Luxemburg
Zwischen Stein und Stahl

Vor dem Großherzoglichen Palast am Krautmarkt ziehen zwei Wachsoldaten zackig ihre Bahnen. Gegenüber lassen es sich Leckermäuler im „Chocolate House“ gut gehen und genießen bei Cappuccino-Torte und Co. den Blick auf die flämische Renaissance-Fassade der Stadtresidenz.

Montag, 17.12.2018, 17:58 Uhr

Nur ein paar Schritte weiter lockt der „schönste Balkon Europas“ zum Stadtspaziergang: Auf dem Chemin de la Corniche bietet sich den Flaneuren ein atemberaubender Blick auf das Tal der Alzette, den Stadtteil Grund und die zahllosen Brücken aus den unterschiedlichsten Epochen. Besucher brauchen keine halbe Stunde, um festzustellen: Die Luxemburger Altstadt trägt zu Recht seit 1994 den Titel „Unesco-Weltkulturerbe“.

Zwischen Stein und Stahl: Luxemburgs historisches, industrielles und kulinarisches Erbe

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  • Seit 1994 trägt die Luxemburger Altstadt den Titel "UnescoWeltkulturerbe".

    Foto: Ines-Bianca Hartmeyer
  • Die Corniche gilt als der "schönste Balkon Europas".

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  • Von hier aus haben Spaziergänger einen traumhaften Blick auf das Tal der Alzette, den Stadtteil Grund und Brücken aus allen Epochen.

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  • Sie ist der kulinarische Superstar Luxemburgs: Sterneköchin Léa Linster erhielt als erste und bislang einzige Frau der Welt den "Bocuse d'Or".

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  • Herausgeputzt und ein wenig verschlafen: Das ist das gängige Klischee in Bezug auf Luxemburg.

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  • Vor dem Großherzoglichen Palast ziehen die Wachen ihre Bahnen - ein beliebtes Foto-Motiv.

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  • Das Wahrzeichen Luxemburgs ist die "Gëlle Fra” (Goldene Frau) auf dem Konstitutionsplatz. Einst ein Kriegerdenkmal gilt sie heute als Symbol des Friedens.

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  • Der auffällige Turm am Ende der Pont Adolphe gehört nicht etwa zum Schloss des Großherzogs, wie viele Touristen meinen. Er gehört der Sparkasse und wird im Volksmund "Turm des Mammon" genannt.

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  • Eine weitere berühmte Adresse für Gourmets ist das Feinkostgeschäft Kaempff-Kohler. Der Großvater von Guillaume Kaempff erfand einst die llegendäre "Rieslingpaschteit", ein besonderer Gaumenschmaus, den selbst der Großherzog schätzt.

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  • Das „MUDAM“, das „Musée d’art Moderne Grand-Duc Jean“, deckt alle Bereiche der zeitgenössischen Kunst. Einer der beliebtesten Hingucker ist der "Water Tree" von Susumu Shingu.

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  • Ingo Maurer ist bekannt für ungewöhnliche Lampen. Sie zieren unter anderem den neuen Distrikt auf dem ehemaligen Stahlindustrie-Gelände in Belval.

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  • Strukturwandel im Zeichen der Industriekultur: Im Schatten der zwei noch verbliebenen Hochöfen entsteht peu à peu die „Cité des Sciences“ mit den Einrichtungen der jungen Universität Luxemburg, öffentlichen Forschungszentren, Start-up-Unternehmen, aber auch Wohnraum, Treffpunkten und Einkaufsmöglichkeiten.

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  • Die Hochöfen A und B sind stehen geblieben. Während A zwischen März und Oktober zu besichtigen ist, laufen noch Überlegungen, wie sich B am besten nutzen lässt. Zum "Hochofenfest" im nächsten Juli wird eine Zipline zwischen den beiden Türmen für besonderen Nervenkitzel sorgen.

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  • In Dudelange ist das ehemalige Wasserreservoir zu einem Treffpunkt für Kunst- und Kulturfreunde geworden. Während im Wasserturm unter dem Titel „The Bitter Years“ Fotos von Edward Steichen zu sehen sind, ist die Lagerhalle nebenan ganz dem früh verstorbenen Luxemburger Schauspieler Thierry van Werveke gewidmet.

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  • Thierry van Werveke wurde durch den Film "Troublemaker" bekannt und spielte später unter anderem an der Seite von Til Schweiger in "Knockin' on Heaven's door" und "Der Eisbär". Die Ausstellung in Dudelange zeichnet das kurze Leben von "Thierry National" nach.

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  • Das Müllethal ist ein beliebtes Wandergebiet. Von den Aussichtsplattformen bieten sich traumhafte Blicke über die bergige Landschaft.

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  • Auch für Familien ist das Müllerthal ein beliebtes Camping- und Wandergebiet. Aber "Vorsicht!" an den Abgründen!

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  • Die Sandsteinschluchten bieten einen Hauch von Abenteuer - und manchmal wird es ganz schön eng.

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  • An einigen Felsabschnitten ist Klettern erlaubt.

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  • