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Berufliche Weiterbildung mit dem Bildungsgutschein – Vom Antrag bis zum Einsatz

Wenn es um berufliche Weiterbildung geht, spielen nicht nur finanzielle Aspekte eine Rolle. Für einige Menschen kann die Aneignung neuer Qualifikationen den Weg aus der Arbeitslosigkeit bedeuten. Dank dem Bildungsgutschein gibt es die Möglichkeit, nicht alleine für die Weiterbildungskosten aufkommen zu müssen. Doch für wen kommt der Bildungsgutschein überhaupt infrage? Und wie steigert man die Chancen auf eine Bewilligung? Alles zum Bildungsgutschein, vom Antrag bis zur Nutzung, erfahren Sie hier.

Donnerstag, 03.09.2020, 02:14 Uhr aktualisiert: 07.09.2020, 09:29 Uhr
Karriere: Berufliche Weiterbildung mit dem Bildungsgutschein – Vom Antrag bis zum Einsatz
Foto: FotografieLink_40 pixabay.com

Mit dem Bildungsgutschein kostenlos weiterbilden

Verfolgt man das Prinzip des lebenslangen Lernens , hat man die Möglichkeit, seine Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt zu steigern. Weil eine Weiterbildung jedoch mit Kosten einhergeht, scheuen viele diesen wichtigen Schritt. Dabei kann man in vielen Fällen einen Bildungsgutschein beantragen und sich so die Weiterbildung finanzieren lassen.

Folgende Zielgruppe gibt es für die staatlich geförderte Weiterbildung:

  • Empfänger von Arbeitslosengeld I und Hartz IV
  • Beschäftigte in einem Zeitarbeitsverhältnis
  • Arbeitslose mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder einer dreijährigen Berufserfahrung
  • Beschäftigte mit befristetem Arbeitsverhältnis, deren Arbeitsvertrag bald ausläuft
  • Arbeitssuchende
  • Arbeitnehmer, denen eine Kündigung droht
  • Arbeitnehmer, die einen fehlenden Berufsabschluss nachholen möchten
  • Arbeitnehmer, die mit einer Fortbildung oder Weiterbildung ihren Arbeitsplatz sichern können

Wie bekommt man einen Bildungsgutschein?

Um einen Bildungsgutschein erhalten zu können, muss dieser bei der Agentur für Arbeit oder beim Jobcenter beantragt werden. Am besten vereinbart man einen Termin mit seinem Arbeitsvermittler und weist diesen auf den Umschulungs- oder Fortbildungswunsch hin.

Der Bildungsgutschein muss persönlich beantragt werden und ist eine so genannte Kann-Leistung. Das heißt also, dass kein Rechtsanspruch auf den Bildungsgutschein besteht. Ob ein entsprechender Antrag bewilligt wird, liegt alleine im Ermessen des zuständigen Sachbearbeiters. Um seine Chancen auf eine positive Rückmeldung zu erhöhen, sollte man unbedingt erläutern, welche Bedeutung die gewünschte Weiterbildung für die eigene berufliche Situation hat. Gute Chancen, den Sachbearbeiter zu überzeugen, bieten etwa einschlägige Stellenanzeigen, die zeigen, dass die Chancen auf dem Arbeitsmarkt mit Absolvieren der Weiterbildung verbessert würden.

Zum Beratungstermin beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit sollten Unterlagen zu den bisherigen Bewerbungsbemühungen mitgebracht werden. Ebenso hilfreich sind Informationen zum gewünschten Seminar und Bildungsträger.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten bietet der Bildungsgutschein?

Eine Weiterbildung kann nicht nur die finanzielle Situation verbessern, sondern auch dabei helfen, neue Herausforderungen anzunehmen. Je nach erlerntem Beruf bieten sich verschiedene Möglichkeiten. Für Pflegehelfer kann sich eine Qualifizierung besonders lohnen. Lässt man sich zur Fachkraft weiterbilden , bekommt man eine höhere Entlohnung und hat größere Chancen, eine feste Anstellung zu finden. Wie die Agentur für Arbeit ausgerechnet hat, sind hier Gehaltsunterschiede von bis zu 400.000 Euro pro Arbeitsleben keine Seltenheit.

Branchenunabhängig stehen Beschäftigten mit dem Bildungsgutschein mehrere Optionen zur Wahl. Entweder kann man sich für eine Weiterbildung bei einem zertifizierten Träger entscheiden oder eine Umschulung wählen. Außerdem kann ein Berufsabschluss nachgeholt werden. Damit bekommen ungelernte oder geringqualifizierte Arbeitnehmer die Möglichkeit, ihre Position am Arbeitsmarkt zu stärken und ihre finanzielle Situation zu verbessern.

