Auf vier spektakulären Etappen
Osttiroler Herz-Ass-Skitour führt rund ums Villgratental

Villgratental -

Die Spur führt nach oben. Immer weiter. Wenn das gleißende Sonnenlicht freie Bahn hat, funkelt ein schier unendliches Meer aus Schneekristallen. Jetzt fließt aber der Schweiß in Strömen. 

Montag, 05.11.2018, 16:35 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 05.11.2018, 14:10 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 05.11.2018, 16:35 Uhr
Atemberaubende Landschaftin Osttirol: Die neue „Herz-Ass-Skitour“ erfordert gute Kondition; vorne die Villgrater Berge, hinten die Lienzer und Sextener Dolomiten.
Atemberaubende Landschaftin Osttirol: Die neue „Herz-Ass-Skitour“ erfordert gute Kondition; vorne die Villgrater Berge, hinten die Lienzer und Sextener Dolomiten. Foto: Constantin Hack

„Die Skier nach vorne schieben“, ruft Bergführer Franz Schneider beim aufmerksamen Blick zurück – und hat auf dem einstigen Schmugg­ler­steig nach Südtirol eben ein besonderes Auge auf den Skitouren-Neuling.

Es geht fast 800 Höhenmeter bergauf Richtung Kalkstein-Jöchl. Bergauf mit Skiern, ehe nach den letzten Spitzkehren auf gut 2300 Metern am Grenzstein zu Italien die rutschhemmenden Felle unter den beiden Latten wieder im Rucksack Platz finden. Nach kurzem Verschnaufen und einer kleinen Stärkung ist eine Tiefschnee-Abfahrt durch eine fast unberührte Schneelandschaft zurück ins Villgratental der verdiente Lohn aller körperlichen Anstrengung. Eine unwiederbringliche Erinnerung – und nicht die letzte dieser Reise.

58 Kilometer Länge

In insgesamt vier Etappen umrundet die erst im vergangenen Winter aus der Taufe gehobene Herz-Ass-Skitour dieses abgeschiedene, immer noch bergbäuerlich geprägte Hochtal in Osttirol: 58 Kilometer Länge, insgesamt 5510 Höhenmeter beim Aufstieg, und in der Summe 6185 Meter nach unten garantieren gleich mehrere Abfahrten am Tag. Faszinierende Ausblicke auf die imposante Bergwelt der Sextener und Lienzer Dolomiten sowie den Alpenhauptkamm und den Großglockner inklusive.

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Das Dörflein Kalkstein ist ein Einstiegspunkt in die Skitour. Auf dem Friedhof liegt der letzte erschossene Wilderer Österreichs, der 1982 den Tod fand. Foto: Dirk Anger

Mit ein bisschen Wohlwollen lassen beim Blick auf die Karte jedenfalls die rund 50 mächtigen Gipfel der Villgrater Berge ein Herz in der Landschaft erkennen. Dieses gab vor einigen Jahren schon dem fünftägigen Sommer-Wanderweg rund ums Villgratental als Markenzeichen seinen Namen. Angelehnt daran gibt es jetzt die um einen Tag kürzere Winter-Variante für Touren­skigeher. Das Angenehme: Nach jeder der bis zu siebenstündigen, im Tal startenden und endenden Tagesetappen bringt ein Shuttledienst nach Anruf den Wintersportler zurück zur Unterkunft – und am Morgen darauf wie bei der Wandertour zum nächsten Startpunkt.

Nachhaltig nach vorne 

Christof Schett gilt als Erfinder der Herz-Ass-Skitour. Er ist so eine Art Prototyp derer, die das Tal nachhaltig nach vorne bringen wollen, weil sie um seinen größten Schatz wissen: keine großen Bettenburgen oder Après-Ski-Getöse, sondern die reine Schönheit der Berge vor der Haustür. Schett selbst hat Umwelttechnik studiert, als Profi-Snowboarder die halbe Welt bereist. Doch sein Herz hängt an seiner Heimat. Heute bietet er als Reiseveranstalter Outdoor-Touren an.

Strecken- und Höhenmeter sind die große Heraus­forderung.

Christof Schett, Erfinder der Herz-Ass-Skitour

„Schon seit den 80er Jahren haben wir hier im Tal auf Skitouren gesetzt“, erzählt er. Damals scheiterten im heutigen Bergsteigerdorf Innervillgraten Pläne für einen Skilift und den Anschluss an das nicht weit entfernte Skizentrum Hochpustertal. Aus heutiger Sicht fast ein Glücksfall. Denn so hat sich das Tal viel des ursprünglichen Charmes bewahren können.

Kraftvolle Entschleunigung 

Im Villgratental tut sich eine Entschleunigungsoase für all diejenigen auf, die auf langen und durchaus kraftraubenden Skitouren im Einklang mit der Natur ihre Urlaubserholung finden. Schon von November bis in den Mai hinein können Skibergsteiger auf gute Bedingungen in dieser Bergwelt vertrauen, die wie die Hochgrabe knapp an 3000 Meter heranreicht.

Es finden sich hier mehr als 40 Skitouren in allen Schwierigkeitsklassen, aber auch ausgewiesene Schutzzonen für die Tier- und Pflanzenwelt – und eben seit Kurzem die neue Herz-Ass-Skitour als Attraktion. Die zu unternehmen, empfiehlt sich mit einem einheimischen und erfahrenen Bergführer. Denn es ist nichts auf der Karte eingezeichnet.

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Die Aufstiege aus dem Villgratental führen durch einsame, teils unberührte Schnee-Landschaften. Skitourengeher kommen hier bei ihrem Hobby voll auf ihre Kosten. Foto: Dirk Anger

„Alle Abfahrten sind relativ einfach zu fahren, man kann nicht abstürzen“, versichert der Erfinder der Skirundtour, deren Etappen sich auch als einzelne Tagestour lohnen. „Aber die Strecken- und Höhenmeter sind die großen Herausforderungen bei dieser Tour.“ Die ruft förmlich nach einer guten Grundkondition. Bergführer Franz Schneider mangelt es daran erkennbar nicht.

Schon früh am Morgen hat er bei seinen Kühen im Stall nach dem Rechten geschaut. Jetzt fährt er seiner kleinen Gruppe mit Skitourengehern die beste Linie durchs freie Gelände zum Ausgangspunkt im Weiler Kalkstein vor. Dort, auf dem Friedhof der kleinen Wallfahrtskirche „Maria Schnee“ befindet sich das Grab von Pius Walder, dem letzten in Österreich erschossenen Wilderer. Aber das ist eine ganz andere Geschichte aus dem spannenden Skitouren-Paradies in Osttirol.

Informationen

Die „Herz-Ass-Skitour“ hat vier Etappen: Außervillgraten-Kalkstein, Kalkstein zur Unterstaller Alm, zur Reiterstube und nach Innervillgraten. www.leisespuren.at www.osttirol.com

Unterkünfte finden sich in allen Kategorien. Zu den Top-Adressen zählt der Gannerhof in Innervillgraten. Die Bio-Küche von Josef Mühlmann ist erneut vom Gault Millau ausgezeichnet worden. www.gannerhof.at

Heimische Produkte: Unter dem Namen „Kraftwerke Villgraten“ haben sich sechs Betriebe zusammengetan, darunter Josef Schett mit seinen  Schafswolle-Produkten.  kraftwerkevillgraten.at

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