Pier 21
Einwanderermuseum in Halifax erinnert an eine aufregende Zeit

Halifax - Wer das Museum "Pier 21" in Halifax besucht, erfährt eine Menge über die Geschichte der Einwanderer, die seit Jahrhunderten die Besiedlung von Kanada prägen. Und er kann sicher sein: Er wird im Museum Menschen treffen, die selbst über "Pier 21" eingewandert sind. Sie sind Teil der Geschichte . . .

Donnerstag, 28.06.2018, 17:10 Uhr

Geschichte live im Pier 21:Am Modell des einstigen Abfertigungsgebäudes für Einwanderer erklärt Museumsmitarbeiter Fraser MacKay (rechts) einer Besuchergruppe, wie die Immigranten in Halifax empfangen wurden.
Geschichte live im Pier 21:Am Modell des einstigen Abfertigungsgebäudes für Einwanderer erklärt Museumsmitarbeiter Fraser MacKay (rechts) einer Besuchergruppe, wie die Immigranten in Halifax empfangen wurden. Foto: Gunnar A. Pier

Plötzlich steht Chris vor einem Fenster und sagt: „Genau hier war das!“ Passkontrolle, 9. Mai 1963. Der Grieche war gerade seine ersten Schritte auf kanadischem Boden gegangen. Seine ersten Schritte in ein neues Leben. Jetzt kommt die Erinnerung hoch. Gut 52 Jahre später ist er zurückgekehrt an den „Pier 21“. Heute ist das einstige Abfertigungsgebäude für Einwanderer in Halifax ein Museum. Quasi ein „Einwandererhaus“.

Es gibt viele Gründe für die Auswanderung

Kanada ist ein Einwanderungsland. Über die Jahrhunderte zog es Millionen Menschen ins zweitgrößte Land der Erde. Aus unterschiedlichen Gründen: Krieg, Verfolgung – oder ganz einfach angelockt von der Hoffnung auf ein besseres Leben, auf viel Platz für alle, auf Arbeit und Wohlstand.

Kanada hat sie gerne aufgenommen. Hier wurden Menschen gebraucht, am liebsten weiße Farmer aus Europa. Sie bildeten den Mix, der noch heute das Land ausmacht. Fast jeder kann seine Wurzeln in die eigene alte Heimat oder die der Vorfahren zurückverfolgen. Nach Irland, Italien, Dänemark, Deutschland – oder eben nach Griechenland.

Das Einwanderermuseum "Pier 21" in Halifax

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  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wenn Dinge nicht eingeführt werden durften, landeten sie im Mülleimer.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

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  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wenn das Kreuzfahrtschiff "Queen Mary II" in Halifax ist, legt es direkt am "Pier 21" an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Barbara Morris im Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wenn das Kreuzfahrtschiff "Queen Mary II" in Halifax ist, legt es direkt am "Pier 21" an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Heritage Interpreter Fraser MacKay (blaues Hemd) im Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderer Chris im Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Heritage Interpreter Fraser MacKay (blaues Hemd) im Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Abbildung des Schiffs SS Queen Frederica im Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Abbildung des Schiffs SS Neptunia im Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wenn das Kreuzfahrtschiff "Queen Mary II" in Halifax ist, legt es direkt am "Pier 21" an.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Abbildung des Schiffs SS Queen Mary im Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Einwanderermuseum "Pier 21" am Hafen von Halifax, Nova Scotia, Kanada

    Foto: Gunnar A. Pier

Chris kam mit dem Schiff aus Griechenland

Chris, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, kam selbst rüber, damals, als er 17 war. Seine Familie war bereits in Toronto, viele Freunde warteten ebenfalls hier auf ihn, deshalb war die Sache klar: Auch Chris würde auswandern. Ende April 1963 besteigt er alleine die MS Frederica für die gut zehntägige Fahrt über den atlantischen Ozean. 400 Dollar kostete die Passage, seine Schwester streckte ihm das Geld vor. Sie lebte ja bereits im gelobten Land. Und an jenem 9. Mai 1963 ging er am Pier 21 in Halifax von Bord und wurde so Teil der Geschichte dieses Gebäudes, das er nun noch einmal besucht.

