Portugal
Mestre Alves sucht die Ruhe

Diese bizarren Felsformationen wirken faszinierend wie fesselnd zugleich. Selbst bei wiederholten Besuchen verlieren diese einzigartigen Kunstwerke nichts von ihrem Reiz. An der Algarve hat die Natur als Bauherrin erstaunliche Arbeit geleistet. Es gibt immer wieder etwas Neues zu entdecken, etwas Überraschendes. Apropos überraschend: Wer sich traut, den Mainstream zu verlassen, darf sich darauf freuen, zahlreiche Geheimnisse zu ent­decken, die so nicht zu erwarten sind. Wie eine Begegnung mit Mestre Alves (also Meister Alves). Dieser Mann lebt einsam auf einer eigentlich un­bewohnten Insel – und das seit nunmehr über drei Jahrzehnten.

Samstag, 27.01.2018, 06:01 Uhr

Jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis:Während einer Fahrt entlang der Küste gibt es Eindrücke, die vom Festland aus einfach nicht möglich sind. Kay Böckling Mestre Alvesbei der Arbeit: Hier präsentiert der 69-Jährige seine Kartoffel-Schneide-Maschine. Kay Böckling
Jedes Mal aufs Neue ein Erlebnis:Während einer Fahrt entlang der Küste gibt es Eindrücke, die vom Festland aus einfach nicht möglich sind. Kay Böckling Mestre Alvesbei der Arbeit: Hier präsentiert der 69-Jährige seine Kartoffel-Schneide-Maschine. Kay Böckling

Rückblick in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts: Mestre Alves ist Fischer, sein Stützpunkt liegt auf dem Eiland Baretta, das ist eine von fünf Inseln im Naturschutzgebiet Ria Formosa. Vom Hafen in Faro aus sind es einige Seemeilen, die es täglich zu bewältigen gilt. Drei Mal werden er und seine Fischerhütten letztlich Opfer von Einbrüchen. Der dritte Einbruch lässt in ihm einen Entschluss reifem: „Der beste Schutz ist meine persönliche Anwesenheit.“

Das ist 32 Jahre her. Seither lebt er dort, verlässt „sein“ geliebtes Eiland höchstens dann, wenn er sich einige Dinge vom Festland besorgen muss. Eine Rückkehr dorthin ist für ihn undenkbar: „Für jede zweite Stunde, die ich auf dem Festland verbringe, verliere ich zwei Jahre meines Lebens.“

Einsamkeit kennt er trotz seiner Abgeschiedenheit nicht, ganz im Gegenteil: Mestre Alves hat zahlreiche Freunde auf dem Festland, die seine Insel ebenso schätzen – die Ruhe und Unberührtheit. Gern besuchen sie den allein lebenden Fischer auf ein Bier, einen gegrillten Fisch oder einen selbst gemachten „Medronho“ – ein hochprozentiger Schnaps und eine Spezialität an der Algarve.

Mestre Alves ist ein Tüftler, er bastelt gern Nützliches. Eine seiner ersten Gerätschaften ist ein selbst konzipiertes Periskop. „So kann ich die Gegend überblicken, bemerke potenzielle Eindringlinge rechtzeitig.“ Oder der von ihm konzipierte Kartoffel-Verarbeiter. „Den wünscht sich doch jede Hausfrau“, sagt er begeistert, als er ein Exemplar fachgerecht bearbeitet und variabel große Kartoffel-Scheibchen produziert. „Die besten Ideen kommen mir morgens – auf dem Klo“, strahlt der Mann, der nach eigenen Angaben 69 Jahre alt ist. Für die Stromzufuhr seiner vier Hütten sorgen ein Generator sowie eine Solaranlage. Ansonsten lebt Mestre Alves recht spartanisch. Doch für die Verabredungen mit seinen Freunden nutzt er modernste Technik. Das Handy klingelt . . .

