Österreich
Ruhe am Jakobskreuz

Weitläufige Skigebiete und viel Après-Ski gibt es in Tirol von der Salzburger Landesgrenze im Osten bis zum Arlberg im Westen. Doch im „heiligen Land Tirol“, wie es selbst in der Landeshymne heißt, gibt es auch noch stille Erlebnisse und sanfte Winterfrischen.

Samstag, 01.12.2018, 06:00 Uhr

Outdoor-Spielplatz Tirol. Skilifte warten in allen Himmelsrichtungen. In Fieberbrunn gibt es Anschluss an den riesigen Skizirkus Saalbach-Hinterglemm. Dort läppert sich das Pistenangebot auf satte 270 Kilometer Länge. Vom 15 Kilometer entfernten Waidring aus geht es über die Steinplatte auf zwei Brettern bis hinüber nach Reit im Winkl in Oberbayern. Ein Katzensprung ist es bis zu den Kitzbüheler Bergbahnen. Mittendrin liegt das Pillerseetal, ein idealer Ausgangspunkt zu den großen Wintersportattraktionen des Tiroler Unterlandes. Größer, schneller, lauter ist hier an vielen Stellen die Devise.

Doch es geht in Fieberbrunn und St. Ulrich, in St. Jakob und Hochfilzen auch ganz anders. Leise, idyllisch, manchmal sogar noch ziemlich ursprünglich. Man muss halt ohne Zwischenstopp an den ­Après-Ski-Schuppen und Bierpilzen vorbeikommen und die Weltcupwochenenden in Kitzbühel (Ski alpin) und Hochfilzen (Biathlon) meiden. Dann kann es hier richtig gemütlich sein.

Beispielsweise an der Buchensteinwand. Die ragt zwischen Loferer und Leoganger Steinbergen, Wildem Kaiser und Kitzbüheler Alpen mit ihrer bescheidenen Seehöhe nicht so furchtbar imposant aus der Ebene heraus. Ganze 1462 Meter hoch ist sie. Zwei Sessellifte und zwei Schlepplifte am Berg zwischen St. Jakob und Hochfilzen, dazu Übungslifte im Tal machen auch nicht so viel her. Wohl aber die begnadete Aussicht auf die schroffen Berge bis hin zum Großglockner.

Aber auch die kleine Buchensteinwand selbst fällt sofort auf. Auf ihrem Gipfel steht das 30 Meter hohe Jakobskreuz – ein begehbares Doppelkreuz mit Seminarräumen in seinem Inneren und wunderbaren Aussichtsbalkonen darauf. Das größte Bauwerk dieser Art weltweit. Die Bergbahn Pillersee hat den holzverkleideten Betonbau im Jahr 2014 auf den Berg gesetzt – nachdem Initiator Toni Wurzrainer bei einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela 2001 auf diese Idee gekommen war. Einer der zahlreichen Jakobswege, die Europa auf dem Weg nach Santiago durchziehen, führt durchs Pillerseetal. Von dort aus zieht das Kreuz die Blicke jetzt geradezu magisch auf sich. Inzwischen zieht das Jakobskreuz selbst schon Pilger in seinen Bann, die hier zur Ruhe und zu sich selbst kommen.

An der Buchensteinwand ticken sie anders, nicht nur wegen des Kreuzes. „Wir verfolgen die Strategie, die sagt: Der Berg braucht Ruhe.“ So sagt es Toni Wurzrainer. Und er meint es ganz ernst. Hier geht es um den Berggenuss, nicht um Höchstgeschwindigkeiten und das Ausnutzen der Skipässe. Da erlauben sich die Bergbahner schon mal das Vergnügen, zu Karfreitag den normalen Skibetrieb einzustellen, um Platz zu schaffen für die vielen Pilger auf Tourenski oder in Wanderschuhen. Undenkbar ein paar Kilometer weiter in Kitzbühel oder Saalbach.

Auch mitten in der Saison ist es von Vorteil, nicht mit den Superlativen ringsum mithalten zu wollen. 20 Kilometer Piste in Summe bedeuten auch, dass der Skifahrer selbst am Samstagvormittag um zehn Uhr noch einen Parkplatz an der Talstation bekommt und am Sessellift nicht groß anstehen muss. Auf den Pisten ist Platz für großzügige Schwünge und im Gipfelgasthaus bleibt das Gedränge überschaubar. Manch einem ist das deutlich wichtiger als schier unendliche Pistenkilometer.

Diese Urlauber begegnen sich vermutlich auch anderenorts im Pillerseetal wieder. Beispielsweise beim Eisstockschießen. Das betreiben die heimischen Stockschieber fast schon professionell; aber sie haben auch Zeit und Muße, diesen Alpensport den Gästen zu erklären. Und wer auf den Bahnen am schattigsten Fleck von Fieberbrunn genug gefroren hat, ist nachher bei Gidi (eigentlich Aegidius) Treffer auf dem Gaßoidhof genau richtig. Der hat 2004 das Schnapsbrennen begonnen, nachdem er zuvor über Jahre und Jahrzehnte die Birnen und Äpfel vom eigenen Hof bei befreundeten Brennern veredeln ließ.

Inzwischen ist Gidi Treffer hochdekorierter Edelbrandproduzent. Seltene Sorten, die fast nur noch hier wachsen, destilliert er in seiner kleinen Brennerei. Eigelsbacher Birne, Rote Pichlbirne, Mostbirne und urwürziger Lederapfel beispielsweise werden verarbeitet – und ganz nebenbei dank dieser Verwertung auch für die Nachwelt erhalten. Aber Treffer erlaubt sich auch kühne und moderne Experimente; er produziert schon mal Kürbis- und Karottenschnaps. Nichts aber ist so aufwendig wie sein Vogelbeerbrand. 500 Kilogramm Vogelbeeren werden mit der Hand von den Dolden gestreift, eingemaischt, vergoren und gebrannt – und geben zum guten Schluss vielleicht drei, vier Liter Destillat.

„Hauptsache sauber“, sagt Gidi Treffer. Und mag dann auch nicht über die (ordentlichen) Preise diskutieren. Um die geht es nicht, sagt er. Sondern nur um den Genuss: „Wer nicht genießen kann“, glaubt der Brenner, „wird ungenießbar.“ Aber so weit muss man es im Tiroler Unterland nicht kommen lassen.

Die Gästekarte ist auch Ticket für den Regionalverkehr. Der Tagesskipass (Erwachsene) kostet an der Buchensteinwand ab 32 Euro, für Steinplatte/Waidring/Winkl­­moos­­alm ab 41,50 Euro und für Saalbach, Hinterglemm, Leogang und Fieberbrunn ab 47 Euro.

Tourismusverband Pillerseetal : ✆ +43/53 54/5 63 04

Dorfplatz 1, A-6391 Fieberbrunn

info@pillerseetal.at, www.pillerseetal.at

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