Sonntag beginnt der kalendarische Winter
Sehnsucht nach Wärme

Nicht, dass man es draußen bemerken würde: Der kalendarische Winter hat begonnen und damit auch die Zeit, in der wir es uns kuschelig machen. Fragen und Antworten rund um die Winterzeit.

Donnerstag, 19.12.2019, 15:30 Uhr aktualisiert: 19.12.2019, 17:32 Uhr
Die Heizkosten explodieren förmlich, wenn das Thermostat immer voll aufgedreht wird.
Die Heizkosten explodieren förmlich, wenn das Thermostat immer voll aufgedreht wird. Foto: dpa

Welche Strategien wendet der Körper an, um sich vor Kälte zu schützen?

„Sinken die Temperaturen, verengen sich die Blutgefäße an Händen und Füßen und werden weniger durchblutet“, erklärt Dr. Gudula Berger . Sie ist Leiterin der Patientenberatung der Ärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe. „Die Körperteile, die am meisten vom Rumpf entfernt sind, frieren zuerst, also Füße, Ohren, Hände. Unser Gehirn sorgt dafür, dass die lebenswichtigen Organe wie Herz und Nieren auch bei Kälte gut durchblutet werden. Die Gefäße weiten sich, so dass mehr Blut durchfließt, während sich in der Haut die Gefäße zusammenziehen und schlechter durchblutet werden. Kalte Hände und Füße haben also einen Sinn. Außerdem beginnen die Muskeln zu zittern, um Wärme zu produzieren.

Frieren Frauen schneller als Männer?

Gudula Berger beantwortet die Frage mit einem eindeutigen „Ja“. Männer, erklärt sie, hätten mehr Muskeln, die im Körper Wärme erzeugen und speichern. „Frauen haben mehr Fett, das den Körper isoliert. Es kann den Muskeleffekt bei der Wärme aber nicht ausgleichen.“ Außerdem sei bei Frauen die Körperoberfläche im Verhältnis zum Körpervolumen größer. Frauen verlieren über die größere Körperoberfläche mehr Wärme. Männer wiederum haben eine dickere Oberhaut als Frauen – auch das schützt sie natürlich.

Tipps für den besten Erkältungsschutz

Für Gudula Berger beginnt die Antwort mit einer Definition von Erkältung: „Bei dem Wort würde man ja meinen, krank durch Kälte. So ist es aber nicht. Der Körper muss Krankheitserrregern ausgesetzt sein, das sind meist Viren. Ansonsten empfiehlt sie Anziehen nach dem Zwiebelprinzip. Der Effekt: Zwischen den einzelnen Schichten befinde sich ein Luftpolster, das als Isolierung gegen Kälte wirke. „Zudem bietet das Zwiebelprinzip den Vorteil, dass man sich am Tag an verschiedene Temperaturen anpassen kann“, erklärt die Ärztin. Außerdem müsse man bedenken, dass die Körperteile, die am meisten vom Rumpf entfernt sind, zuerst frieren. Füße und Ohren sollten es also schön warm haben.

Gudula Bergers Tipp für alle, die Wärmflaschen zu schätzen wissen: „Man darf kein kochendes Wasser einfüllen, da es sonst zu Verbrennungen kommen kann.“ Wohltuend und die Durchblutung fördernd sind zudem Massagen mit Öl.

Punsch, Glüh-Gin und Hot Aperol

Wer schon einen Bummel über den Weihnachtsmarkt hinter sich hat, der hat es bereits gemerkt: Für einen simplen Glühwein in Rot oder Weiß muss man zuweilen von Bude zu Bude laufen. Denn Vielfalt ist in diesem Advent angesagt. Glühwein mit Schuss oder ohne, kombiniert mit Kirsche, Schlehe, Orange, Ingwer, Pfirsich oder Maracuja: Wer mal eben einen Glühwein trinken möchte, muss sich zuvor schon entscheiden, welche Variante in den Becher kommen soll.
Allerdings: Der gute alte Glühwein hat auch jenseits der Weinbasis ordentlich Konkurrenz bekommen. Heiß statt auf Eis kommen die hippen Getränke daher. Hugo, Caipi, Mojito und Aperol: Was im Sommer auf Eis geschmeckt hat, ist jetzt hot und soll bei winterlichen Temperaturen einheizen. Doch das absolute In-Getränk des Winters, da sind sich die Experten einig, ist aktuell Glüh-Gin. Der ist weniger zuckrig-süß, hat dafür aber ordentlich Wumms. Denn statt Wein landet eben Hochprozentiges im Glas. Für Helmut Adam ist der Trend zum Glüh-Gin in diesem Winter keine wirkliche Überraschung. Es sei naheliegend, dass im Gin-Boom auch die warmen Rezepte mit Gin entdeckt werden, meint der „Mixology“-Herausgeber. Doch der Experte vom Fachmagazin findet die Bezeichnung „Glüh-Gin“ eine „allzu gefällige Benennung“. Letztendlich seien die Rezepte allesamt Punsch-Getränke: Spirituose plus Fruchtsäfte und Gewürzen. Folglich, findet er, sollte wohl eher von „Gin Punsch“ oder „Hot Gin Punch“ gesprochen werden. Dass manche dem Gin sein Wacholderaroma austreiben wollen, findet Adam unverständlich. Wer das nicht wolle, könne ja gleich Wodka nehmen. „Das ist eine fragwürdige Tendenz, wenn aromatisierte Produkte nur noch das Label Gin benutzen, um auf der Welle mitzuschwimmen.“
Zubereitet wird Glüh-Gin tatsächlich wie Glühwein. Die Flüssigkeit darf nicht kochen, nur sieden. Angereichert wird der Gin mit Gewürzen wie Zimtstangen, Sternanis, Gewürznelken und Orangenzesten. Die einen ergänzen eine Mischung aus Apfel- und Orangensaft, andere bevorzugen eine herbe Note mit Grapefruit. Immer kommt ein Spritzer Zitronensaft dazu. Zubereitet werden kann der Glüh-Gin auch mit roten Säften – oder der Mischung Apfel plus Kirsche. Ausprobieren ist angesagt. Im Netz finden sich sogar Rezepte, bei denen Ingwer-Bier zugefügt wird.
Ach, ja. Kalt sollte es für die Getränke draußen schon sein – damit Punsch, Glögg oder Aperol auch heiß schmecken. Sonst trinken wir demnächst wohl Glühwein und Glüh-Gin auf Eis. (von Doerthe Rayen)

