Karriere
Zu bürokratisch - Deutschland geht viel Potenzial verloren

Die Deutschen möchten gründen, doch Jungunternehmer haben mit zahlreichen bürokratischen Hürden zu kämpfen. Dadurch geht in der Bundesrepublik viel Potenzial verloren.

Mittwoch, 26.06.2019, 09:57 Uhr
Karriere: Zu bürokratisch - Deutschland geht viel Potenzial verloren
Jungunternehmer haben mit zahlreichen bürokratischen Hürden zu kämpfen. Foto: Flickr.vom / École polytechnique - J.Barande

Berlin - Die Zeiten haben sich geändert und man könnte meinen, heutzutage sei es weitaus einfacher, ein eigenes Unternehmen in Deutschland zu gründen, als noch vor einigen Jahren. Die Start-up Szene ist groß und dank Social Media kann man mit wenigen Mitteln und der richtigen Marketingstrategie viel leichter auf sich aufmerksam machen. Durch Modelle wie Coworking Spaces ist es sowohl für Freelancer als auch Start-ups einfacher, direkt nach der Unternehmensgründung relativ günstige und vor allem flexibel nutzbare Büroräume zu finden. Im europaweiten Vergleich der Coworking-Angebote zeigt sich allerdings, dass deutsche Großstädte diesbezüglich noch Nachholbedarf haben: In einer vergleichenden Coworking-Studie landeten Metropolen wie London, Paris und Stockholm deutlich vor Berlin. Von den deutschen Städten haben es nur München und Berlin in die Top Ten geschafft und landen auf den Plätzen sechs und sieben.

Und unabhängig davon, dass die Bedingungen für Büroräume in Deutschland damit noch nicht ideal sind: Büroräume und Marketing allein reichen nicht aus, um ein Unternehmen zu gründen! Es braucht natürlich auch einen ausgeklügelten Businessplan und eine ausreichende Finanzierung. Trotz dieser Anforderungen hegen laut dem Gründerreport 2018 des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) immer mehr Deutsche den Wunsch, ein Unternehmen zu gründen. Gleichzeitig gehen die Zahlen der tatsächlich gegründeten Unternehmen jedoch zurück.

Dass sich die Unternehmensgründungen nicht realisieren ließen, war vor einigen Jahren noch überwiegend die Schuld der Gründer selbst: Ideen und Produkte waren nicht ausgereift, Businesspläne nicht ausgearbeitet und die Umsatzerwartungen zu hoch. Doch mittlerweile sind die meisten angehenden Gründer besser vorbereitet. Sie stellen konkrete Produktideen vor und haben eine deutlich abgrenzbare Zielgruppe definiert - und trotzdem geht die Zahl der Gründungen zurück. Dafür gibt es mehrere mögliche Ursachen: Zum einen ist es durch den Fachkräftemangel in Deutschland mittlerweile einfacher, einen gut bezahlten Beruf zu finden. Wer dann eine unbefristete Festanstellung hat, der fühlt sich sicher und verdient zudem ausreichend Geld. Die wenigsten sind dann noch bereit, das Risiko auf sich zu nehmen, das ein Unternehmer tragen muss. Auch der demografische Wandel spielt eine Rolle: So gehören statistisch gesehen vor allem die 25- bis 45-Jährigen zur experimentierfreudigen Generation, die bereit ist, neue Geschäftsideen umzusetzen. Doch genau diese Altersgruppe schrumpft in Deutschland.

Es gibt aber noch weitere Ursachen für die abnehmende Zahl an Gründungen. Und bei einer Ursache hätte der Staat die Möglichkeit, sie zu reduzieren: Die Rede ist von der viel zu umfangreichen und unverständlichen Bürokratie und den mit ihr verbundenen Hürden der Unternehmensgründung.

Aber auch fehlendes Startkapital stellt viele Gründer vor Herausforderungen. Im europaweiten Vergleich beträgt der Anteil des investierten Wagniskapitals in Deutschland nur 0,025 Prozent. In Großbritannien hingegen 0,04 und in Schweden sogar 0,065 Prozent. Die deutsche Förderlandschaft ist im Vergleich zudem unübersichtlich und beinhaltet komplizierte Antragsverfahren.

Auch der deutsche Jungunternehmer Fynn Kliemann kritisiert die Lage in Deutschland. Er selbst gilt als Alleskönner: Er ist Webdesigner, Unternehmer, Musiker , Autor, Schauspieler und YouTuber. Was er anpackt, bringt Erfolg. In einem in 5 Abschnitte untergliederten, kritischen Instagram-Post verurteilt er die Bundesrepublik, weil sie durch strenge Regeln und komplizierte Bürokratien Talente und Potenzial blockiere. Er fasst zusammen: "Deutschland ist ein Land der Zweifel. Noch bevor ich überhaupt die Chance habe zu scheitern, sind sich alle sicher, dass das so auf jeden Fall nichts werden kann."

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