Schritt für Schritt zum Bildungsgutschein

Gehört man zur Zielgruppe des Bildungsgutscheins, bedeutet dies nicht automatisch, dass man diesen auch bekommt. Da es sich um eine Ermessensleistung handelt, ist es wichtig, mit Bedacht vorzugehen. Dazu gehört etwa, sich vorab Gedanken über die gewünschte Weiterbildung zu machen. Welche Weiterbildung kommt infrage? Welche Vorteile bietet diese? Und wie kann sie die eigene berufliche Perspektive verbessern?

Hat man genügend Argumente gefunden, ist es Zeit, den Antrag auf Erhalt eines Bildungsgutscheins zu stellen. Wir zeigen, welche vier Schritte dafür notwendig sind:

1. Weiterbildungswunsch ankündigen

Besteht ein Weiterbildungswunsch, sollte dieser dem Arbeitsvermittler mitgeteilt werden.

2. Voraussetzungen prüfen

Anschließend überprüft der Arbeitsvermittler, ob die notwendigen Voraussetzungen für die Weiterbildungsförderung erfüllt werden. Ist dies der Fall, kann mit dem zuständigen Berater der Agentur für Arbeit ein Beratungstermin vereinbart werden

3. Beratungstermin

In der Regel erhält man innerhalb von vier Wochen einen Termin bei seinem Arbeitsvermittler. Zum Termin selbst sollten folgende Unterlagen mitgebracht werden:

  • Nachweise über die bisherigen Bewerbungsbemühungen
  • Angaben über die gewünschte Weiterbildung sowie den Bildungsträger
  • Informationen über die Arbeitsmarktrelevanz der gewünschten Weiterbildung
  • Informationen über die Berufschancen nach der Weiterbildung (konkrete Stellenangebote oder einschlägige Studien

4. Antrag stellen

Der Antrag selbst muss schriftlich gestellt werden und zwar VOR Teilnahme an einer Weiterbildung. Dann heißt es abwarten bis eine Entscheidung getroffen wurde.

So löst man den Bildungsgutschein ein

Mit dem Bildungsgutschein in der Tasche, werden verschiedene Kosten der Weiterbildungsmaßnahme übernommen. Gefördert werden sowohl die Lehrgangs- bzw. Seminarkosten als auch Fahrtkosten sowie Kosten für die auswärtige Unterbringung und Verpflegung. Sofern erforderlich, können auch die Kosten für die Kinderbetreuung übernommen werden.

Ein Bildungsgutschein wird immer auf den Namen des Begünstigten ausgestellt und enthält folgende Informationen:

  • Gültigkeitsdauer
  • Kostenübernahme
  • Individuelles Bildungsziel
  • Unterrichtsart und Form der Weiterbildung
  • Dauer der Maßnahme
  • Regionaler Geltungsbereich der Weiterbildung

Nachdem man den Bildungsgutschein erhalten hat, muss man noch einige Daten vom Weiterbildungsanbieter ausfüllen lassen. Dazu gehören Beginn, Dauer und Nummer der Maßnahme.

Eingelöst werden kann der Bildungsgutschein für alle zertifizierten Maßnahmen und Träger. Man muss bei der Auswahl also darauf achten, dass es sich um einen zugelassenen Bildungsträger handelt. Dies erkennt man daran, dass der Anbieter über die erforderliche Zulassung "Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV)" verfügt.

Hilfreiche Tipps zum Bildungsgutschein

Abschließend haben wir einige Tipps und Informationen zusammengefasst, die Ihnen dabei helfen, den Bildungsgutschein bestmöglich einzusetzen.

  • Gültigkeit: Der Bildungsgutschein hat nach Bewilligung eine Gültigkeit von maximal drei Monaten. Innerhalb dieses Zeitraums muss der Gutschein eingelöst und mit der Maßnahme begonnen werden. Ansonsten verfällt der Bildungsgutschein.
  • Überregionale Gültigkeit: Wer keinen Weiterbildungskurs in der näheren Umgebung findet, kann mit seinem Arbeitsvermittler vor der Ausstellung des Bildungsgutscheins eine überregionale Gültigkeit besprechen. In diesem Fall können auch die Kosten für den Weg zwischen Wohnung und Bildungsstätte sowie die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel übernommen werden. Die Erstattung hierfür liegt bei maximal 476 Euro monatlich.

Widerspruch bei Ablehnung: Die Ausstellung des Bildungsgutscheins kann entweder grundsätzlich oder für die vom Antragsteller gewünschte Weiterbildung abgelehnt werden. Bei letztgenanntem Szenario kann man gemeinsam mit seinem Arbeitsvermittler besprechen, welche alternative Maßnahme sinnvoll erscheint. Andernfalls sollte man sich die Ablehnung des Bildungsgutscheins schriftlich bestätigen lassen. Dann kann gegen die Ablehnung Widerspruch eingelegt werden.

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