Reise
Dreiste Möwen verunsichern Urlauber an der Ostseeküste

Rostock (dpa) - Es ist Urlaubszeit: In Warnemünde wie auch an anderen Orten der Ostseeküste gehört ein Fischbrötchen oder ein leckeres Eis einfach dazu. Doch nicht immer kann man das Vergnügen alleine genießen: Manchmal schnappen dreiste Möwen nach den Leckerbissen.

Mittwoch, 01.08.2012, 13:08 Uhr

Reise : Dreiste Möwen verunsichern Urlauber an der Ostseeküste
Eine Möwe hält Ausschau nach Fressbarem: Seit drei Jahren ist das Füttern der Möwen in Warnemünde verboten, damit sich die Tiere nicht daran gewöhnen und aggressiv werden, wenn sie einmal kein Futter erhalten. Foto: Bernd Wüstneck Foto: dpa

Aufgeregt diskutiert eine Gruppe Urlauber am Alten Strom von Warnemünde , wo sich Fischstand an Fischstand reiht und viele Gäste täglich die frische Ware aus dem Meer genießen. «Die Möwen werden immer dreister», schimpfen sie. Ein zehnjähriges Mädchen weint. Gerade hat ihr eine Möwe das Eis aus der Hand geschlagen und sich in sicherer Entfernung darüber hergemacht. Der Schrecken ist der Familie aus Sachsen anzumerken. «Ich dachte, Möwen sind nur auf Fisch aus», meint der Vater. «Nein, sie fressen nahezu alles», entgegnet einer der Händler und erinnert daran, dass Möwen gerne auch auf Mülldeponien speisen. Auch der Verkäufer ist verärgert, vertreiben die kreischenden Vögel doch so manchen Kunden.

«Erst trainieren Menschen den Vögeln diese Verhaltensweisen an und dann sind es die bösen Möwen», setzt Ulf Bähker , Referent beim Naturschutzbund Mecklenburg-Vorpommern , dagegen. Wildtiere sollten grundsätzlich nicht gefüttert werden, betont er. Doch die Unart ist kaum zu verhindern. Nahezu täglich beobachte er Menschen, die beispielsweise am Schweriner Pfaffenteich Enten und Möwen füttern. In Warnemünde ist Möwenfüttern sogar ausdrücklich verboten.

Frank Vökler vom Vorstand der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern (OAMV) rät zur Gelassenheit. Möwen seien nicht gefährlich, nur sehr schlau, wenn sie sich Nahrungsquellen erschließen. «Sie erkennen genau, wann sie bedroht werden. Und nur dann attackieren sie gefährlich», meint er. Näherten sich Menschen den Brutstätten, die die Tiere in Dünen, auf Felsen oder auf Dächern anlegen, kann es schon passieren, dass sich eine gesamte Kolonie von Möwen über die Eindringliche hermacht, um sie zu vertreiben.

Das Flair der Ostseeküste ist ohne die Flugkünste und das Geschrei der imposanten Vögel nicht denkbar, sagt der Geschäftsführer des Landestourismusverbands, Bernd Fischer . Das haben die Menschen schon 1918 in Wismar gesehen und die Möwen sogar in ihr Stadtwappen aufgenommen. Heute gehören die Möwen ohne Frage zu den Lieblings-Fotomotiven der Urlauber. Die Tiere hocken auf Pollern und Seebrücken oder folgen einem Fischkutter oder Ausflugsschiff.

«Der Ärger mit Möwen ist an der Ostseeküste kein flächendeckendes Problem», unterstreicht Fischer. Es gäbe nur wenige Orte, wo sich die Vögel von großen Menschenansammlungen angezogen fühlten. Fischer macht gleichzeitig ein «internationales Phänomen» aus. In anderen Regionen sind es die Tauben und in Gibraltar sogar kleine Äffchen, die die Touristen belästigen.

In Mecklenburg-Vorpommern haben neben Warnemünde einzelne Kommunen wie Graal-Müritz und Boltenhagen es untersagt, Möwen von der Seebrücke aus zu füttern. Sie wollen vor allem Verschmutzungen durch Kot fernhalten.

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