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Die wenigsten wurden zurückgeschickt

Es war eine riesige Anlage direkt am Kai, in der die Einwanderer zwischen 1928 und 1971 ihre ersten Schritte auf kanadischem Boden taten. Ein „Auffanglager“, würde man vielleicht heute in Deutschland sagen, mit Übernachtungsmöglichkeit, Behörden und Gesundheitseinrichtungen. Mit einem großen Unterschied: Die wenigsten wurden zurückgeschickt. Wer es bis hierher geschafft hatte, hatte gute Chancen, bleiben zu dürfen, weil die wichtigsten Fragen schon vor der Abfahrt in Europa geklärt worden waren. Gesundheit und physische Konstitution beispielsweise und die Frage der Finanzen: Bringen die Einwanderer genügend Startkapital mit?

Zu Besuch im Einwanderermuseum "Pier 21" in Halifax

Entsprechend problemlos lief es für Chris. Nur eine Flasche Whisky, die er mitgebracht hatte, nahmen sie ihm ab. Mit 17 war er zu jung für Alkohol. In Kanada.

Zeitzeugen unter den Museumsbesuchern

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Solche Geschichten kursieren im Pier 21 heute zuhauf. Stündlich beginnt einen Führung, und für die Mitarbeiter ist es Alltag, dass unter den Gästen auch Zeitzeugen sind. „Das ist bei fast jeder Führung so“, sagt Fraser MacKay. Er arbeitet in dem Museum, führt Besucher durch die Ausstellung und forscht nebenbei über die Geschichte der Kriegswitwen aus dem ersten Weltkrieg. „Manche brechen hier in Tränen zusammen.“ Doch viele der Ehemaligen, beim Besuch im Museum an einem goldenen „Alumni“-Sticker zu erkennen, erinnern sich gerne.

Barbara Morris erlebte schreckliche Tage auf See

„Gott sei dank, der Boden unter den Füßen bewegt sich nicht mehr“, sagt Barbara Morris als Erstes auf die Frage nach ihrer eindringlichsten Erinnerung an Pier 21. 1958 kam sie mit der Neptunia in Halifax an – nach einer schrecklichen Reise auf einem kleinen Schiff. Das wurde geführt von Deutschen, die offenbar nach dem Krieg noch nicht versöhnt waren mit den Engländern. „Sie haben uns schlecht behandelt“, erinnert sich die heute 86-Jährige – und fügt dann schelmisch hinzu: „Wir sie aber auch.“

Manchmal ist das Kreuzfahrtschiff "Queen Mary II" in Halifax - und legt direkt am Pier 21 an.

Manchmal ist das Kreuzfahrtschiff "Queen Mary II" in Halifax - und legt direkt am Pier 21 an. Foto: Gunnar A. Pier

Sieben Tage sollte die Fahrt von Southampton in Südengland nach Halifax dauern. Dass es am Ende neun Tage wurden, lag an einem großen Feuer an Bord, das die Reisenden zwei Tage kostete. Ein Horrortrip, dessen glückliches Ende sie mit dem Pier 21 verbindet.

Chris aus Griechenland und Barbara Morris aus England wanderten über "Pier 21" nach Kanada ein.

