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Mode
Vom Kleid zum Hosenanzug – Frauen in Männermode

Auch wenn die Hose für die Frau erst im Laufe der 60er Jahre wirklich populär und gesellschaftlich anerkannt war, Marlene Dietrich machte mit ihrem „Dandy-Look“ bereits 1930 den Anfang.
Sobald die Menswear von der Öffentlichkeit geduldet wurde, eröffnete sie den Frauen ganz neue Welten. Heutzutage werden mal männliche und weibliche Stilelemente kombiniert und Kleidung, die als „typisch männlich“ gilt, gibt es so gut wie keine mehr. Inzwischen haben sich Frauen und Modedesigner Outfits angeeignet, die lange Zeit Männern vorbehalten waren. Dieser Artikel gewährt einen Einblick in die Vergangenheit und erzählt von den berühmten Frauen in „Männermode“. 

Freitag, 10.01.2020, 12:16 Uhr aktualisiert: 10.01.2020, 12:43 Uhr
Mode: Vom Kleid zum Hosenanzug – Frauen in Männermode
Foto: Colourbox.de

Dandy-Stil und Marlene-Hosen

Als erster weiblicher Hollywood-Star aus Deutschland trug Marlene Dietrich auf der Bühne am liebsten Frack und Zylinder. Mit weiblichem Reiz Herrenkleidung so zu kombinieren, dass man darin trotzdem feminin und attraktiv aussieht, darum ging es beim Dandy-Stil. Zu Ehren der Darstellerin sind die weiten Herrenhosen mit geraden Beinen und Bundfalten inzwischen unter dem Namen  „Marlene-Hosen“  in die Modewelt eingegangen. Mit ihrem androgynen Stil vermittelte Dietrich ein Modebewusstsein, das bis dahin als rein maskulin betrachtet wurde.
Doch auch die amerikanische Schauspielerin Katharine Hepburn rebellierte gegen eine strikt weibliche Kleiderordnung. Im Gegensatz zum Dandy-Stil verfolgte Hepburn jedoch weniger eine verführerische Intention. Als Vorreiterin ihrer Zeit waren ihre Beweggründe, Jeans, Herrenhemden oder auch Latzhosen zu tragen, überwiegend ihrer Bequemlichkeit geschuldet. 

Prägender Einfluss auf die Modewelt 

Seit Dietrichs Auftritt in den 1930er Jahren in eng anliegenden Anzügen und sogar Militäruniformen setzen Modedesigner – wie Yves Saint Laurent mit seinen berühmten Damen-Smokings, aber auch Sonia Rykiel und Giorgio Armani – ihren Stil immer wieder in neuen Kollektionen um.
Ein halbes Jahrhundert nach Marlene Dietrich nahm erstmals Sängerin Madonna den  Dandy-Look  auf und interpretierte ihn mit Herrenhalbschuhen, Tweed-Hosen, Krawatten und einem Barett. Eine Reihe weiblicher Stars taten es ihr nach und so wurde das Abendkleid gegen den Smoking ausgetauscht. Dass Hosen und Anzüge im Gegensatz zum Minirock praktisch und stylisch zugleich sind, erkannte auch  Bianca Jagger, die es sich in der Öffentlichkeit nicht nehmen ließ, im Partnerlook mit ihrem Mann aufzutreten

Veränderte Selbst- und Fremdwahrnehmung

Ob Smoking oder Hosenanzug, die Vorzüge dieser einst männlich dominierten Moderichtung spielen eine wichtige Rolle bei der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Insbesondere Frauen in Führungspositionen bevorzugen oftmals Hosen statt Kleidern oder Röcken. Das mag daran liegen, dass Hosen – neben mehr Bewegungsfreiheit – von Selbstbewusstsein und Stärke zeugen. Wer die Hosen anhat, hat das Sagen, egal ob zu Hause oder bei der Arbeit. Wer als Frau Hosen trägt, überzeugt durch Intelligenz und nicht durch weibliche Reize. Welche Souveränität Frauen ausstrahlen, die Hosenanzug oder Smoking tragen, zeigt  diese Bildergalerie .

Von den 40ern bis in die 60er Jahre

Rückblickend betrachtet hat es allerdings eine ganze Generation gedauert, bis sich Hausfrauen und Mütter frei fühlen konnten, selbstbewusst mit Hosen auf die Straße zu gehen. Zwar mussten Soldatenfrauen während der Kriegsjahre meist in Arbeitskleidung ihrer Männer mitanpacken, doch dabei stand das Aussehen der Frauen an letzter Stelle. Vielmehr waren sie gezwungen, die Arbeit ihrer sich im Krieg befindenden Männer zu übernehmen. Und so wurden Hosen für Frauen in den 40er Jahren trotz mutigem Vorbild Marlene Dietrichs weder als elegant noch als Zeichen von Stärke angesehen, sondern als Mittel zum Zweck. Wenn man zu dieser Zeit von einem Trend sprechen kann, dann war dies figurbetonte Kleidung wie Röcke mit hoher Taille und eng anliegende Blusen. Modern war die sogenannte Sanduhrsilhouette und dementsprechend jegliche Kleidung zur Betonung der weiblichen Kurven.

In den 50er Jahren war es auch schon wieder vorbei mit den Hosen im Männer-Stil. Bevor sich die emanzipatorische Mode für Frauen überhaupt richtig entwickeln konnte, wurde sie bereits im Keim erstickt. Frauen trugen nunmehr ausschließlich Röcke und Kleider, diese jedoch in allen erdenkbaren Kreationen, ganz egal, ob eng, weit oder plissiert, die Hauptsache war knielang.
Ein Jahrzehnt später war es dann endlich so weit. Die Mode für die Frau wurde erneut etwas lockerer betrachtet. Von nun an sollte Kleidung die persönliche Lebenseinstellung ausdrücken. Man befreite sich von gesellschaftlichen Zwängen und Frauen, die es sich leisten konnten, wechselten zwischen maßgeschneiderten Hosen und Trapez-Kleidern mit hohen Krägen. 

Unisex-Mode

Heutzutage ist die Linie zwischen weiblicher und männlicher Mode nicht mehr klar definiert.
Vor allem bei Sportkleidung oder Outdoor-Jacken gibt es – außer bei Größe oder Farbauswahl – keine signifikanten Unterschiede. Wer sagt denn, dass Frauen nicht auch dunklere Töne mögen oder umgekehrt, die Herren der Schöpfung vielleicht lieber knallige Farben bevorzugen? Frauen können sich ruhig getrauen, auch mal einen Blick in die Herrenabteilung zu werfen. Denn Modeschuhe wie Chucks werden sowohl von Männern als von Frauen getragen. Ebenso verhält es sich mit Oversize-Pullis oder Jogginghosen. So kann beispielsweise hochwertige Mode der Marke  Superdry im Sale für Herren  genauso gut als Unisex-Mode betrachtet werden. In den meisten Fällen macht es keinen Unterschied, ob die Stepp- oder Skijacke in der Männerabteilung hängt oder bei den Frauen verkauft wird. Pink für Männer und Blau für Frauen – in der heutigen Zeit ist alles erlaubt.

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