Schweden
Himmel über Schonen

Mats aus Ängelholmen verliebt sich in diesen schwedischen Sommertagen immer wieder neu in sein Land. Seine Heimat zeigt sich jeden Tag aufs Neue von ihrer besten Seite. Mats muss dazu nicht viel sagen. Seine Blicke, wenn er über Schonen, Schwedens südlichste Provinz schaut, sind beredet genug. Genauso, wie er seine Freude über schwedische Siege im Fußball durch das schlichte Tragen eines gelben Polo-Shirts zum Ausdruck bringt. Das sagt genug.

Samstag, 14.07.2018, 07:00 Uhr

Steil fällt die Westspitzedes Kullabergs ins blaue Wasser der Ostsee ab. Der Leuchtturm ist zwar nur 15 Meter hoch, mit seinem Licht aber der stärkste von ganz Skandinavien. Stefanie Meier Prinzesstorte und Vanilleherzen:Nur eine von vielen Möglichkeiten im Gartencafé. Stefanie Meier
Steil fällt die Westspitzedes Kullabergs ins blaue Wasser der Ostsee ab. Der Leuchtturm ist zwar nur 15 Meter hoch, mit seinem Licht aber der stärkste von ganz Skandinavien. Stefanie Meier Prinzesstorte und Vanilleherzen:Nur eine von vielen Möglichkeiten im Gartencafé. Stefanie Meier

Schon morgens zum Frühstück, wenn die Sonne bereits seit Stunden über dem Horizont steht, ist der Himmel über Schonen tief blau. Gegen Mittag wetteifern weiße Wattebäusche am Himmel um den Titel „schönste Schäfchenwolke“. Dazu kommen goldene Getreide-Felder, an deren Rändern roter Mohn und weiß-gelbe Margeriten blühen, dunkelgrüne Wälder und ab und an ein rotes Holzhäuschen. Hinter dieser Farbenpracht lässt sich gelegentlich ein Blick auf die Ostsee erhaschen.

Einer der bekanntesten Ausblicke auf diese Pracht liegt auf der Halbinsel Kullen, nicht weit von Mats’ Heimatstadt entfernt. „Alles Schonen“, erklärt Mats und zeigt mit einer ausholenden Handbewegung auf das Panorama. Und wo ist Dänemark? „Dahinten“, sagt er knapp und deutet kurz über seine Schulter. Dort geht der Blick über den Öresund zur dänischen Hauptinsel Seeland.

Sommer in Schonen

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  • Hoch über der Ostsee liegen „Ales Stenar“, die Steine von Ale.

    Foto: Stefanie Meier
  • 59 tonnenschwere Steine bilden die Form eines Schiffes.

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  • Auf dem Kullaberg steht der stärkste Leuchtturm von ganz Skandinavien.

    Foto: Stefanie Meier
  • Der stärkste Leuchtturm Skandinaviens schickt sein Licht 50 Kilometer weit über das Meer.

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  • Im Inneren des Leuchtturms erinnert ein Rettungsring an lang zurückliegendes Schiffsunglück.

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  • Der Himmel über Schonen lädt zum Träumen ein.

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  • Idyllisch: Das Gartencafé „Flickorna Lundgren“ wurde 1938 von den sieben Lundgren-Schwestern gegründet.

    Foto: Stefanie Meier
  • Der Kaffee wird traditionell in Kupferkannen serviert.

    Foto: Stefanie Meier
  • Serviert werden unter anderem Prinzesstorte und Vanilleherzen.

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  • Abendstimmung im Hafen von Simrishamn.

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  • In der Nähe von Simrishamn liegt Glimmingehus, eine gut erhaltene Burg.

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  • Ja, wo sind sie denn? Auf der Suche nach den Felsritzungen bei Jarrestäd.

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  • Wer ein wenig Geduld hat, entdeckt bei näherem Hinschauen viele Figuren, hier zwei Fußsohlen.

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  • Auch ein Schiff taucht aus dem Stein auf.

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  • Im Nationalpark Stenshuvud können sich die vom Wandern heißen Füßen in der Ostsee abkühlen.

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  • Ystad ist nicht nur als Heimat von Kommissar Wallander einen Besuch wert. Das kleine Hafenstädtchen bezaubert mit schmucken Häuschen in kleinen Gassen.

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  • Rund um das Kloster in Ystad wurden einige Gärten angelegt. Hier steht der Rosengarten in voller Blüte.

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  • Wer hätte das gedacht: Schweden ist ein Rosenland.

    Foto: Stefanie Meier

An ihrer höchsten Stelle ist die Kullen-Halbinsel gerade mal 100 Meter hoch, sie lässt sich vom kleinen Hafenort Mölle gut erwandern. An der Westspitze lockt der stärkste Leuchtturm Skandinaviens. Immerhin 78,5 Meter über dem Meeresspiegel und selbst nur 15 Meter hoch, sendet er sein starkes Licht alle fünf ­Sekunden mit einem weißen Blitz bis zu 50 Kilometer auf das viel befahrene Kattegat ­hinaus.

Schon Selma Lagerlöf hat gleich zu Beginn ihrer Geschichte über die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson diesen besonderen Ort beschrieben: „Denn der Kullaberg hat sich gleichsam so weit ins Meer gestürzt, wie er überhaupt konnte. Nicht das kleinste Stückchen Land liegt unten am Berg, das ihn gegen die Meereswogen schützt.“ Das merkt auch ein Jugendlicher, der gelangweilt auf einem Felsen sitzt und mit einem Ball spielt, während die Eltern Sonne und Fernsicht genießen. Einmal nicht aufgepasst, und der Ball springt erst über die Steine, dann über die Klippen und verschwindet schließlich auf Nimmerwiedersehen. Pech gehabt.

