Frankreich
Tuckern macht süchtig

Eben war die Welt noch in Ordnung. Da tuckerte die „Moussey“ gemächlich durch die elsässischen Lande. Auf dem Treidelpfad am Rande des Canal de la Marne au Rhin grüßten Spaziergänger die frohgemuten Freizeitkapitäne mit einem herzhaften „Salut!“. Ab und an tauchte zwischen den in allen Grüntönen leuchtenden Wäldern ein weinumrankter Fachwerkgiebel auf. Und an den Schleusen gaben freundliche Beobachter hilfreiche Tipps – oder packten direkt mit an, wenn ein geworfenes Tau partout nicht auf dem dafür vorgesehen Poller landen wollte.

Sonntag, 25.03.2018, 12:03 Uhr

Morgenstimmung am Kanal:Während sich die Nebelschwaden verziehen, kommt es Stück für Stück mehr zum Vorschein, das malerische Elsass. Ines-Bianca Hartmeyer Abendstimmung im Hafen:Wer nicht auf eine Runde in die Stadt geht, genießt den Altweibersommer auf der Terrasse des Bootes mit einem Gläschen Wein. Ines-Bianca Hartmeyer
Morgenstimmung am Kanal:Während sich die Nebelschwaden verziehen, kommt es Stück für Stück mehr zum Vorschein, das malerische Elsass. Ines-Bianca Hartmeyer Abendstimmung im Hafen:Wer nicht auf eine Runde in die Stadt geht, genießt den Altweibersommer auf der Terrasse des Bootes mit einem Gläschen Wein. Ines-Bianca Hartmeyer

Wie gesagt: Das war eben. Jetzt – kurz vor dem Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller – ist das Tuckern einem unschönen Rödeln gewichen. Irgendwie macht die „Moussey“ auch kaum noch Fahrt. Und am Ende steigt sogar Qualm auf am Heck! Die Mannschaft blickt ratlos und lässt das Hausboot sachte gen Ufer treiben. Erst beim Anlegen fällt es den Möchtegern-Seebären auf: Oje, das Tau-Ende fehlt. Langsam dämmert es der Besatzung, dass genau dieses für die unschönen Geräusche aus Richtung der Schiffsschraube verantwortlich sein könnte.

Zehn Minuten später bestätigt der Experte diesen Eindruck. „Ce n’est pas possible!“ stöhnt Locaboat-Mitarbeiter Alexandre und macht sich unter den Augen der schuldbewusst dreinblickenden Crew an die Arbeit. Eine Stunde – und einige von der Schraube gefriemelte Tau-Fetzen – später hat er das Problem behoben und hält den Ausflüglern noch einmal eindringlich das Kapitäns-Handbuch unter die Nase. „Nach dem Schleusen Taue wieder an Bord nehmen und ordnungsgemäß befestigen!“ Die nicken eifrig, haben aber längst die imposante Stahlwanne des Schiffshebewerks im Visier. Kaum an Bord, haben sie Feuer gefangen und wollen mehr von Kanal und Co. – von dem Tuckern mit französischem Flair!

Einer, der das voll und ganz verstehen kann, ist Eric Claverie. Eigentlich studierter Historiker, verfiel er bereits vor 23 Jahren dem Hausbootfieber. „Wir waren fünf Tage lang im Burgund“, erinnert er sich an seine Premiere als Süßwassermatrose. „Es hat in einer Tour geregnet – aber es war so lustig und zugleich so erholsam!“ Also sagte er seinem eigentlichen Arbeitgeber bald „Adieu!“ und wurde stattdessen Büroleiter beim Traditionsanbieter Locaboat Holidays. Seitdem gehören zwei bis drei Touren jährlich zum Pflichtprogramm des 65-jährigen gebürtigen Parisers. Selbst jetzt – mit Eintritt ins Rentenalter – soll noch lange nicht Schluss sein. Bei 200 Reiserouten in Deutschland, Frankreich, Italien, Irland, Holland und Polen ist er sich sicher, noch das eine oder andere unentdeckte Fleckchen zu finden.

Vorerst richtet er sein strenges Auge aber auf die Crew, die sich gerade anschickt, das Schiffshebewerk zu verlassen. Die großformatige Pénichette des Typs „Flying Bridge“ hat einige PS zu bieten und dampft munter voran. Ein bisschen zu munter für Erics Geschmack: „Im Tunnel etwas langsamer!“, ruft er dem vorausfahrenden Boot hinterher. Einen Führerschein brauchen Hausbootfahrer hier zwar nicht. Umso wichtiger ist es allerdings, dass sie die Einweisung der Profis ernst nehmen und sich an die Regeln halten, damit einem unbeschwerten Urlaub auf dem Wasser nichts im Wege steht.

Einen Tag und einige Kilometer später ist das Team längst eingespielt, meistert locker Schleuse um Schleuse und genießt ansonsten das Wechselspiel der Tageszeiten: vom neblig-verhangenen märchenhaften Morgen-Panorama über das goldwarme Herbstlicht des Nachmittags. Groß ist das Entzücken, als das Boot in Saverne direkt vis-à-vis des Château des Rohan anlegt. Ein Spaziergang durch das charmante Städtchen, ein Gläschen Gewürztraminer zur Foie gras, das Vogesen-Massiv als malerische Kulisse – hier vereinen sich alle Elsass-Klischees zu einem Gesamtkunstwerk. Für eine Nacht ist dieser Ankerplatz genehmigt – aber am nächsten Tag muss das Hausboot wieder tuckern!

Anreise: Am besten mit dem Auto zum Anlegeplatz nach Lutzelbourg – so können Urlauber neben dem Reisproviant auch die eigenen Fahrräder mit an Bord bringen.

Buchen: Locaboat Holidays sorgt seit 40 Jahren für gelungene führerscheinfreie Hausboot-Urlaube in Europa. Im Elsass beginnen die Touren in Lutzelbourg.

www.locaboat.com/de

Gastronomie: Am Rande des Yachthafens von Saverne verwöhnt das Restaurant „Caveau de L’Escale“ seine Gäste mit regionalen Spezialitäten.

www.escale-saverne.fr/main.php

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5616218?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F198%2F711292%2F214%2F1612923%2F
„Wir hören jetzt auf zu jammern: Jetzt geht´s los“
War mit dem Ergebnis der Ratssitzung zufrieden: Preußen-Präsident Christoph Strässer
Nachrichten-Ticker