem Arbeitsangebot, haben Betriebe also mehr Stellen zu besetzten als Arbeitnehmer zur Verfügung stehen, wird vom Arbeitskräftemangel gesprochen. Alle erwerbstätigen Personen werden dabei, unabhängig ihrer Qualifikation, unter dem Begriff der Arbeitskräfte zusammengefasst.

Fachkräftemangel

Fachkräfte sind Arbeitnehmer, die eine anerkannte akademische Ausbildung beziehungsweise eine anerkannte mindestens zweijährige Berufsausbildung absolviert haben. Von einem Fachkräftemangel wird gesprochen, wenn die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften über einen längeren Zeitraum hinweg nicht gedeckt werden kann. Grundsätzlich kann die gesamte Wirtschaft von einem Fachkräftemangel betroffen sein. Dies ist jedoch eher selten der Fall. Meist betrifft der Fachkräftemangel nur bestimmte Berufsgruppen beziehungsweise Regionen, so ein Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung . Trotz Arbeitslosigkeit kann ein Fachkräftemangel gegeben sein, nämlich dann, wenn die Qualifikationen der Arbeitslosen nicht den benötigten Qualifikationen der zu besetzenden Stellen entsprechen.

Fachkräfteengpass

Einen dauerhaften Fachkräftemangel auf anpassungsfähigen Märkten kann es eigentlich nicht geben, da Arbeitgeber dem sonst entgegenwirken würden (Ausweitung der Arbeitszeiten oder Verringerung der Produktion). Deshalb wird häufig von einem Fachkräfteengpass oder auch einer Fachkräftelücke gesprochen. Gemeint ist damit das vorübergehende qualitative Ungleichgewicht zwischen der qualifikationsspezifischen oder regionalen Arbeitsnachfrage und dem Angebot an zur Verfügung stehenden Fachkräften.

b. Bestandsaufnahme

Fachgkräftemangel Bild  2

Vor allem in der Technologie-Branche fehlt es an Fachkräften.

Die Investitionssummen in neue Technologien steigen stetig an, doch der Mangel an qualifizierten Fachkräften bremst die Unternehmen gleichzeitig aus. Laut einer 2014 durchgeführten CIO Studie von Harvey Nash , für welche CIOs und Technologie-Experten aus über 30 Ländern befragt wurden, berichten fast zwei Drittel der Unternehmen, dass ihre digitalen Strategien aufgrund des Fachkräftemangels behindert werden. In Deutschland haben das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie die Bundesagentur für Arbeit den sogenannten Fachkraft-Engpass-Monitor entwickelt. Mit diesem Tool können Bürger ganz einfach einsehen, in welchen Berufsgruppen beziehungsweise Regionen es bereits zu Stellenbesetzungsschwierigkeiten kommt und so zum Beispiel nachvollziehen, wie es beim Thema Fachkräftemangel um ihre eigene Berufsgruppe in ihrem eigenen Bundesland bestellt ist. Ebenfalls helfen, kann dieses Tool jungen Menschen, die sich für eine Ausbildung entscheiden müssen. Sie können so schnell prüfen, in welchen Branchen die Einstellungschancen gerade besonders gut sind.

c. Der Fortschrittsbericht des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales 2014

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat 2014 einen Fortschrittsbericht zum Fachkräftekonzept vorgelegt. Unter anderem befasst sich der Bericht mit den wichtigsten Rahmenbedingungen der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung. Erste Jahresergebnisse der Inlandsproduktsberechnung des Statistischen Bundesamtes geben an, dass das Bruttoinlandsprodukt 2014 im Jahresdurchschnitt real um 1,5 Prozent anstieg. Grundsätzlich hat sich der Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr positiv entwickelt und die Zahl der Beschäftigten ist um 510.000 gestiegen. Die Arbeitskräftenachfrage bleibt trotzdem auf einem recht hohen Niveau. In Bezug auf den demografischen Wandel ist festzustellen, dass Deutschland an den Trend der letzten Jahre anknüpft und weiterhin hohe Zuwanderungsgewinne erzielt. Die meisten Zuwanderer kommen aus den osteuropäischen Mitgliedsstaaten der EU in die Bundesrepublik. Nicht zuletzt hat auch die Zahl der Zuwanderer zu einem Anstieg der Erwerbspersonenzahl geführt.

