Karriere
Die Vor- und Nachteile von selbstständiger Arbeit

Die Arbeitswelt befindet sich in einem durchaus interessanten Wandel. War vor einigen Jahren noch die Festanstellung das erstrebenswerte Ziel vieler Berufstätiger, hat sich dies inzwischen erheblich verschoben. Immer mehr Menschen haben kein Interesse daran, sich von einer Firma fest anstellen zu lassen. Vielmehr machen sie sich selbstständig und kümmern sich in Eigenregie darum, Aufträge zu erhalten. Nicht wenige junge Menschen begeben sich bereits nach dem Studium in die Selbstständigkeit und haben daher keine andere Beschäftigungsform kennengelernt. Allerdings hat das selbstständige Arbeiten bei weitem nicht nur Vorteile.

Dienstag, 06.10.2020, 01:34 Uhr
Karriere: Die Vor- und Nachteile von selbstständiger Arbeit
Foto: Colourbox

Wie viele Selbstständige es in Deutschland gibt

Betrachtet man die Statistiken zur Selbstständigkeit in Deutschland , dann fällt zunächst ein Fakt ins Auge: Seit der deutschen Wiedervereinigung hat die Anzahl der selbstständig tätigen Personen jedes Jahr zugenommen. Lag sie 1992 noch bei etwas mehr als 500.000, so hat sie sich inzwischen fast verdreifacht. Das bedeutet, dass über 1,4 Millionen Menschen in Deutschland ihr Geld durch selbstständige Tätigkeiten verdienen. Der größte Vorteil dieser Beschäftigungsform liegt auf der Hand: Man ist nicht von einem einzigen Arbeitgeber abhängig, sondern kann den Kreis der Unternehmen, für die man tätig ist, breit fächern. Wird ein Festangestellter entlassen, dann bricht ihm auf einen Schlag sein komplettes Einkommen weg. Verliert ein Selbstständiger einen Auftraggeber, dann gibt es im Normalfall noch einige andere Firmen, für die er arbeitet. Zwar sind seine Einkünfte geringer, wenn weniger Aufträge reinkommen. Sorgen um seine Existenz muss er sich hingegen nicht machen.

Die Suche nach Auftraggebern

Noch dazu ist es für Selbstständige recht einfach, neue Auftraggeber zu finden. Dafür sorgen Portale, auf denen selbstständig tätige Personen ihre Dienste zu guten Preisen anbieten können. Dort werden sie mit Unternehmen zusammengebracht, die auf der Suche nach talentierten und zuverlässigen Experten für bestimmte Bereiche sind. Man meldet sich einfach als Verkäufer seiner Dienstleistungen an und wird in die Datenbank aufgenommen. Anschließend ist man für Firmen ganz einfach zu finden, die über die Suchfunktion die passenden Stichwörter eingeben.

Eigenverantwortung will gelernt sein

Als Nachteil der Selbstständigkeit empfinden viele Menschen hingegen den Fakt, dass man auch für sich selbst verantwortlich ist. Es gibt keinen Chef, von dem man seine Aufgaben erhält. Vielmehr muss man sich selbst darum kümmern. Die Suche nach Auftraggebern dauert im schlimmsten Fall recht lange und geht von der Zeit ab, die man fürs Geldverdienen hat. Außerdem muss man sich mit der Eigenwerbung befassen, also beispielsweise potentielle Auftraggeber kontaktieren und seine Homepage sowie soziale Kanäle auf dem neuesten Stand halten. Nicht zuletzt ist die Buchhaltung für Selbstständige recht zeitintensiv. Rechnungen müssen geschrieben und die Unterlagen für die Steuererklärung zusammengestellt werden. Als Festangestellter bekommt man hingegen jeden Monat seinen Lohn aufs Konto überwiesen, ohne sich eventuell mit Verspätungen beim Begleichen von Rechnungen herumschlagen zu müssen. Wer sich selbstständig macht, sollte diese Aspekte unbedingt im Hinterkopf behalten.