Glück hat dagegen, wer auf dem Rückweg vom Kullaberg noch Zeit hat oder sie sich einfach nimmt, um im Café ­„Flickorna Lundgren“ – auf Deutsch „Die Lundgren-Mädchen“ – für eine „Fika“, eine typisch schwedische Kaffeepause einzukehren. „Hier gibt es die besten Vanille-Herzen überhaupt“, sagt Eva Kraft, die oft in Schweden unterwegs ist und einiges an Vergleichsmöglichkeiten hat. In dem kleinen rot gestrichenen und mit Reet gedeckten Haus erinnern viele Fotos an die Anfangszeiten des Cafés, das die sieben Lundgren-Schwestern 1938 gegründet haben. Auch König Gustav VI. Adolf – Großvater des derzeitigen König Carl XVI. Gustaf – ist auf einem zu sehen. Er residierte im Sommer in der Nähe von Helsingborg und kehrte gerne hier ein. Noch heute fühlen sich die Gäste in dem üppig bepflanzten Staudengarten wie im Paradies, wenn sie ihren Kaffee in blank polierten Kupferkannen serviert bekommen. Dass alles so bleibt, darauf achtet die einzig noch lebende Lundgren-Schwester. „Ella ist 95 Jahre alt, kommt noch jeden Tag und schaut, ob die Wege richtig geharkt sind und wir die Schürzen richtig gebügelt haben“, sagt eine Angestellte und zollt ihrer Chefin Respekt.

Es gibt viele Beweise dafür, dass in dieser Region schon seit vielen, vielen Jahren Menschen gelebt haben. In der Nähe von Simrishamn liegt das größte Grab aus der Bronzezeit in Schweden – nur durch das Café Sågmöllan erreichbar. Also erst einen Kaffee trinken und dann den großen Steinhügel im Garten begutachten. In einer neu gestalteten Grabkammer sind dort sieben Grabplatten zu sehen, auf denen geheimnisvolle Malereien einer vergangenen Zeit zu sehen sind.

Viel versteckter – und ausnahmsweise ohne Café in der Nähe – finden sich an der Straße von Jarrestädt nach Gladsax Felsritzungen aus der Bronzezeit. Nur ein Schild mit der Aufschrift „zu Fuß willkommen“ – die schwedische Variante von „Durchfahrt verboten“ – zeigt, dass dort wohl etwas Sehenswertes zu finden ist. Ungeübte Augen müssen sich erst einschauen, um auf einer etwa 500 Quadratmeter großen Kalksteinplatte mitten in einer Wiese die Hinterlassenschaften aus der Bronzezeit zu finden. Doch nach kurzer Zeit tauchen zahlreiche Bilder auf dem Stein auf. Schiffe, Spiralen, Schlangen, ganz viele Fußsohlen – einige mit, andere ohne Zehen – und schließlich eine menschliche Figur, der „Tänzer“. Insgesamt sind es rund 1200 Bilder, Damit ist eine der größten Felsritzungen Skandinaviens, die dort völlig ungeschützt Sonne und Besuchern ausgesetzt ist.

Das Highlight der jahrtausendealten Hinterlassenschaften sind aber „Ales Stenar“, auf Deutsch die „Steine von Ale“ oberhalb der kleinen Ortschaft Käseberga. 59 tonnenschwere Steine bilden dort die Form eines 67 Meter langen Schiffes. Die größte Steinsetzung Schwedens soll eine alte Begräbnisstätte sein. Wie immer, haben sich auch hier die alten Schweden einen magischen Ort ausgesucht. Ales Stenar liegen auf einer kleinen Anhöhe über der Ostsee. Drumherum ist viel Wiese, um die 59 Steine aus immer neuen Perspektiven betrachten zu können. Unterhalb der Steine lockt ein kleiner Hafen zur obligatorischen Kaffeepause – diesmal zur Abwechslung mal mit Räkasmörgas – Krabbenbrot.

Anreise: Schonen ist zu Lande (Öresundbrücke), zu Wasser (Fähre nach Trelleborg oder Ystad) und zu Luft (Flug nach Göteborg) erreichbar.

Geld: Schweden ist zwar Mitglied der Europäischen Union, aber nicht der Eurozone. Gezahlt wird daher mit schwedischen Kronen. Kurs: 10 Kronen = ein Euro. Schweden ist auf dem Weg zum bargeldlosen Zahlungsverkehr. In vielen Hotels, Verkehrsbetrieben und Museen kann daher nur mit Karte gezahlt werden.

Gut zu wissen: Die Schweden trinken gerne und oft Kaffee. Meist kostet eine Tasse 25 Kronen und es darf nach Belieben wieder aufgefüllt werden. Mit einer Zimtschnecke dazu wird daraus eine typisch-schwedische „Fika“, eine Kaffeepause.

Tipp: Das Gartencafé „Flickorna Lundgren“ an der Nordostseite der Halbinsel Kullen. Täglich frischer Kuchen, tolle Atmosphäre und Kaffee aus Kupferkannen.

www.fl-lundgren.se

Buchen: Wikinger-Reisen hat im Sommer die 14-tägige Reise „Bilderbuch des Nordens“ im Programm. Sie führt ab Stockholm über Gotland und Schonen nach Göteborg. Preis: ab 3155 Euro pro Person im Doppelzimmer.

www.wikinger-reisen.de

Info: www.visitsweden.com

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