Irland
Exkursion zu Golf und Whiskey

Mancher Schuss geht gehörig nach hinten los. Die gesundheitlichen Schäden durch den Alkohol wollten die Abstinenzler in den USA mit der Prohibition eindämmen. Kneipen sollten verschwinden – und mit ihnen Glücksspiel und Prostitution. Als 1933 nach 13 trockenen Jahren Bilanz gezogen wurde, gab es sehr gemischte Ergebnisse. In der Tat waren weniger Tote etwa nach alkoholbedingten Leberschäden zu beklagen. Andererseits aber wurden rund 10 000 Tote nach Vergiftungen durch schwarzgebranntem Schnaps gezählt. Die Kriminalität war stark angestiegen und die Mafia mit Al Capone an der Spitze hatte eine enorme Blütezeit erlebt.

Samstag, 17.11.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 17.11.2018, 06:00 Uhr
Abschlag auf dem O‘Meara-Kurs in Carton House:Der Turm im Hintergrund steht nur da, weil er so schön in die Landschaft passt. Uwe Gebauer Zweites Standbein:Die Glendalough Distillery produziert auch feinen Gin – und zeigt die Zutaten. Uwe Gebauer
Abschlag auf dem O‘Meara-Kurs in Carton House:Der Turm im Hintergrund steht nur da, weil er so schön in die Landschaft passt. Uwe Gebauer Zweites Standbein:Die Glendalough Distillery produziert auch feinen Gin – und zeigt die Zutaten. Uwe Gebauer

6000 Kilometer Luftlinie entfernt hatte die US-amerikanische Prohibition gar für den Niedergang eines echten Imperiums gesorgt. Liam Campbell schwellen noch 85 Jahre später die Adern auf den Schläfen. „Wir waren mal die größte Whiskey-Nation der Welt“, sagt der irische Journalist in Dublin. „Der größte Produzent, wir hatten die meisten Destillen.“ Und dann?

Dann kam der Niedergang. Ganze zwei Unternehmen blieben nach Prohibition, Wirtschaftskrise und Zweitem Weltkrieg in Irland.

Eine traurige Geschichte. Die aber offensichtlich langsam ein gutes Ende findet. ­Liam Campbells Adern können wieder abschwellen. Inzwischen gerät der renommierte Fachjournalist für Hochprozentiges ins Schwärmen, wenn er über die irische Whiskey-Szene erzählt. Neugründungen gibt es überall im Land.

Die Glendalough Distillery im County Wicklow ist eine der ersten Craft Distilleries, die in Irland wieder entstanden sind. Dort haben sich 2014 fünf Freunde zusammen­getan und ihre eigene Brennerei eröffnet. In handwerklichem Rahmen und mit viel Herzblut brennen sie ihren Whiskey, aber auch Gin. Größere, industriel le Dimensionen hat die Powers­court Distillery in Enniskerry. Und selbst mitten in Dublin hat nach über 125 Jahren Unterbrechung mit Teeling’s wieder eine Whiskeybrennerei die Arbeit auf­genommen. 18 neu gegründete Distillen zählte die Irish Whiskey Association 2017; weitere 19 waren gerade in Bau oder Planung.

Für Campbell ist die Sache klar: So soll es sein. „Hier ist schließlich das erste uisce ­beatha, das erste Wasser des Lebens, gebrannt worden.“ Und die Schotten, die dasselbe für sich reklamieren? „Nun, ja“, sagt Campbell, „sagen sie?“

Heute müssen sich einerseits die Iren nicht vor den Schotten verstecken. Zu gut ist der oft sehr sanfte irische Whiskey (mit seinem „e“ in der letzten Silbe). Und die Schotten mit ihrem Whisky (ohne „e“) müssen angesichts enorm wachsender Märkte die Iren auch nicht fürchten.

Zudem sind die geistigen Getränke sehr unterschiedlich im Charakter und sollten ­beide jeweils ihre Fans finden: Viel für den Geschmack des schottischen Whiskys wird schon beim Mälzen getan, wo sich etwa eine Torf-Note oder ein Hauch von Salz einschleicht. Die Iren verwenden kein Torffeuer in der Darre und sorgen später vornehmlich durch das „Vatting“, das Lagern in unterschiedlichsten Fässern für die eigene Whiskey-Note. Da werden längst nicht nur Sherry-, Port- und Bourbonfässer eingesetzt, sondern auch Riesling- und ­Spätburgunderfässer.

Das ist eine Wissenschaft für sich – und liefert allemal ausreichend Stoff für eine ausgiebige Expeditionsreise. Die zum Beispiel im Irish Whiskey Museum an der Dubliner Grafton Street beginnen kann. Das Haus zeigt sehr plastisch die Geschichte des Whiskeys, liefert Hunderte von Ideen für weitere Ausflüge und Untersuchungen – und noch an Ort und Stelle den Stoff für eine erste Verkostung.

Weil kein Mensch von früh bis spät Whiskey kosten kann – und seien es noch so wenige Tropfen noch so guter Produkte –, sollte der Neugierige die Gustationstour vielleicht mit einem zweiten Thema kombinieren. Was liegt näher, als ­seine Tage mit Golf zu verbringen? Die Golfplatz-Dichte insbesondere rund um Dublin ist enorm. Links-Plätze wie der Howth Golfclub, gerade 20 Minuten vom Flughafen entfernt, wechseln mit Meisterschaftsplätzen wie Druids Glen, wo die Irish Open schon mehrfach zu Gast waren. Dazu kommen zahlreiche weniger bekannte Plätze von dörflich-lässig bis ziemlich nobel. So schön viele Plätze sind: Am beeindruckendsten am Golf in Irland sind die Natürlichkeit und Gastfreundschaft der Golfer. Und die Klasse der Clubhäuser.

Womit wir wieder beim Thema Whiskey sind. Das Wetter in Irland ist selten so heiß, dass der Sportler nach der Runde große Flüssigkeitsverluste ausgleichen müsste. Die entstehen im irischen Landregen gar nicht erst. Aber ein kleines Schlückchen „liquid sunshine“, flüssiger Sonnenschein, wie George Bernard Shaw den Whiskey nannte, nach der Runde versöhnt den Golfer wieder mit dem irischen Wetter, das gerne mal an einem einzigen Vor­ mittag einen Schnelldurchlauf durch alle Jahreszeiten bietet.

Anreise: Von Deutschland aus wird Irland angeflogen von Aer Lingus, Lufthansa, Ryanair und Eurowings.

Unterkünfte: Irland ­bietet alle denkbaren Unterkunftsmöglichkeiten von Campingplätzen über Jugendherbergen, Privatpensionen (B&B) und Hotels (bis fünf Sterne) bis zu Herrenhäusern und luxuriösen Schlosshotels.

Aktivitäten: Über 400 Plätze aller Kategorien und Greenfees warten auf Golfer.

Auskünfte: Alle Informationen über ganz Irland ­inklusive Nordirland gibt es bei Tourism Ireland, der Vermarktungsagentur der Insel. www.ireland.com

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