Fröhliche Völkerverständigung
Bei der Straßenparty und beim Ceilidh wird international gefeiert

In Schottland ist alles etwas anders als im Rest des Vereinigten Königreichs. Und so werden die Feierlichkeiten rund um den Silvesterabend unter dem Stichwort „Hogmanay“ zusammengefasst. Ein Wort, von dem niemand so richtig weiß, was es bedeutet und wo es genau herkommt. Sicher ist, dass zum Jahreswechsel ausgiebig gefeiert wird. 

Dienstag, 03.07.2018, 16:14 Uhr

Auf der Princess Street treffen sich die Menschen zur großen Straßenparty. Bands, Straßenkünstler und die Feiernden selbst sorgen für gute Stimmung.
Auf der Princess Street treffen sich die Menschen zur großen Straßenparty. Bands, Straßenkünstler und die Feiernden selbst sorgen für gute Stimmung. Foto: Ian Georgeson

Dies ist – wie so oft in Schottland – historisch begründet ist. Nach der protestantischen Reformation wurden im 17. Jahrhundert die Feierlichkeiten zum Weihnachtsfest als „zu papistisch“ gebrandmarkt und mehr oder weniger verboten. Familien und Freunde wichen deshalb auf die Feiern zum neuen Jahr aus. 

Wikinger schreiten voran

Es hat etwas Archaisches, wenn sich einen Tag vor ­Silvester rund 17.000 Menschen in Edinburgh in der ­Altstadt versammeln, um mit einem Fackelzug in die Feierlichkeiten zum Jahreswechsel zu starten.

30 Wikinger von den Shetland-Inseln schreiten mit Pechfackeln voran, gefolgt von einer ­Dudelsack-Kapelle. Wie ein Lindwurm folgt der Fackelzug den durch dringenden Klängen der Dudelsackspieler.

Gänsehautmoment: Wenn man sich in der Kurve zwischen Parlament und Holyrood Palast einmal kurz umdreht und die gesamte Länge der Royal Mile von den Fackeln in ein warmes Licht getaucht wird.

Auf der rund ei­nen Kilometer langen Strecke hinunter zum Holyrood- ­Palast säumen historische ­Gebäude, das schottische Parlament und viele Zuschauer den Weg. Auf einer großen Wiese hinter dem Palast läuft der Fackelzug aus und wird mit einem Bühnenprogramm und einem Vorgeschmack aufs Feuerwerk am nächsten Abend belohnt.

Feiermeile am Silvesterabend  

Der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum Jahreswechsel in Edinburgh ist die Straßenparty. Zwischen den beiden Luxushotels Caledonian und Balmoral erstreckt sich am Silvesterabend auf der Princess Street eine rund 1,5 Kilometer lange Feiermeile. An den anderen 364 Tagen des Jahres befindet sich dort Edinburghs Haupteinkaufsstraße. Auf mehreren Bühnen gibt es Livemusik, Jongleure und Feuerspucker erfreuen zwischendurch das Publikum. 

Hogmanay in Edinburgh

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  • Die Wikinger von den Shetland-Inseln führen den Fackelzug an. Damit beginnen jedes Jahr am 30. Dezember in Edinburgh die Feiern zum Jahreswechsel - in Schottland „Hogmanay“ genannt.

    Foto: Ian Georgeson
  • An vielen Stellen in der Stadt liegen die Fackeln bereit.

    Foto: Stefanie Meier
  • Lang zieht sich der Fackelzug die Royal Mile hinunter.

    Foto: Edinburgh Tourist Board
  • Die Princess Street hat sich in eine bunte Feiermeile verwandelt.

    Foto: Stefanie Meier
  • Im Winter bieten sich vom Platz vor Edinburghs Burg ganz neue Blicke auf die Newtown und den dahinter liegenden Firth of Forth.

    Foto: Stefanie Meier
  • Wenn Menschen auf der Straße tanzen, ist in Edinburgh Hogmanay.

    Foto: Andrew Milligan
  • Auf ein gutes Neues Jahr - wenn es kommt.

    Foto: Ian Georgeson
  • Zum Jahreswechsel 2017/2018 war Rag and Bone Man der Topact beim Konzert in Princess Street Gardens.

    Foto: Ian Georgeson
  • Um Mitternacht wird über der Burg ein großes Feuerwerk gezündet.

    Foto: Chris Watt
  • Kurz noch ein Erinnerungsfoto bevor es in die kalten Fluten geht.

    Foto: Stefanie Meier
  • Original und Fälschung: Eine Brücke aus Stahl und ihre menschliche Kopie.

    Foto: Chris Watt
  • Gute Laune allerorten.

    Foto: Chris Watt
  • Wenige gehen ins Wasser, viele schauen zu. Nur ein kleines Stück Strand ermöglicht es, in South Queensferry in die kalten Fluten zu steigen. Und das wird auch noch schnell von der einlaufenden Flut überschwemmt.

    Foto: Liam Anderstrem

Wem das an Unterhaltung nicht ausreicht, kann noch ­Tickets für zwei Extra-Veranstaltungen buchen: Das Konzert in den Gärten der Princess Street. Dort tritt jedes Jahr ein internationaler Top-Star auf.

