Deutschland
Sie gehen ihren Weg

Die Münchener sind für Wunder immer zu haben. Anfang des 18. Jahrhunderts bewegte Maria Anna Lindmayr alle ortsansässigen Stände, also Klerus, Adel und Bürger, zum Bau der Dreifaltigkeitskirche. Damit wollte sie die Stadt im Spanischen Erbfolgekrieg vor Schlimmerem bewahren. Dabei kam Maria Anna aus einfachen Verhältnissen, der Vater war Kammerdiener, die Mutter stammte aus einer Brauereifamilie.

Samstag, 27.10.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 27.10.2018, 06:00 Uhr
Im Schatten der Frauenkirchesprudelt das Leben in Münchens Altstadt. Colourbox.de WohltäterinMaria Anna Lindmayr nn
Im Schatten der Frauenkirchesprudelt das Leben in Münchens Altstadt. Colourbox.de WohltäterinMaria Anna Lindmayr nn

Doch das einfache Mädchen hatte Erfolg. „Es funktionierte, die Stadt blieb verschont“, berichtet Birgit Dammert, die sich mit München und seinen Frauen beschäftigt hat. „Und“, fügt sie hinzu, „es gab sogar ein zweites Wunder. Die Dreifaltigkeitskirche hat auch die Zerstörung der Innenstadt im Zweiten Weltkrieg unbeschadet überstanden“.

München verfügt über viele solcher Geschichten von Frauen, die ungewöhnliche Stärke und Durchsetzungskraft bewiesen. Dabei geht es nicht nur um die tanzenden Marktfrauen auf dem Viktualienmarkt oder die Bedienungen auf dem Oktoberfest , die locker bis zu zwölf Maßkrüge stemmen. Sondern es geht um die Frauen, die weniger im Blickfeld der Fotografen stehen.

Deren Spuren sind an vielen Orten der Stadt zu entdecken. Etwa im nach zehnjähriger Renovierung jetzt wieder zugänglichen Königsbau der Residenz. Dort residierte einst Karoline von Baden , die zweite Ehefrau des bayerischen Herzogs Max. „Sie hat sich Napoleon widersetzt“, berichtet Dr. Mirjam Brandt, die als Kunsthistorikerin mit der Renovierung der prachtvollen Räume befasst war. Bayern war eng mit Frankreich verbunden und wurde 1806 quasi durch Napoleons Gnaden zum Königreich. „Das hört man in Bayern allerdings bis heute nicht so gern“, schmunzelt Mirjam Brandt. Karoline von Baden wurde zwar dadurch Bayerns erste Königin, bekämpfte aber die französische-bayerische Allianz. Da wollte Napoleon mit einem kostbaren Service aus der Porzellanmanufaktur Sèvres für gut Wetter sorgen. Das „strategische Geschenk“ ist heute Teil der umfangreichen Porzellansammlung in Deutschlands größtem Stadtschloss.

Eine gewisse Art von Beharrlichkeit haben sich die bayerischen Frauen bis heute bewahrt. Auch Susanne Weber, Braumeisterin in der Paulaner Brauerei und damit (noch) eine Exotin in einem männlichen Beruf, sagt von sich: „Ich war recht stur. Ich habe gesagt: Das mache ich, da gehe ich hin“, berichtet sie von ihrer Berufswahl. Als 17-Jährige begann sie ihre Lehre in der traditionsreichen Brauerei und ist heute in der Qualitätskontrolle tätig. In dieser Funktion trinkt sie bereits am Vormittag Bier. „Aber das Bier hat dann eine Temperatur von 20 Grad, das macht keinen Spaß“, nimmt sie potenziellen Neidern gleich den Wind aus den Segeln. Stattdessen trinkt sie lieber ein gut gekühltes Helles im Brauerei-eigenen Biergarten auf dem Nockherberg oder auf dem gerade mal wieder beendeten Oktoberfest. Für einen Besuch im Festzelt trennt sich die kumpelhafte 28-Jährige auch von Jeans und Turnschuhen. „Ich habe 20 Dirndl, da lasse ich voll das Mädchen raushängen“, grinst sie und zwirbelt in den langen blonden Haaren.

In einem ganz anderen Feld als die Braumeisterin hat sich Barbara Gross durchgesetzt – und ihre Haare sind darüber grau geworden. Seit 30 Jahren betreibt sie in München eine Galerie für moderne Kunst. Mittlerweile befinden sich ihre Räumlichkeiten in einem ehemaligen Schlachthaus in einem Hinterhof an der Theresienstraße – mitten im angesagten Kunstareal. Auf einer Fläche von einem Viertel Quadratkilometer befinden sich hier 18 Museen – darunter die weltbekannten Pinakotheken mit Kunst aus aller Welt und allen Epochen – und 40 Galerien. Eine davon ist die Galerie Gross – hier steht eine Frau mit ihrem Namen für die Kunst.

„Als ich anfing“, erinnert sich die 72-Jährige, „gab es bis auf die Werke von Gabriele Münter keine Kunst von Frauen in den Münchener Museen“. Und auch in den Galerien tauchten Künstlerinnen nicht auf, sodass Barbara Gross dort ihren Schwerpunkt setzte. „Natürlich bin ich belächelt worden“, aber sie hätte auch nicht viele Wahlmöglichkeiten gehabt, denn die männlichen Künstler hatten alle schon Galeristen. Und so stellte sie Werke von Nancy Spero, Kiki Smith und Maria Lassnig aus. Namen, die bei Kennern der zeitgenössischen Kunst anerkennendes Nicken auslösen. Heute hat Barbara Gross selbst einen Namen in der Szene und achtet nicht mehr drauf, ob Mann oder Frau das Werk geschaffen hat. „Ich mache das, wovon ich überzeugt bin“, sagt sie und an der Wand hinter ihr leuchtet ein Werk des Londoner Künstlers Ian Kiaer.

Wer noch nicht genug hat von starken Frauen, der geht am Abend ins Nationaltheater. Dort tanzt die Wienerin Prisca Zeisel im bayerischen Staatsballett. Privat ist die 23-Jährige eher scheu. Auf der Bühne verwandelt sie sich in eine selbstbewusste Tänzerin. Das macht München aus seinen Frauen.

Anreise: Schnell geht es mit dem Flugzeug, ab Flughafen Münster/Osnabrück gibt es bis zu fünf Verbindungen pro Tag. Mit dem Zug dauert es ab Münster von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof je nach Verbindung zwischen sechs und siebeneinhalb Stunden.

Führung: „Ohne Frauen geht nix“ heißt die zweistündige Tour, die über München Tourismus gebucht werden kann. Der Rundgang führt durch die Altstadt und stellt die Lebensgeschichte bemerkenswerter Münchnerinnen vor.

Info: www.einfach-muenchen.de

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