Korsika
Der Duft der schönen Insel

Mag ja sein, dass die Welt morgens um sieben noch in Ordnung ist. Aber in Calvi registriert das kaum einer. Das korsische Städtchen wacht ein wenig später auf.

Samstag, 04.08.2018, 06:00 Uhr

Der Leuchtturm auf La Revellata:Er ist das Ziel einer wunderschönen Wanderung von Calvi. Uwe Gebauer Wie in den Alpen, nur bei besserem Wetter:Korsika ist ein ideales Ziel für aktive Urlauber. Uwe Gebauer
Der Leuchtturm auf La Revellata:Er ist das Ziel einer wunderschönen Wanderung von Calvi. Uwe Gebauer Wie in den Alpen, nur bei besserem Wetter:Korsika ist ein ideales Ziel für aktive Urlauber. Uwe Gebauer

So um neun, halb zehn kommt ein bisschen Leben in die Geschichte. Ein paar Schwimmer springen vor der Arbeit noch mal schnell ins blaue Mittelmeer, Ladenbesitzer schieben die ersten Ständer vor die Geschäfte, ein paar Menschen gehen zur Arbeit. Alles mit Ruhe. Zeit für einen Kaffee muss schon noch sein. Und für ein paar Worte mit Bekannten ohnehin. Aus manchen Gaststätten klingt bereits Musik – aber die soll offensichtlich nur die Putzfrauen wachhalten. Im Nordwesten Korsikas, in der Balagne, gehen die Uhren am Morgen ziemlich langsam.

In den schmalen, schattigen Gassen unter der Zitadelle aus dem 15. Jahrhundert und am riesigen Sandstrand wird es erst deutlich später richtig lebendig.

Ein paar Kilometer weiter nördlich sieht die Geschichte anders aus. Auf der Halbinsel Revellata sind Wanderer bereits am frühen Morgen unterwegs – wer will schon auf den bergigen Wegen in der Mittagssonne unterwegs sein?

Korsika vereint sehr unterschiedliche Welten. Traumstrände ziehen sich um die 180 Kilometer lange Insel, malerische Städte und Städtchen liegen an der Küste. Im Landesinneren wachsen die Berge bis zu 2700 Meter hoch in den Himmel. Eigentlich ist ganz Kor­sika ein kompletter Gebirgszug: Unter Wasser kommen noch mal 2500 Meter Höhenunterschied dazu. 86 Prozent der Insel sind Bergland.

Ideales Gelände für Wander- und Kletterabenteuer, für mehrtägiges Trekking wie für winterliche Skitouren. Kein Wunder, dass seit Jahrzehnten Mitglieder der Alpenvereine ihre Bergsaison hier verlängern. Bei Calvi ist mit dem Feriendorf „Zum stör­rischen Esel“ schon Ende der 1950er Jahre quasi eine südliche Depen dance der Alpenvereinshütten entstanden.

Ein idealer Ausgangspunkt für lässige Strandtage – 300 Meter sind es bis zum Wasser. Aber auch für die schweißtreibenderen Ausflüge zu Fuß oder auf dem (Elektro-) Fahrrad in die Berge.

Ein Ausflug auf die Revellata verbindet beide Welten aufs Feinste. Jenseits allen Straßenlärms geht es auf engen Wegen zum Leuchtturm. Nur die Feuerwehr stört ein wenig, die unten in der Bucht mit ihren Löschflugzeugen übt.

Einzelne Anstiege sind durchaus alpin; mancher Steig ist so ausgesetzt, dass sich die Wanderer freuen, wenn sie die Passage hinter sich haben. Aber der Blick fällt nicht auf Geröllhalden und Bergwiesen. Sondern auf die üppige Macchia, die harte, fast undurchdringliche Gebüschlandschaft, die die Hügel überzieht. Und aufs tiefblaue Meer weit unten.

Mehr noch prägt sich den Wanderern der unvergleichliche Duft ein. Myrte, Rosmarin, Wacholder, Lavendel und die Immortelle, die Unsterbliche, verbreiten ihre Aromen. „Das ist eine echte Schatztruhe“, sagt Wolfgang Auer, ein Niederösterreicher, der sich in die Insel der Schönheit verliebt hat und jetzt auch mal als Wanderführer auf Korsika unterwegs ist. „Daraus kann man viel machen“, ergänzt er. Die Kräuter für die Küche – hier kann man sie am Wegrand sammeln. Im Herbst wandern Feigen und Datteln, Mandeln und Maulbeeren direkt in die Mund. Aus der Immortelle lassen sich Salben produzieren, die die Haut unsterblich jung halten. Aus der Myrte winden sie nicht nur Jungfernkränze, sondern würzen auch den Wein damit. Aus ihren Beeren, Blättern und Blüten produzieren sie feine Schnäpse. Auch so duftet Korsika.

Noch mal andere Düfte ziehen durch das „Atelier Gourmand“ in Bastia. In dieser ­ „Leckermäuler-Werkstatt“ wird der Urlauber zum Küchenhelfer und darf sich unter fachkundiger Anleitung an To­maten-Cannelloni und einer Mangold-Tarte versuchen. Ein Gedicht, obwohl Amateure die Gerichte zubereiten. Und Beleg dafür, dass Korsika mindestens so viele italienische wie französische Wurzeln hat.

Das belegen auch die Straßen- und Geschäftsschilder auf der Insel. Vieles ist zweisprachig korsisch und fran­zösisch, manchmal kommt noch italienisch dazu. Die ­Gesprächsfetzen, die dem Bummler ins Ohr wehen, setzen sich aus allen Sprachen zusammen, die rings ums Mittelmeer gesprochen werden.

Noch ein Duft, noch ein Geschmack gefällig? Gleich neben dem Atelier arbeitet die Brauerei Pietra. Und deren große und einzigartige Spezialität ist ihr bernsteinfarbenes Kastanienbier.

Wohl dem, der nur Beifahrer ist. Auf dem gut zweistündigen Heimweg nach Calvi bleibt genug Zeit zu verdauen. Und unterwegs die Déserts des Agriates zu bestaunen, in der die Macchia über viele Quadratkilometer langsam die Steinwüste zurückerobert. Der Blick schweift durch ­Büsche und Steine zu hohen Gipfeln oder hinab auf tropisch anmutende Traumstrände. Typisch Korsika eben.

Reisezeiten: Korsika hat immer Saison. Außerhalb der ausgedehnten Bade­saison bleibt das Wetter angenehm für Wanderungen und Radtouren. Im Winter lädt das Gebirge ­sogar zu Skitouren.

Auskünfte: Generelle Informationen zu Korsika gibt es beim französischen Tourismusamt Atout France – auch im Internet. de.france.fr

Veranstalter: Ausgewiesener Korsika-Spezialist ist der österreichische Veranstalter Rhomberg. Er betreibt auch das Feriendorf „Zum störrischen Esel“ in einem sieben Hektar großen Naturpark in Calvi, das sich besonders für Familien empfiehlt. Es bietet in lässiger Atmosphäre Wohnzelte, Apartments und Bungalows.   www.rhomberg-reisen.com

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