Tanzendes Beisammensein

Wer dagegen weniger zu­hören, sondern selbst aktiv werden möchte, ist beim Ceilidh unter der Burg gut auf­gehoben. „Ganz allgemein bedeutet ,Ceilidh’ in Schottland ein gemütliches Beisammensein“, erklärt Beth Thoms von Festivals Edinburgh. „Bei der Veranstaltung hier geht es aber hauptsächlich ums Tanzen“, fügt sie hinzu.

Eine knallige pinkfarbene Tanzfläche lädt die Feierwilligen ein, es mal mit schottischen Volkstänzen zu versuchen. Und nach einer kurzen Einführung von der Bühne versuchen sich Chinesen, Spanier, Franzosen und Deutsche an Tänzen mit so klingenden Namen wie „Dashing White Sergeant“ und „Mairi’s Wedding“.

Viele der Tänze werden in Gruppen von sechs Tänzern getanzt, so dass das Ganze schnell zu einer fröhlichen Völkerverständigung wird. „Ich kannte vorher keinen der Tänze, aber es hat riesigen Spaß gemacht“, sagt Nicholas, der aus Paris an­gereist ist, um in Edinburgh Hogmanay zu feiern.

Feuerwerk um Mitternacht

All diese Unterhaltungsmöglichkeiten rund um die Princess Street fiebern auf einen Höhepunkt hin: Mitternacht. Dann wird über der mächtigen Burg von Edinburgh ein imposantes Feuerwerk abgebrannt und damit das neue Jahr begrüßt. Was das für Schottland und den Rest von Großbritannien ab März bringen wird, steht noch in den Sternen.

Gänsehautmoment: Wenn die letzten Funken des Feuerwerks über der mächtigen Burg erloschen sind und 75 000 Menschen gemeinsam das traditionelle Lied „Auld Lang Syne“ singen.

Sprung ins kalte Wasser

Die Zähne klappern, der ganze Körper zittert und die Wörter kommen nur verschwurbelt aus dem Mund: „Geschafft, es war ein großer Spaß.“ Mehr als 1000 Schwimmer lassen es sich am Neujahrsmorgen nicht nehmen, in die kalten Fluten des Firth of Forth zu springen. Das kleine Örtchen South Queens­ferry bietet die urige Kulisse für ein merkwürdiges Spektakel.

Rosa Hasen, das Plüsch-Ungeheuer von Loch Ness, Käpt’n Hook, Rentiere und Schotten aller Art und Kostümierung ziehen erst in einer bunten Parade durch den Ort, bevor sie ein kleines Stückchen Strand nutzen, um zumindest bis zu den Knien ins Wasser zu gehen. Den Hintergrund dominiert die fast 130 Jahre alte Eisenbahn- ­Brücke, die Edinburgh mit der Halbinsel Fife verbindet.

Verrücktes Bad für eine gute Sache 

Nicht alle sind so gut prä­pariert wie die beiden Herren, die als Traumschiff­kapitäne verkleidet neben ihrem „Heißluftballon“ auch noch einen Flachmann dabeihaben. Inhalt: das schottische Wasser des Lebens.

Gänsehautmoment: Wenn die ersten „Dookers“ bei einstelligen Außentemperaturen unter großem Gekreische und mit viel Spaß ins Wasser stürmen.

„Loony Dook“ heißt das Spektakel auf gut Schottisch, was so viel meint wie „verrücktes Bad“. Tieferer Sinn des Ganzen: Spenden sammeln für die Royal National Lifeboat Institution, die das Spektakel dafür auf der ­Wasserseite absichert.

Veranstaltungen

30. Dezember: Fackelzug entlang der Royal Mile, ab 19 Uhr, Tickets: 13 Pfund mit Fackel, 3 Pfund ohne Fackel. Startpunkte sind High Street, South Bridge und North Bridge.

31. Dezember: Candelit Concert, 18 Uhr: Wer vorab etwas zur Ruhe kommen möchte, geht in die St. Giles-Kathedrale, Tickets: 19,50 Pfund. Straßenparty, 19.30 bis 1 Uhr, Tickets: 31 Pfund. Bands, DJs und Straßenkünstler unterhalten die Feiernden. Um Mitternacht wird über der Burg ein fulminantes Feuerwerk abgebrannt.

Ceilidh, ab 20.30 Uhr, Tickets ab 60 Pfund.

Konzert im Garten, ab 21 Uhr. Tickets ab 60 Pfund. Der 
Künstler wird Ende September/Anfang Oktober bekanntgegeben.

1. Januar: Neujahrsschwimmen in South Queensferry, 12.30 Uhr. Wer mit ins kalte Wasser springen möchte, zahlt zehn Pfund, für Zuschauer ist das Vergnügen kostenlos.

Buchen: Der Ticket-Verkauf ist bereits angelaufen. Im Angebot sind auch Arrangements für Hotelübernachtungen inklusive Ticket für die 
Straßenparty.
www.edinburghshogmanay.com oder +44 1315100395

Info: www.edinburghfestivalcity.com und www.visitscotland.com

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