Fast nur einen Steinwurf entfernt liegt die Insel Culatra. Dort gibt es das gleichnamige Fischerdorf, in dem rund 1000 Menschen leben – und zwar ausschließlich von der Fischerei. Die „Hauptstraße“ bildet ein mehrere Hundert Meter langer Gehweg, auf dem alle paar Minuten mal ein Radler entlangfährt. Die Häuser sind klein und teilweise niedlich verziert. Wie diese Menschen dort leben, ist fast nicht zu beschreiben, man muss es fühlen. Es gibt eine Grundschule, eine Kirche und einen Fußballplatz. „Und auch ein Hubschrauber-Landeplatz ist vorhanden – für mögliche Not­fälle“, sagt Martina Kerk vom „Algarve Tourism Bureau“.

Markantestes Gebäude auf der Insel ist der Leuchtturm vom Kap Santa Maria, der Arbeitsplatz von Helder Mendonca. Der 44-jährige lebt erst seit zwei Monaten hier mit ­seiner Frau und seinen drei Kindern. Zuvor arbeitete er an einem anderen Leuchtturm. „Schon mein Vater war Leuchtturmwärter“, sagt er, während er die 250 Stufen emporklettert. Oben angekommen erwartet den Besucher in 52 Metern Höhe ein unvergleichbarer Blick über die Insel in der Dämmerung – ­malerischer Sonnenuntergang inklusive.

Die Insel erreicht der ­Reisende über den Festlandhafen Olhao. Und dort warten die nächsten lohnenden Reiseziele: In zwei Markthallen gibt es ­frischen Fisch direkt aus dem Meer sowie Obst und kleinere Fleisch-Spezialitäten. Frischer geht es nun wirklich nicht.

Das weiß auch Sandra Patrao, die dort für eine ganz besondere Leckerei einkauft: Cataplana. Dabei handelt es sich um einen für die Region typischen Fisch-Eintopf, der in einem gleichnamigen Kupfer- oder Eisentopf zubereitet wird. Wie es geht, zeigt sie nur zu gern während eines Koch-Events in der Casa Modesta, einem kleinen Hotel, in dem auch verschiedene Workshops angeboten werden. Ob nun die Frische der Speisen oder die einzigartige Zubereitung: Die Fisch-Variation der Cataplana überzeugt auch diejenigen, bei denen Meeresfrüchte nicht unbedingt ganz oben auf dem Speiseplan stehen. Wer es gar nicht mag, dem sei die vegetarische Variante ans Herz gelegt.

Die Algarve hat neben der Cataplana auch noch weitere kulinarische Überraschungen zu bieten. Man muss nur nach ihnen suchen. Hilfreich dabei ist die „Petisco Food Tour“ durch Faro. Unter dem Motto „Kultur trifft leckere Häppchen“ geht es von Sehenswürdigkeiten zu kleineren gastronomischen Betrieben, in denen kleinere und landestypische Gerichte oder Getränke gereicht werden. Nach dem Besuch der geheimnisvollen Kapelle der Knochen (hier befinden sich unter anderem die Gebeine von mehr als 1000 Verstorbenen) gibt es im „Saudade em Portugues“ sogenannte „Tiborna“ – in Knoblauch- und Olivenöl eingelegte und getoastete Brote belegt mit verschiedenen Kleinigkeiten. Die lokalen Gewürze machen es zu einer Besonderheit.

Anreise: Ab Deutschland ist die Algarve bequem mit Direktflügen oder mehrfach täglich über Lissabon zu erreichen.

Reisezeit: Die Algarve hat mediterranes Klima. Das bedeutet: heiße Sommer mit kühlen Nächten. Die Tagestemperatur im Winter beträgt um 18 Grad, nachts bis etwa fünf Grad. Es gibt durchschnittlich 300 Sonnentage pro Jahr. Je nachdem, was man im Urlaub tun und erleben möchte, empfehlen sich verschiedene Jahreszeiten (z.B. Wandern im Winter oder Badeurlaub im Spätsommer und Herbst).

www.visitalgarve.pt

www.quintadosvales.eu

www.eatingalgarvetours.com

www.casamodesta.pt

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