Starke Nerven verlangt
Wie werde ich Tiermedizinische/r Fachangestellte/r?

Tierliebe ist wichtig, aber der Berufsalltag als Tiermedizinische Fachangestellte erfordert weit mehr als das. Zwischen Terminkoordination und Abrechnung braucht es immer ein offenes Ohr für die Halter.

Montag, 01.04.2019, 09:36 Uhr aktualisiert: 01.04.2019, 09:42 Uhr
Starke Nerven verlangt: Wie werde ich Tiermedizinische/r Fachangestellte/r?
Foto: Markus Scholz

Lüneburg (dpa/tmn) - Ein Hund zeigt Lähmungserscheinungen, eine Katze hat Würmer, ein Meerschweinchen frisst seit einigen Tagen nicht mehr - mit solchen Fällen hat Ronja Nägel täglich zu tun. Die 26-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten (TFA) in der Tierklinik Lüneburg.

Inzwischen ist sie an den Umgang mit kranken Tieren gewöhnt. Und doch gibt es immer noch Tage, an denen sie starke Nerven haben muss. «Manchmal kann es einem ganz schön nahe gehen, wenn man sieht, wie sehr ein Tier leidet», erzählt Nägel. Gleichzeitig müssen sich TFA um die Menschen kümmern, die mit ihrem Tier in die Praxis kommen. Manche sind völlig aufgelöst, andere regelrecht verzweifelt. «Da gilt es dann, auf sie einzugehen und einfühlsam mit ihnen zu reden.»

Breite Aufgabenpalette

TFA untersuchen zum Beispiel im Labor Blut oder Urin und assistieren dem Tierarzt, wenn eine Wunde genäht oder ein Tier geimpft werden muss oder eine umfangreiche Diagnose ansteht. Sie fertigen Röntgenaufnahmen an, bereiten Operationen vor und helfen dem Tierarzt bei Eingriffen. Sie betreuen Tiere in der Aufwachphase nach der Narkose, kümmern sich um die artgerechte Unterbringung und die stationäre Versorgung. Daneben schreiben sie Rechnungen und dokumentieren Befunde, bestellen Medikamente und Material.

«Die Angestellten müssen in jedem Fall sehr flexibel sein», sagt Silke Agus vom Verband medizinischer Fachberufe in Bochum. Es kann vorkommen, dass auch außerhalb der regulären Dienstzeit ein Tier Hilfe benötigt und die Fachangestellten assistieren müssen.

Früh-, Spät- und Nachtschicht

Nägel kommt mit ihrem beruflichen Alltag gut klar. Längst hat sie sich daran gewöhnt, dass sie als TFA-Auszubildende in einer Tierklinik im Wechsel Früh-, Spät- und Nachtschicht hat. Wochenenddienste fallen ebenso regelmäßig an. «Dafür gibt es Freizeitausgleich unter der Woche», erzählt Nägel.

Wer sich für die dreijährige Ausbildung interessiert, sollte gute Noten in Physik, Chemie und Biologie mitbringen. Dann fällt es leichter, Abläufe bei Laborarbeiten zu verstehen. Genauso wichtig ist es aber, offen und freundlich auf Menschen zugehen zu können.

Vergütung und Einsatzbereiche

So interessant und abwechslungsreich der Beruf ist - «gut bezahlt ist die Tätigkeit nicht», findet Nägel. TFA bekommen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in tarifgebundenen Betrieben eine Bruttovergütung von 630 Euro monatlich im ersten, 680 Euro im zweiten und 730 Euro im dritten Ausbildungsjahr. Das Einstiegsgehalt als ausgebildete Fachkraft beträgt laut Agus derzeit tariflich im Schnitt 1730 Euro. «Je nach Tätigkeits- und Verantwortungsbereich kann das Einkommen bei um die 1900 Euro liegen.»

Nach ihrer Ausbildung können TFA in Tierarztpraxen oder Tierkliniken arbeiten, in Zoos, in der Forschung oder in der Industrie. Auch in Gesundheits- und Veterinäruntersuchungsämtern kommen sie unter. Wer weiterkommen möchte, kann sich zum Beispiel zum Hundefachwirt oder zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen weiterbilden.

Ronja Nägel hat einen Rat an andere, die eine Ausbildung als TFA anstreben: «Tierliebe allein reicht nicht». Der Alltag ist mitunter hart, manche Situationen sind psychisch belastend. Etwa dann, wenn ein Tier lange mit seiner Krankheit gekämpft hat und letztlich stirbt. «Man muss sich zu dem Beruf im wahrsten Sinne des Wortes berufen fühlen, sonst kommt man nicht klar», sagt Nägel.

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