Tag und Nacht tätig

Auch hinsichtlich der Einteilung der Arbeitszeit unterscheiden sich Arbeitnehmer und Selbstständige deutlich. Wer festangestellt ist, hat im Normalfall feste Dienstzeiten, an die er sich halten muss. Selbstständige können sich hingegen frei einteilen, wann sie ihre Aufträge erledigen. Haben sie keine Lust, früh aufzustehen, dann müssen sie dies auch nicht tun – vorausgesetzt natürlich, sie können es sich zeitlich leisten. Stattdessen können sie bis tief in die Nacht tätig sein, wenn ihnen dies mehr zusagt. Die freie Zeiteinteilung kann aber auch ihre Nachteile haben. Kommen viele Aufträge zur gleichen Zeit rein, dann könnte es passieren, dass der selbstständig Tätige den ganzen Tag und auch an Wochenenden arbeiten muss, um sie alle zu erledigen – es sei denn, er lehnt einige davon ab. Doch dann ist es wichtig, den zeitlichen Aufwand und die Entlohnung miteinander zu vergleichen. Eventuell rechnet es sich, für eine gewisse Zeit mit der Überbelastung klarzukommen, wenn anschließend ein hoher Geldbetrag und eine ruhigere Zeit locken.

Freie Zeit muss sein

Ein weiterer Unterschied zwischen den Beschäftigungsarten ist auch der Urlaub. Festangestellte haben Anspruch auf eine bestimmte Anzahl an freien Tagen, die sie meist auch so über das Jahr verteilen können, wie sie wollen. In dieser Zeit erhalten sie weiterhin ihr Gehalt . Bei Selbstständigen sieht dies ganz anders aus: An einem Tag, an dem sie nicht arbeiten, verdienen sie auch kein Geld. Sie müssen also ganz genau abwägen, ob sie es sich leisten können und wollen, Urlaub zu machen. Auf der anderen Seite sind die Löhne, die selbstständig tätige Personen erhalten, häufig höher als die von Festangestellten. Daher können es viele Selbstständige finanziell verschmerzen, einige Wochen im Jahr Urlaub zu machen oder aus anderen Gründen keine Aufträge anzunehmen. Dies ist in jedem Fall unbedingt nötig, da auch Selbstständige Erholung nötig haben – auch wenn nicht wenige schlichtweg vergessen, Freizeit in ihren Arbeitsplan einzubauen. Daher ist es empfehlenswert, auch als selbstständig Tätiger feste Urlaubszeiten festzulegen und diese auch strikt einzuhalten.

Arbeiten, wo man will

Ein großer Vorteil, den viele Selbstständige haben, ist die freie Ortswahl. Während festangestellte Personen oftmals ihrer Tätigkeit in einem bestimmten Gebäude nachgehen, können sich viele Selbstständige aussuchen, wo sie ihre Aufträge erledigen. Die meisten richten sich in den eigenen vier Wänden ein Büro ein, andere mieten sich einen Arbeitsplatz in einem Shared Workspace oder gehen jeden Tag in Cafés oder andere öffentliche Einrichtungen. Inzwischen findet aber auch bei Arbeitnehmern ein Umdenken statt, und sie lassen immer häufiger zu, dass ihre Angestellten im Homeoffice tätig sind. Selbstständige, die komplett darauf verzichten können, sich mit Kunden oder anderen Menschen zu treffen, können sich aber auch frei aussuchen, wo sie wohnen. Zuweilen ziehen Selbstständige aus Deutschland in andere Länder, weil sie dort beispielsweise bessere finanzielle Bedingungen vorfinden. Sie müssen weniger Steuern zahlen, können sich ein Haus leisten und bezahlen für alltägliche Dinge weniger Geld. Von dem Lohn, den sie von deutschen Auftraggebern erhalten, lässt sich so sehr gut leben.

Eine Frage des Geschmacks

Angesichts der vielen Vor- und Nachteile, die die Selbstständigkeit mit sich bringt, entscheidet letztlich die persönliche Vorstellung vom Berufsleben. Legt man Wert auf ein festes Gehalt, oder möchte man lieber einer abwechslungsreichen Auswahl an Aufgaben nachgehen? Ist es einem wichtiger, jeden Tag an einem festen Ort zu arbeiten, oder will man dort tätig sein, wo es einem gerade gefällt? Die Entscheidung ist alles andere als leicht.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7619313?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F198%2F711292%2F711748%2F
Nachrichten-Ticker