Zur Berufsgruppe der Experten im Bereich technische Forschung und Entwicklung wird angegeben, dass diese aus der Liste der Engpass-Berufe entfallen. Diese fasst aktuell 19 Berufsgruppen. Technische Berufe und Berufe aus der Gesundheits- und Pflegebranche sind weiterhin am stärksten vom Fachkräftemangel betroffen.

2. Lösungsmöglichkeiten

Wie also kann der Problematik des Fachkräftemangels entgegengewirkt werden? Im folgenden Kapitel werden verschiedene Lösungsansätze näher vorgestellt.

a. Science Days für Kinder und Jugendliche

Kinder und Jugendliche sind die potentiellen Fachkräfte von morgen. Umso wichtiger ist es, sie frühzeitig an die Themen Wissenschaft und Technologie heranzuführen. Der Förderverein Science  & Technologie e.V. hat sich genau dies zur Aufgabe gemacht und mehrere Projekte entwickelt. Bei dem wohl Bekanntesten handelt es sich um den Science Day, welcher einmal jährlich für drei Tage im Europa Park Rust stattfindet. Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen wird die Möglichkeit geboten, an verschiedenen Workshops teilzunehmen und Science-Shows zu besuchen. Es gibt auch spezielle Science-Days nur für Kinder zwischen vier und acht Jahren. Die Science Days sind eine gute Möglichkeit, Kinder und Jugendliche auf die Themenfelder Wissenschaft und Technik aufmerksam zu machen, sodass diese sich später vielleicht eher dazu entscheiden, selbst einen technischen, beziehungsweise wissenschaftlichen Beruf zu erlernen.

b. Duales Studium

Fachgkräftemangel Bild  3

Das Angebot eines dualen Studiums kann vor Fachkräftemangel schützen.

Unternehmen, welche ein duales Studium anbieten, tragen entschieden dazu bei, sich vor dem Fachkräftemangel zu schützen. Dies gilt auch für mittelständische Unternehmen, die sich an die geänderte Marktsituation anpassen und mittlerweile ein Drittel der Unternehmen, welche ein duales Studium anbieten, ausmachen. So zum Beispiel das Unternehmen Adler Werbegeschenke , welches sich auf Präsente für den gewerblichen Gebrauch spezialisiert hat oder auch die comNET GmbH , eine Gesellschaft für IP-Kommunikation und Netzwerke. Unter www.duales-studium.de sind knapp 6000 Unternehmen gelistet, welche ein duales Studium anbieten.

c. Potential von Zugewanderten nutzen

Wie einem Beitrag der Welt zu entnehmen ist, soll laut dem Institut für deutsche Wirtschaft bis zum Jahr 2020 ein Defizit von 1,3 Millionen Fachkräften entstehen. Der deutsche Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer fordert aus diesem Grund Erleichterungen und ein begrenztes Bleiberecht für junge Flüchtlinge in Deutschland, die eine Ausbildung absolvieren möchten.

Weiterhin unterstützt die Bundesregierung Migranten dabei, sich in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Auch auf diese Weise soll dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Ziel ist es, das Potential von Zuwanderern zu nutzen und somit sowohl die Lage der Wirtschaft zu verbessern als auch den Zuwanderern bei der Eingliederung zu helfen. Von den 39 Millionen Erwerbstätigen im Jahr 2013 hatten rund sieben Millionen einen Migrationshintergrund.

d. Interne Weiterbildungen

Wie erfolgreich ein Unternehmen ist, hängt nicht zuletzt von der Qualifikation seiner Mitarbeiter ab. Die Bereitstellung von internen Weiterbildungsmaßnahmen ist eine Möglichkeit der Qualitätssicherung und der langfristigen Bindung von Arbeitskräften an ein Unternehmen und sollte von Unternehmen also schon aus Eigeninteresse heraus angeboten werden. Doch nicht alle Unternehmen sind in diesem Bereich aktiv. Gründe dafür werden in der nachstehenden Statistik aufgezeigt:

 

Fachgkräftemangel Statistik 1


13,9 Prozent der Befragten gaben als Begründung an, dass Neueinstellungen günstiger sind als Weiterbildungen (Quelle: © IW-Weiterbildungserhebung 2014 / In: Statista )

