Südtirol
Die Gipfel der Genüsse

Als Jugendlicher ist Andrea Irsara Skirennen gefahren. Ziemlich flott. Aber nicht so, dass er für eine ganz große Karriere infrage ge­kommen wäre. „Für die Auswahlmannschaften hat es dann doch nicht gereicht“, ­resümiert er heute mit 38 Jahren. In Südtirol ist die Kon­kurrenz einfach zu groß.

Samstag, 18.02.2017, 06:02 Uhr

Mit Spaß bei der Arbeit:Andrea Irsara kocht auch mal an der frischen Luft. Uwe Gebauer
Mit Spaß bei der Arbeit:Andrea Irsara kocht auch mal an der frischen Luft. Uwe Gebauer

Gefolgt ist er seiner zweiten großen Leidenschaft: dem ­Kochen. Er lernte beim Vater im eigenen Hotel, wanderte durch Italien und Frankreich, Heute schwingt er den ­Kochlöffel für das Hotel Gran ­Ander und das Restaurant „Stüa dla Lâ“ („Omas Stube“) in Abtei im Südtiroler Gadertal.

Authentische Produkte neu interpretieren, traditionelle ladinische und Tiroler Rezepte in die Neuzeit übersetzen, Leidenschaft und Innovation auf den Teller bringen: Das ist sein Ding. Dann gibt es schon mal eine Suppe aus duftendem Bergheu, Kalbsbäckchen, die so zart sind, dass sie auch völlig zahnlos noch zu ge­nießen wären. Oder ein Ri­sotto mit feinen Kräutern und einem Hauch Graukäse, dem zur Perfektion eigentlich nur eins fehlt: Reis. Irsara macht es aus Gerste – „ein Orzotto – und das gehört halt hier hin.“

In manch anderem Ski­gebiet wäre der Südtiroler der große Star ohne jede Konkurrenz. Im Gadertal, in Alta Badia , findet er gleich eine Handvoll Kollegen, die dasselbe Niveau erreichen. Und viele junge Köche, die vielleicht nicht ganz so aufwendig, aber nicht minder ambitioniert kochen. Das ladinische Tal in den Dolomiten ist längst ein Gourmet-Hotspot.

Das inszenieren sie auch in Kurfar und Kolfuschg, Sankt Kassian und Pedratsches, Stern und Wengen. Klingt alles so fremd und unbekannt? Die italienischen Namen Corvara und Colvosco, San Cassiano und Pedraces, La Villa und La Valle sind bekannter. Hier geht es nicht nur sprachlich zwischen Deutsch, Italienisch und Ladinisch oft durcheinander. Sondern auch in ­Küche und Keller. Darin sieht Andrea Irsara einen Hauptgrund für die vielen Sterne und Hauben, die Alta Badia in den großen Res­taurantführern für sich ver­buchen kann: „Man nehme von allen das Beste . . .“

Das findet sich über den Winter nicht nur in den Hotels und Restaurants im Tal, sondern quasi auch auf der Piste. Da kochen an Themen- Wochenenden schon mal ­Spitzenköche wie der mit zwei Michelin-Sternen dekorierte Norbert Niederkofler aus Sankt Kassian auf den Skihütten. Dann gibt es statt Würstel mit Pommes gebackenes Kalbsbries auf gehacktem Kaiser­granat, statt Gulaschsuppe Kaninchenbraten mit Leber, Kürbis und Kastanien. Und weil das schönste Essen ohne passende Begleitung irgendwann trocken wird, gibt es feinen Wein dazu: Beim „De dl vin“, beim Tag des Weins ebenso wie bei der Aktion „Sommelier auf der Piste“. Oder gleich im Komplettprogramm bei der „Roda dles Saus“, einer ganz besonderen Genussrunde.

Den Wein zelebrieren sie in einer Dauerausstellung im ­Hotel La Perla in Corvara auf eine sehr skurrile Art. „Mahatma Wine“ heißt die Sammlung, in der Hotelier Michil Costa rund 30 000 Flaschen mit 2000 unterschiedlichen Etiketten zusammengetragen hat. „Große Seele Wein“ heißt das übertragen. Und der Sammler meint es auch wirklich so. Er präsentiert seine Schätze unterlegt mit Rock­musik oder Orgelklängen, aufgestellt in eigenen Kellertempeln, auch schon mal auf einem kleinen Altar. Wen da noch keine ehrfürchtige Stimmung überkommt, der wird bei Führung sanft ermahnt. Selbst Hannes (Foto), der vermutlich jüngste Sommelier im Haus, bittet nachdrücklich um Aufmerksamkeit und Vorsicht: „Bitte geben Sie Obacht auf die Flaschen.“ Später liefert ein Blick in die Weinkarte des Hotels überzeugende Gründe nach: Im Keller des Hotels lagern Flaschen mit locker vierstelligen Preisen. Wer es gar zu eilig hat, muss nicht mal die Treppe nehmen: Besonders durstige Gäste können wie ein Feuerwehrmann auf dem Weg zum Einsatz die Rutschstange vom Erd- ins Untergeschoss nehmen. Eine eigenwillige, aber sehenswürdige Schau.

Ein eigenwilliges Tal mitten in den Dolomiten, den Bergen, die nicht nur Reinhold Messner für die schönsten der Welt hält. Selbst Andrea Irsara wird einsilbig, wenn er über seine Wanderjahre redet und dann gefragt wird, wo es am schönsten sei, wo er am liebsten leben möchte: „Hier“, sagt er dann mit voller Überzeugung.

Information

Skigebiet: Alta Badia ist eines der vier zentralen Dolomitentäler rund um den Sella. Hier steigt der Gast direkt ein in die berühmte Sella Ronda; weltbekannte Skiorte wie Cortina d’Ampezzo und Gröden liegen in der Nähe.

Angebote zum Saisonende: Bis zum 2. April dreht sich das Skikarussell in diesem Jahr. Zum Abschluss der Saison bittet Alta Badia am 1. und 2. April zu einer großen Nostalgie-Party. Schon ab dem 18. März warten die Skigebiete in den Dolomiten mit der Aktion „Dolomiti Super Sun“ und zahlreichen Sonderangeboten. Im März gibt es zudem noch kulinarische und önologische Events.

Weitere Auskünfte:

Tourismusverband Altabadia www.altabadia.org, www.dolomiti, superski.com Alta Badia    ' +39/4 71/83 61 76  

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