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Zum Thema Ernährung: Experten empfehlen Getränke mit scharfen Gewürzen wie Ingwer. Heiße Getränke weiten die Gefäße, die Gewürze regen die Durchblutung an.

Alkohol hat gleichfalls diesen Effekt. Als Erkältungs-Prophylaxe ist er allerdings völlig ungeeignet. „Die natürliche Reaktion des Köpers wird ausgehebelt. Hände und Füße bleiben gut durchblutet und warm. Das ist auf Dauer problematisch“, erklärt Gudula Berger. „Die Gefäße in der Peripherie bleiben weit, obwohl der Körper schon an Temperatur verliert. Es droht eine Unterkühlung. Außerdem sorgt Alkohol dafür, dass man die Kälte weniger spürt.“

Bewegung an der frischen Luft ist immer ein guter Schutz, da die Bewegung die Durchblutung angekurbelt und das Kältegefühl mindert. Ein weiterer Tipp der Patientenberaterin: „Durch einen regelmäßigen Wechsel von kalt und warm wird das Immunsystem gestärkt, und man friert mit der Zeit weniger."

Und wie heizt man optimal?

Es gibt gute Gründe für eine etwas nie­drigere Temperatur. Stellt man die Heizung um nur einen Grad runter, spart man sechs Prozent der Heizkosten ein, sagt Reinhard Loch, Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Ganz abgesehen von den Auswirkungen auf das Klima: Durchschnittlich produziert jeder Deutsche nach Angaben des Umweltbundesamts rund 1,6 Tonnen COpro Jahr nur für das Heizen. Demnach beträgt der Anteil der Heizung am Gesamt-CO-Fußabdruck aktuell knapp 14 Prozent.

Unter Umständen kann Frieren sogar beim Abnehmen helfen. Denn durch Kälte wird braunes Fett aktiviert. Das funktioniere wie „eine Wärmflasche von innen“, sagt der Endokrinologe Martin Merkel. So werde Energie verbraucht und Gewicht reduziert.

Was ist was?

Punsch: Das heiße Mischgetränk hat eine lange Tradition. Britische Seefahrer sollen es im 17. Jahrhundert von Indien nach Europa gebracht haben. Der Begriff ist das eingedeutschte Wort für „Punch“. Das wiederum steht für das Sanskrit-Wort „panc“ und bedeutet fünf. Der Urpunsch hatte fünf Zutaten: Alkohol, Zucker, Zitronen, Wasser und Gewürze. Längst gibt es viele Punsch-Varianten. Mit Tee, Saft, Eiern – natürlich auch alkoholfrei.
Grog: Bei diesem Heißgetränk kommt ordentlich Rum in den Becher. Ergänzt wird es mit Zucker und Wasser. Der Ursprung des Grogs liegt fernab von Weihnachtsmärkten in der Seefahrt. Auf langen Seereisen verdarb häufig das Trinkwasser. Die Seefahrer fügten ab dem 17. Jahrhundert Rum hinzu, um es wieder genießbar zu machen.
Glögg: Die Skandinavier nennen ihren Glühwein Glögg. Er wird aus kleinen Bechern getrunken.

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Es sieht also schlecht aus für die Frostbeulen. Zumindest im Büro gibt es aber ein Argument, für Frauen die Heizung hochzustellen: Agne Kajackaite vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und ein Kollege haben Hinweise darauf gefunden, dass die Raumtemperatur nicht nur eine Frage des Wohlfühlfaktors ist, sondern auch über die Leistungsfähigkeit entscheiden kann. In ihrer Untersuchung ließen sie Männer und Frauen bei wechselnden Temperaturen Fragen beantworten. Während Männer sich bei Temperaturen um die 20 Grad am besten konzentrieren konnten, liefen Frauen erst bei höherer Raumwärme zu Höchstleistungen auf. Die Steigerung der Frauen scheint den Autoren zufolge darauf zurückzugehen, dass sie bei zunehmender Wärme mehr Antworten gaben – sich also mehr anstrengten, wie aus der Studie hervorgeht. Männer schafften mit zunehmender Wärme weniger Fragen.

Nicht dass man es draußen bemerken würde: Am Sonntag beginnt der kalendarische Winter und damit die Zeit, in der wir es uns kuschelig machen. Fragen und Antworten rund um die Winterzeit.

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