Doch Unternehmen, die Weiterbildungsmaßnahmen unterstützen, tragen dazu bei, ihre Fachkräftebasis zu stärken. Gerade in der Technologiebranche ist der regelmäßige Erwerb von neuem Wissen essentiell, damit ein Unternehmen vorankommt und sich dauerhaft auf dem Markt behaupten kann. Wie der PDF Fachkräftesicherung – Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung“ zu entnehmen ist, kann das Sonderprogramm „Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Unternehmen“ der Bundesagentur für Arbeit die Unternehmen gezielt in Bezug auf die Weiterbildungsangebote für ihre Mitarbeiter unterstützen.

e. Die Fachkräfteoffensive der Bundesregierung

Neben dem Fachkräfte-Engpass-Monitor hat die Bundesregierung auch die Fachkräfteoffensive ins Leben gerufen. Sowohl Fachkräfte als auch Unternehmen können sich dieses Portal zu Nutze machen. So finden Unternehmen zahlreiche Praxismaßnahmen zur Fachkräftegewinnung und -sicherung. Die einzelnen „Werkzeuge“ lassen sich vom Unternehmen individuell zusammenstellen und anschließend als PDF ausdrucken.

3. Vorschläge für Unternehmen

Das folgende Kapitel befasst sich mit konkreten Maßnahmen, die zur Gewinnung beziehungsweise zur dauerhaften Bindung von Fachkräften an ein Unternehmen genutzt werden können.

a. Anreize zur Gewinnung von Fachkräften

Damit ein Unternehmen für Fachkräfte attraktiv wirkt, muss es sich von der Konkurrenz abheben. Anbei werden einige Optionen, wie dies vonstattengehen kann, beleuchtet.

  i. Hohes Einstiegsgehalt

Fachgkräftemangel Bild  4

Ein hohes Einstiegsgehalt ist ein kurzfristiger Motivator.

Über ein hohes Einstiegsgehalt kann vor allem kurzfristig die Motivation des Bewerbers, bei einem bestimmten Unternehmen anzufangen, gesteigert werden. Auf Dauer kommt es aber vor allem auf die Arbeitsbedingungen an. Geld allein ist kein dauerhafter Motivator, wie einem Artikel von www.gehalt.de zu entnehmen ist. Gerade junge Arbeitnehmer legen mehr Wert auf andere Kriterien und entscheiden sich nicht zwangsläufig für das Unternehmen, welches ihnen das höchste Einstiegsgehalt bietet.

   ii. Zuschüsse und Karrierechancen

Interessanter für viele Fachkräfte sind da schon die Zuschüsse und Karrieremöglichkeiten, die ihnen ein Unternehmen bietet. Wie erwähnt, sind regelmäßige Weiterbildungen ein guter Anreiz, um Fachkräfte zu gewinnen und dauerhaft zu binden. Die nachstehende Statistik zeigt, dass für 91 Prozent der befragten Akademiker gute Aufstiegsmöglichkeiten ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers sind, wohingegen ein hohes Einstiegsgehalt nur von 73 Prozent der Teilnehmer genannt wurde.

 

Fachgkräftemangel Statistik 2


Den meiste Befragten legen bei der Wahl ihres Arbeitgebers großen Wert auf gute Aufstiegsmöglichkeiten. (Quelle: © Focus / In: Statista )

Immer mehr Unternehmen setzten heute auf sogenannte Benefits, also Zuschüsse beziehungsweise Zusatzleistungen, die einerseits dem Mitarbeiter zeigen, dass er wertgeschätzt wird, andererseits aber auch spezielle Boni darstellen. Dabei kann es sich um Dienstwagen oder Diensthandys handeln, jedoch auch um die betriebliche Altersvorsorge, Gutscheine für ein Fitnessstudio oder Erfolgsbeteiligungen.

   iii. Teamevents

Der kollegiale Zusammenhalt ist den meisten Angestellten ebenfalls sehr wichtig. Um diesen zu stärken und das Betriebsklima positiv zu beeinflussen, bieten sich Teamevents an. Ob es sich dabei um einen Kletterkurs oder eine gemeinsame Kanu-Tour handelt, ist dem persönlichen Interesse überlassen. Derlei Maßnahmen kommen erfahrungsgemäß bei Angestellten gut an und können auch für Fachkräfte ein Anreiz sein, Teil eines Unternehmens zu werden.