Chris aus Griechenland und Barbara Morris aus England wanderten über "Pier 21" nach Kanada ein. Foto: Gunnar A. Pier

Überfahrten waren gefährlich

So wie ihr erging es vielen. Die Überfahrten waren entbehrungsreich und gefährlich. Auch davon erzählt die Ausstellung in dem Gebäude, das einst das Ende genau dieser abenteuerlichen Törns markierte. Besucher erfahren aber auch viel über die Gründe, warum Menschen nach Kanada kamen. Barbara Morris war beispielsweise eine sogenannte „War Bride“, eine „Kriegsbraut“. Ihr Mann hatte bei der kanadischen Armee angeheuert, weil die Familie dem gebeutelten Nachkriegs-England entkommen wollte. Barbara folgte mit den Kindern – eine gute Entscheidung. Inzwischen lebt Barbara Morris wieder in Halifax – ganz in der Nähe also des Pier 21. Trotzdem war sie bis zu diesem Tag im August nie wieder dort. „Es hat mich nicht interessiert. Ich habe das ja alles selbst erlebt.“

Mythos Kanada

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  • Traumurlaub: Mit dem Wohnmobil durch die Rocky Mountains.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein indianisches Glückssymbol: Der Inukshuk. Dieser steht in Vancouver.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Dieser Zug gehört zum Stolz des Landes: Der "Canadian" braucht für die Reise von Toronto nach Vancouver dreieinhalb Tage.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Spezialität in Nova Scotia: Hummer, hier präsentiert von TV-Koch Alain Bosse ("The kilted chef").

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Manche Ecken sind nur per Wasserflugzeug zu erreichen - wie der Little Doctors Lake im Nahanni National Park in den Northwest Territories.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nur für Mutige: Rundgang auf dem Dach des CN-Towers in Toronto.

    Foto: CN Tower
  • Postkartenidylle: Peggy's Cove in Nova Scotia an der Ostküste.

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  • Gletscher-Touren mit Spezialbussen werden auf dem Columbia Icefield in den Rocky Mountains angeboten.

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  • Prägnante Kulisse: Toronto.

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  • Metropole im Westen: Vancouver.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Traumurlaub: Mit dem Wohnmobil durch die Rocky Mountains.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Traumurlaub: Mit dem Wohnmobil durch die Rocky Mountains.

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  • Lunenburg in Nova Scotia.

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  • In der Provinz Quebec wird französisch gesprochen.

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  • Die Niagara-Fälle gehören zu den touristischen Highlights.

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  • Prairie-Romantik in Saskatchewan.

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  • Auf einem Friedhof in Halifax wurden die Opfer der Titanic begraben.

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  • Aus der Luft: Vancouver.

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  • Die Niagara-Fälle.

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  • Malerisch: Lunenburg in Nova Scotia.

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  • Lunenburg

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  • Der Nahanni National Park in der Northwest Territories ist nur mit einem Wasserflugzeug zu erreichen.

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  • Beim Festival Le Grand Tintamarre in Caraquet, New Brunswick, wird immer am 15. August die französische Kultur gefeiert.

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  • Interessante Warnschilder in New Brunswick . . .

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  • Eine Provinz leuchtet blau-weiß-rot: New Brunswick an der Ostküste.

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  • Der Bär gehört zum Mythos Kanada - hier ein Schwarzbär in New Brunswick.

    Foto: Gunnar A. Pier

Immerhin: Sie hat sich einen guten Tag ausgesucht für ihre Rückkehr an diesen Ort. Am Morgen hat direkt am Gebäude das mächtige Kreuzfahrtschiff Queen Mary 2 festgemacht. Wer am Museum auf der ehemaligen Kaimauer steht, von der einst ein Steg an Bord der Einwandererschiffe führte, erkennt die Dimensionen. Die Reling des heutigen Schiffes ist so hoch, dass sie von unten kaum zu sehen ist . . .

Das Einwanderermuseum Pier 21

Das Canadian Museum of Immigration at Pier 21 liegt am Hafen von Halifax in der kanadischen Provinz Nova Scotia. Die Dauerausstellung wurde gerade komplett überarbeitet und modernisiert.

Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 17 Uhr, in den Sommermonaten von 9.30 bis 17.30 Uhr.

Eintritt: Erwachsene zahlen 10 Dollar, Kinder (6 bis 16 Jahre) sieben Dollar – jeweils zuzüglich Steuern.

Adresse: 1055 Marginal Road, Halifax, Nova

Internet: www.pier21.ca

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