Kaiserstuhl
Von der Sonne verwöhnt

Schmückende Begriffe gibt es für diese Region reichlich: „Sonnenterrasse zwischen Schwarzwald und Rhein“ trifft es schon richtig gut. „Küche des Bacchus“ ist auch nicht schlecht. Denn schon die Römer fühlten sich in dieser warmen südwestlichen Ecke Deutschlands pudelwohl, brachten die Reben mit, bauten sie an und genossen deren betörenden Saft.

Samstag, 18.05.2013, 07:05 Uhr

Wenn im Münsterland noch der Restwinter modrig durch die dunklen Wälder und Hecken kriecht, hüpft der warme Südwesten schon blütenreich in den Frühling. Das hat mit dem Anschluss des Kaiserstuhls an die „burgundische Pforte“ zu tun, erklären Einheimische und Wetterkundler. Warme Luft strömt vom Mittelmeer in Richtung Nordosten und findet den Weg ins malerische Oberrheintal. Auch 2013 blühten die Obstbäume in Gärten und auf größeren Plantagen glatt zwei Wochen eher als im Münsterland.

Von Endingen mit seinem pittoresken Stadtkern aus kann man den Frühling auf E-Bikes gewissermaßen erradeln. Der Kaiserstühler Gästeführer Peter Linder erklärt dabei auf 25 Kilometern, was den Kaiserstuhl geologisch geprägt hat. Zunächst einmal die Vulkantätigkeit, die im Bereich des Oberrheins zwar nicht derart eruptiv war wie in anderen Krater-Gegenden der Welt, allerdings eben vulkanisches Gestein in heute eher lieblichen Hügeln von 300 bis 500 Meter Höhe ausprägte. Linder gräbt in den terrassenförmig angelegten Weinbergen ein wenig mit den Fingern in der Erde, und vom fruchtbaren Lössboden, der hier angeweht wurde, bis hin zu dunklen vulkanischen Gesteinsproben an anderer Stelle ist der Weg nicht weit.

Seinen Namen hat der Kaiserstuhl übrigens von König Otto III., der bei Sasbach am 22. Dezember 994 einen Gerichtstag abhielt. Nach diesem Gerichtstag wurde das ganze Gebirge als „Königsstuhl“ bezeichnet. Nachdem Otto III. im Mai 996 zum Kaiser gekrönt war, wurde aus dem „Königsstuhl“ dann der „Kaiserstuhl“. Nachgewiesen ist die Bezeichnung „Kaiserstuhl“ aber erst seit 1304. Historiker vermuten, dass der Begriff „Kaiserstuhl“ nicht vor dem 13. Jahrhundert entstand.

Kaiserlich verwöhnt fühlt sich der Besucher nicht nur auf E-Bikes, die das Strampeln in hügeligem Gelände enorm erleichtern, sondern auch in den schmucken kleinen Winzerdörfern, wo Könner ihres Fachs leben und arbeiten. Einer von ihnen ist Thomas Landerer in Vogtsburg-Oberrotweil mit seinen sonnenverwöhnten Weinen.

Es lohnt sich, mit Thomas Landerer eine kleine „Weinberg-Safari“ zu unternehmen. Der Winzer besteigt seinen Trecker und zieht einen komfortablen Planwagen hinter sich her. Von der Mondhalde oberhalb von Oberrotweil, dem höchsten Punkt der Tour, hat man aus rund 400 Metern Höhe eine wunderschöne Aussicht auf die typischen Terrassen des größten Weinanbaugebiets in Baden. Bei jedem Stopp gibt’s ein Schlückchen, und Thomas Landerer erzählt vom Riechen, Nachschmecken, von den „Nasen“, die man vom Wein nehmen muss, von Farbe, Kohlensäurebläschen, vor allem aber auch von den Rebstöcken, die er nicht mit Chemie, sondern mit wirkungsvollen mechanischen Mitteln vom konkurrierenden Wildkraut freihält und die er sorgfältig mit Mist und Trester düngt. Denn auch der Sohn, der bereits einen kleinen Teil des 17 Hektar zählenden Guts bewirtschaften und erproben darf, soll wiederum intakte Weinberge und Rebflächen übernehmen. Sie sind das Kapital des Winzers über Familiengenerationen hinweg.

Wer aus dem Schlürfen, Probieren und Staunen nicht mehr herauskommen will, dem empfiehlt sich ein Abstecher zum Weingut „Schwarzer Adler“ in Vogtsburg-Oberbergen. Das gleichnamige Restaurant steht seit vielen Jahren für Spitzengastronomie und führt seit 1969 ohne Unterbrechung einen Michelin-Stern. Die Weinkarte umfasst mehr als 2000 Positionen. In riesigen Tunnelröhren unterhalb der Weinberge lagert, wenn man so will, flüssiges Gold bei konstanter Temperatur von rund zwölf Grad.

Sonnenverwöhnt zeigt sich Ihringen, der nachgewiesenermaßen wärmste Ort Deutschlands, wo just in diesem Frühling die „Winzerstube“ als höchst komfortables und mit exquisiten Speisen aufwartendes Hotel seine Pforten neu eröffnet hat. In Ihringen beginnt der rund 22 Kilometer lange Kaiserstuhlpfad durch Hohlwege und über die Weinberge. Da können auch Kinder einiges erfahren, zum Beispiel über den Wiedehopf, den Vogel mit dem exotischen Kopfputz, oder über den Bienenfresser, einen kunterbunt aussehenden Paradiesvogel, der sich gerne in den Lössbodenwänden seine Nisthöhlen baut und nach früheren Jahren, in denen er von erbosten Imkern verfolgt wurde, längst wieder im warmen Südwesten heimisch ist.

Von der Katzensteinbuckhütte geht der Blick in ein von Sonne und Fruchtbarkeit gesegnetes Land. Wer hier eine Vesperplatte mit Schinken, Blutwurst, Bärlauchquark und Landbrot vor sich stehen hat, dazu funkelnden Silvaner oder Spätburgunder im Glas, der fühlt sich ein wenig so wie Gott in Frankreich. Zumal das Elsass ja nur einen Steinwurf weit weg ist.

INFORMATION

Lage: Der Kaiserstuhl ist ein Mittelgebirge vulkanischen Ursprungs und liegt im Rheintal westlich von Freiburg. Durch die burgundische Pforte wirkt sich bei Südwestströmung das milde mediterrane Klima bis in den Südwesten Deutschlands aus.

Aktivitäten:Die malerische Gegend, von Weinterrassen und kleinen Winzer-Dörfern geprägt, lädt zu Wanderungen zum Beispiel auf dem Kaiserstuhlpfad ein. E-Bikes helfen bei einer längeren Tour bei Steigungen. Besichtigungen von Weingütern werden in vielen Orten angeboten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1664698?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F198%2F711292%2F214%2F1749205%2F1758304%2F
Nachrichten-Ticker