Fachgkräftemangel Bild  7

Teamevents stärken den Zusammenhalt.

   iv. Kulturelle Vielfalt

Wie bereits erwähnt, wird qualifizierten Zuwanderern in Zukunft im Kampf gegen den Fachkräftemangel eine noch größere Bedeutung zukommen. Unternehmen, die schon jetzt auf kulturelle Vielfalt setzen, senden ein deutliches Signal. Nicht nur für Fachkräfte aus dem Ausland ist kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz ein wichtiges Kriterium, was darüber entscheiden kann, ob ein Unternehmen als Arbeitgeber infrage kommt oder nicht. Auch viele deutsche Arbeitnehmer schätzen ein Arbeitsumfeld, in welchem unterschiedliche Nationalitäten zusammenkommen und voneinander lernen und profitieren können.

b. Werkzeuge zur Haltung von Fachkräften

Es geht nicht nur darum, Fachkräfte für das Unternehmen zu gewinnen, sondern vor allem darum, diese dann auch langfristig zu halten. Deshalb folgen nun ausgewählte Maßnahmen, die dazu beitragen, dass Arbeitnehmer sich dauerhaft mit ihrem Unternehmen identifizieren können.

   i. Regelmäßige Boni und Gehaltserhöhungen

Gewinnbeteiligungen sowie regelmäßige Gehaltserhöhungen sind natürlich ein gutes Instrument der langfristigen Mitarbeiterbindung, reichen aber bei weitem nicht mehr aus. Im Gegenteil, diese Faktoren können sogar zu Neid unter den Mitarbeitern führen und somit demotivieren und das Arbeitsklima schädigen. Dabei kommt es natürlich auch immer auf den individuellen Mitarbeiter an. Dem einen ist Geld wichtiger, der andere setzt seinen Schwerpunkt eher bei netten Kollegen und einem guten Betriebsklima. Fakt ist, dass Geld an Bedeutung verliert, sobald die Arbeit Freude macht und sich der Mitarbeiter als nützliches und geschätztes Unternehmensmitglied fühlt.

   ii. Sensibilisierung von Führungskräften

Fachgkräftemangel Bild  5

Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion.

Führungskräfte müssen sich selbst als Vorbilder wahrnehmen und dementsprechend handeln. Es gibt nicht umsonst den bekannten Satz: “Jeder Vorgesetzte hat auf Dauer die Mitarbeiter, die er verdient“. Führungskräfte sollten sich deshalb auch regelmäßig weiterbilden und zum Beispiel an Workshops zu verschiedenen Führungsstilen, zu übergreifenden Strategien und Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsfähigkeit sowie zur positiven Beeinflussung des Betriebsklimas teilnehmen. Gerade Kompetenzen im Bereich der Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zielen auch darauf ab, die Arbeitsfähigkeit älterer Fachkräfte möglichst bis zur Rente zu erhalten und so wiederum dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken.

   iii. Mitarbeiterbefragungen

Mitarbeiterbefragungen sind eine sehr gute Möglichkeit, die Attraktivität des Arbeitgebers sowie die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu ermitteln und außerdem Optimierungspotentiale innerhalb des Unternehmens aufzudecken. Laut dem Beitrag „ Der versteckte Effekt der Mitarbeiterbefragung “ gibt jedoch nicht mal die Hälfte der deutschen Arbeitnehmer an, dass ihr Arbeitgeber regelmäßig Mitarbeiterbefragungen durchführt. Während die bereits genannten positiven Effekte der Mitarbeiterbefragung weitreichend bekannt sind, ist den wenigsten Arbeitgebern bewusst, dass das Instrument der Mitarbeiterbefragung auch dazu führt, das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu steigern. Die Angestellten fühlen sich wertgeschätzt und ernst genommen und das motiviert sie. Dies ist jedoch nur dann der Fall, wenn die Ergebnisse der gesamten Befragung im Nachhinein auch kommuniziert und wenn Maßnahmen umgesetzt und Erfolgskontrollen eingeführt werden. Nur so haben die Mitarbeiter dauerhaft das Gefühl, dass ihre Meinung wirklich zählt und Maßnahmen in ihrem Sinne ergriffen werden.

