Auf der Lauer
Kalabrien: Touristen jagen Schwertfische, die Finanzpolizei die Touristen

Da stehen sie in ihrer ganzen Pracht an der Reling. In schmucker Uniform, die Hände an der Gürtelschnalle, der Blick entschlossen, wenn auch hinter einer Sonnenbrille verborgen. „Guardia di Finanza“, so der Schriftzug auf dem Boot. Und unmissverständlich kommt die Aufforderung: „Anhalten, Papiere.“ Das mit dem Anhalten ist kein Problem, wir liegen mit unserem Ausflugsboot ohnehin vor Anker. Aber die Papiere haben wir beim Schnorcheln gerade nicht griffbereit. Unser Kapitän Daniele ist bemüht, den gestrengen Herren ihre Wünsche zu erfüllen. Er reicht ihnen die Erlaubnis, Touristen die Schönheiten der „Costa degli Dei“ zeigen und mit ihnen über das Tyrrhenische Meer schippern zu dürfen. Während die italienischen Beamten die Lizenz studieren, verlangen sie weiterhin unsere Ausweise. Damit können wir nicht dienen, daher sind die Herrschaften ziemlich bedient. Zwei Stunden lassen sie uns schmoren, was allerdings bei angenehmer Wassertemperatur auszuhalten ist. Am Ende verhängen sie eine saftigen Geldstrafe, weil der Kapitän nur eine Kopie seiner Lizenz vorweisen kann und keine italienische Flagge gehisst hat. Als wir wieder fahren dürfen, gibt es erst mal ein Bier auf den Schreck. „So sind sie hier“, sagt Daniele. „Sie lauern überall und sind ganz plötzlich da.“

Freitag, 16.11.2012, 11:11 Uhr

Uns kann das die gute Laune nicht verderben. Dafür ist es in Kalabrien viel zu schön. Wetter spitze, Wasser erfrischend, Menschen freundlich, dazu Sehenswürdigkeiten ohne Ende. Und was am schönsten ist, hier im Süden Italiens sind die Touristen noch nicht in der Überzahl. Die Einheimischen genießen das; auch wenn einige meinen, dass es schon ein wenig mehr werden könnte mit den Besuchern aus dem Ausland. Uns zieht es auch am nächsten Tag aufs Wasser. „Ausfahrt zum Schwertfischfang“ steht auf der Tagesordnung. Das erste Problem gibt es beim Besteigen des Fischerbootes. Es dümpelt im Hafen von Scilla und wird vom Wasser erklommen. Nicht jeder der Gruppe steigt besonders elegant aus dem Minibötchen, das uns hintransportiert, auf den großen Kahn. Einer wäre fast über Bord gegangen. Auf dem Fischfänger sucht man vergeblich nach irgendwelchen Sitzgelegenheiten. Man behilft sich mit Kisten, Planken oder setzt sich einfach auf den Boden. Zwei Mann der Besatzung erklimmen ihren Hochsitz weit oberhalb des Bootes auf einem bedrohlich schwankenden Mast. Sie halten Ausschau nach den Schwertfischen . Der Chefangler begibt sich auf den 40 Meter langen Ausleger und wartet auf das entscheidende Kommando. Zweimal werden Fische gesichtet, dann muss alles ganz schnell gehen. Aber die Petrijünger haben kein Glück, wir kehren ohne Beute heim. Damit wir wissen, was wir verpasst haben, essen wir im Hafenrestaurant Schwertfisch. Wirklich empfehlenswert, zumal immer frisch. Frisch ist auch der Ricottakäse, den ein Hirte in Handarbeit auf seinem Hof herstellt und verkauft. Es ist der erste Stopp auf der Panorama-Trekking-Tour, wobei das mit dem Panorama überwältigend ist, das mit der Trekking-Tour allerdings ein wenig übertrieben. Wir marschieren am Mount Poro nur ein wenig bergauf und bergab, brauchen kein Gepäck zu schleppen und dürfen uns auf die nächste Jausenstation freuen. Hier ein Kaffee, dort ein Limoncello, mal ein Nudelgericht, es lässt sich aushalten. Capo Vaticano wartet. Ein schmuckes Städtchen, das vor allem mit dem Drumherum wuchert. Schwarze Felsklippen, kristallklares Meer, die Äolischen Inseln und Sizilien sind zu sehen. Von hier ist es nicht weit nach Pizzo, wo einst das Tartufo-Eis erfunden wurde,was sich nach wie vor allergrößter Beliebtheit erfreut. Der Maestro aus dem Haus des Erfinders höchstpersönlich kredenzt die kalte Köstlichkeit und ist stolz wie Oskar, als wir um Nachschlag bitten.

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