Deutschland - Dänemark
Blauer Gendarm weist den Weg

Natur erleben, Neues entdecken, sich lebendig fühlen, den Alltag vergessen – das alles ist Aktivurlaub. Besonders entlang der Ostsee in Schleswig-Holstein und Dänemark bieten sich dafür das ganze Jahr über tolle Möglichkeiten, ganz gleich ob Radfahren, Wandern, Wassersport, Angeln oder Strandbesuche“, schwärmt Julia Prange. Den Mund wässerig machen muss sie vielleicht auch als Ansprechpartnerin von „Ostsee-Holstein-Tourismus“. Sie hat dafür handfeste Beweise. Zum Beispiel mit Wandern in Südjütland.

Samstag, 24.11.2018, 05:00 Uhr
Typisches Bildin Südjütland mit weißen Kirchen und weitläufiger Landschaft Detlef Dowidat
Typisches Bildin Südjütland mit weißen Kirchen und weitläufiger Landschaft Detlef Dowidat

Der Name allein macht schon neugierig: Gendarmstien, auf deutsch Gendarmenpfad. Das ist ein etwa 74 Kilometer langer Wanderweg in Dänemark und gehört zu den attraktivsten im Nachbarland. Er verläuft unmittelbar entlang der Küste und ist somit landschaftlich einfach toll. „Dank der Lage kann man sich die Strecke in mehrere Etappen aufteilen und so ganz einfach kürzere Abschnitte bewältigen, wie ich es derzeit mache“, erzählt die 42-jährige Jessie aus Velbert, die kurz vor Sonderborg unterwegs ist. Sie sei den Gendarmenpfad schon öfter gewandert. Dieses Mal ist sie allein unterwegs. „Es ist wunderschön entspannend, auch wenn der Wind manchmal ganz schön um die Nase pfeift“, schwärmt die Export-Kauffrau.

Sie berichtet, dass sie manchmal auch einen Teil bei Bedarf mit dem Bus zurücklegt, um eine der vielen Übernachtungsmöglichkeiten zu erreichen. Dabei sei es ihr egal, ob es ein Campingplatz, Naturcamping oder ein Hotel; eine Pension oder Ähnliches ist. „Ich kann diesen schönen Wanderweg ganz nach meinen Bedürfnissen einteilen und planen. Er ist auch perfekt für Wander-Anfänger geeignet, die ich schon öfter dabei­hatte“, verrät Jessie, sagt „Tschüss“ und setzt ihren Weg allein fort. Ihre letzten Empfehlungen werden unterstrichen von einem blauen Männchen, dass permanenter Begleiter ist. Der blaue Gendarm auf weißem Grund weist den Weg. Verlaufen ist so gut wie unmöglich.

Als bisher einzige Wanderroute in Dänemark trägt der Gendarmenpfad, der von Padborg (nordwestlich von Flensburg) bis nach Høruphav (am Höruper Haff östlich von Sønderborg) verläuft, das Prädikat „Leading Quality Trails – Best of Europe“. „Das ist auch kein Wunder, denn der Gendarmenpfad ist einer von Dänemarks schönsten und interessantesten Wanderrouten. Es geht durch Küstenwälder, gemütliche Fischerorte und Dörfer, über die weißen Sandstrände der Förde, an Steilhängen und Steinriffs vorbei und durch hügelige und abwechslungsreiche Landschaft“, berichtet Irene Sanchez, Projekt-Managerin von Path Development, die unter anderem den Gendarmenpfad mit entwickelt hat. Sie berichtet von den vielen verschiedenen Biotopen der dänischen Küste, in denen zahlreiche seltene Tiere und Pflanzen leben. Auch zu entdecken sind auf der Strecke Spuren unserer Vorfahren – von Steinzeitjägern, Königen und Geistlichen bis hin zu marschierenden Heeren und eben den blauen Grenzgendarmen, die nach Schmugglern Ausschau haltend hier patrouillierten.

„Wenn man dem Gendarmenpfad folgt, fällt es einem nicht schwer, sich vorzustellen, wie die Grenzgendarmen Augen und Ohren offen hielten, wenn sie zu Fuß ihre feste Route entlang der steilen Böschungen, durch die geheimnisvollen Wälder und die Strände entlanggingen. Ihre Aufgabe war es, nach Schmugglern Ausschau zu halten, die versuchten, ihre Waren entweder in das oder aus dem Land zu bringen, ohne dafür Zoll zu zahlen, der über Jahrhunderte eine der wichtigsten Einnahmequellen Dänemarks war“, berichtet Irene Sanchez.

Sie erzählt in einem geschichtlichen Exkurs, dass die Grenzgendarmerie 1839 gegründet wurde, um die Zollbeamten an der Grenze des Herzogtums entlang der Elbe zu beschützen. Nach der Niederlage 1864 verlief die dänische Grenze weiter nördlich entlang des Flusses Kongeå – 1866 wurde auch die Gendarmerie hierher versetzt. Als Ergebnis der Volksabstimmung 1920 zogen die Grenzgendarmen wieder in Richtung Süden und patrouillierten entlang der jetzigen Grenze vom Wattenmeer im Westen bis zur südlichen Spitze der Insel Als im Osten. 1958 fiel die Grenzkontrolle in den Verantwortungsbereich der Polizei und das Gendarmenkorps wurde nach mehr als 100 Jahren Geschichte. „Nur einige Teile des Gendarmenpfads blieben erhalten, und in den 1980ern kam wieder ein Bewusstsein für die Bedeutung des historischen Pfads auf, was dann zur Ausweisung des Wanderweges führte“, schließt Sanchez ihren Vortrag.

„Unter dem Namen ,Natura‘ werden die Angebote entlang der Ostseeküste übersichtlich präsentiert“, stellt Julia Prange vom Ostsee-Holstein-Tourismus ein neues Programm vor. Dafür wurde eine Webseite ins Leben gerufen: Auf der deutsch- und dänisch­sprachigen Webseite finden Besucher auf einer interak­tiven Karte die schönsten Spots und Unterkünfte in der Region. Ziel des grenzübergreifenden Projekts sei es, den Aktivtourismus in der Region zu fördern: also jene Gäste zu gewinnen, die ihre freien Tage nutzen, um auf dem Rad, auf dem Wasser oder am Strand ihrer sportlichen Leidenschaft nachzugehen. Oder auf dem Gendarmenpfad wandern.

www.natura-ostsee.comwww.ostsee-schleswig-holstein.dewww.gendarmsti.dk/dewww.visitkolding.de

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