   iv.  Entwicklung der Unternehmenskultur

Die Entwicklung einer Unternehmenskultur stärkt nicht nur das Ansehen eines Unternehmens nach außen, sie vermag es auch, das Wohlbefinden der Mitarbeiter signifikant zu steigern und so Fachkräfte dauerhaft zu halten. Anbei folgen deshalb einige wichtige Strategien zur Entwicklung einer Unternehmenskultur:

- Die Mitarbeiter kennen und verstehen die Unternehmensziele

Die Ziele des Unternehmens, egal ob lang- oder kurzfristige müssen regelmäßig in allen Abteilungen kommuniziert werden. Dies muss so geschehen, dass alle Mitarbeiter diese nachvollziehen können. Nur ein Mitarbeiter der weiß, welchen Weg das Unternehmen anstrebt, kann diesen auch aktiv mitgehen.

- Jeder Mitarbeiter muss wissen, was von ihm erwartet wird

Jeder einzelne Mitarbeiter braucht ehrgeizige aber realistische Leistungsziele. So weiß er, was von ihm erwartet wird und auch, welchen Teil er zum Erfolg des Unternehmens beiträgt.

- Die Mitarbeiter müssen in Entscheidungsprozesse mit einbezogen werden

Fachgkräftemangel Bild  6

Mitarbeiter sollten informiert und in Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden.

Hier geht es nicht darum, jedem Mitarbeiter alle Unternehmensgeheimnisse offenzulegen. Es geht darum, betroffene Mitarbeiter in Entscheidungs- und Ausführungsprozesse miteinzubeziehen. Dies hat mehrere Vorteile. Zum einen haben Mitarbeiter oft eine höhere Fach- und Erfahrungskompetenz in Bezug auf die Aufgaben, welche sie regelmäßig ausführen, zum anderen gibt es den Mitarbeitern das Gefühl, dass sie wichtig und für das Gelingen eines Projekts unverzichtbar sind.

- Die Führungskräfte behandeln die Mitarbeiter mit Wertschätzung

Ein offenes, direktes und herzliches Miteinander zwischen Führungskräften und Mitarbeitern ist ein entscheidender Faktor bei der Etablierung einer Unternehmenskultur. Führungskräfte, welche ihre Mitarbeiter nicht mit Respekt und Wertschätzung behandeln, sorgen dafür, dass diese unmotiviert sind, was letztlich nicht nur dem Betriebsklima sondern auch dem Unternehmen schadet.

4. Fachkräfteentwicklung in Deutschland

Wie wird sich die Situation der Fachkräfte wohl in den kommenden Jahren entwickeln? Es folgen ein kleiner Ausblick sowie zwei Expertenmeinungen zum Thema Fachkräftemangel.

a. Arbeitsmarktprognose

Wie der PDF zur „ Arbeitsmarktprognose 2030 “ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zu entnehmen ist, wird davon ausgegangen, dass die Maßnahmen zur Sicherung von Fachkräften dazu führen werden, dass die Zahl der Erwerbstätigen weniger stark sinken wird als das Arbeitsangebot. Voraussichtlich wird die Erwerbslosenqoute, welche im Jahr 2012 bei 5,3 Prozent lag bis 2030 auf 4,2 Prozent sinken. Diese Prognose zeigt auf, dass es der Wirtschaft wohl nicht gelingen wird, den vorherrschenden Fachkräftemangel komplett zu überwinden. Die Gefahr, dass sich die Wirtschaft an das Fehlen von Fachkräften anpasst, ihre Nachfrage nach solchen einschränkt und sich daraus ein suboptimales Gleichgewicht entwickelt, ist gegeben, so die Publikation weiter.

b. Expertenmeinungen

Dr. Josef Amann, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, gibt im Interview mit dem Studieninstitut für Kommunikation an, dass er vor allem in Hinblick auf die demografische Entwicklung in Deutschland Probleme sieht. Zudem müssen neue Fachkräfte langwierig eingearbeitet werden. Es ist also nötig, sich rechtzeitig vor dem Ausscheiden älterer Mitarbeiter um den Nachwuchs zu kümmern. In der Zusammenarbeit mit Schulen in Hinblick auf die Berufsorientierung sieht er besonderes Potential.

Martin Gaedt, Autor des Buches „Mythos Fachkräftemangel“, hingegen sieht das Versagen vor allem bei den Unternehmen selbst. Karrieremagazin.net gegenüber gibt er an, dass viele Unternehmen heute einfach unattraktiv auf qualifizierte Bewerber wirken. Die Möglichkeiten, Erfahrungsberichte und Meinungen über ein bestimmtes Unternehmen auf Online-Plattformen und in sozialen Netzwerken zu verbreiten, unterstützen diesen Trend und beeinflussen die Außenwirkung vieler Unternehmen stärker, als diese vielleicht annehmen. Besonders mit einer guten Work-Life-Balance tun sich seiner Meinung nach viele Unternehmen schwer. Nach wenigen Jahren sind die Mitarbeiter ausgebrannt, was wiederum zu einer hohen Fluktuation führt.

5. Fazit

Abschließend soll nun noch einmal die bisherige Bilanz der Maßnahmen der Bundesregierung in Bezug auf die Sicherung der Fachkräftebasis sowie die Aktualität der drohenden Gefahr des Fachkräftemangels beleuchtet werden.

a. Bisherige Bilanz

Nationale Ziele, die im Hinblick auf die Sicherung der Fachkräftebasis bis dato erreicht wurden, sind (Quelle: Fortschrittsbericht 2014 zum Fachkräftekonzept der Bundesregierung ):

- Die Zahl der Langzeiterwerbslosen konnte um 20 Prozent verringert werden.
- Der Anteil der frühen Schulabgänger konnte auf unter zehn Prozent reduziert werden.
- Die Studienanfängerquote hat sich auf 40 Prozent erhöht.
- Der Anteil der 30- bis 34-Jährigen mit tertiären oder vergleichbaren Abschlüssen konnte auf 42 Prozent gesteigert werden.

Festzustellen ist weiterhin, dass die Zahl der qualifizierten Zuwanderer ansteigt. So besaßen knapp 40 Prozent der ausländischen Erwerbstätigen, welche nach der Ausbildungsphase zuwanderten, im Jahr 2013 einen tertiären oder vergleichbaren Hochschulabschluss. Somit sind sie besser ausgebildet als die Bevölkerung im Durchschnitt.

b. Aktualität und drohende Gefahr des Fachkräftemangels

Wie bereits erwähnt, können mit Hilfe des Fachkraft-Engpass-Monitors jederzeit die aktuellen Engpasszahlen für die betroffenen Berufsgruppen im jeweiligen Bundesland abgerufen werden. So gestaltet es sich in der Altenpflege im Bundesland Niedersachsen beispielswiese so, dass auf 1138 ausgeschriebene Stellen nur 387 arbeitslose Altenpfleger und Altenpflegerinnen kommen. Dies ist nur ein Beispiel, welches zeigt, wie akut der Fachkräftemangel in bestimmten Bereichen wirklich ist. Gerade in der Altenpflege wird sich das Problem wahrscheinlich sogar noch deutlich verschärfen, sollten nicht die richtigen Maßnahmen ergriffen werden. Aufgrund des demografischen Wandels ändert sich die Altersstruktur der Gesellschaft. Demnächst geht die sogenannte Baby-Boomer Generation in Rente. Jedoch rücken viel weniger ausgebildete Fachkräfte nach.

Fachgkräftemangel Bild  8

Wie wird sich der Fachkräftemangel in Zukunft entwickeln?

So wird es in Zukunft noch mehr pflegebedürftige Personen und noch weniger Pflegepersonal geben. Dieses Beispiel lässt sich auch auf andere Branchen übertragen und zeigt, wie wichtig die von der Bundesregierung, jedoch auch von den einzelnen Unternehmen eingeleiteten Maßnahmen sind. Ob sie zum Erfolg führen und dauerhaft eine Sicherung der Fachkräftebasis in Deutschland gewährleistet werden kann, wird sich in der Zukunft zeigen.

Bildquellen:

© cirquedesprit - Fotolia.com

© industrieblick - Fotolia.com

© Robert Kneschke - Fotolia.com

© fotogestoeber - Fotolia.com

© ARochau - Fotolia.com

© Minerva Studio - Fotolia.com

© kasto - Fotolia.com

© photophonie - Fotolia.com

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3169132?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F198%2F711292%2F711748%2F4842364%2F4842373%2F
Nachrichten-Ticker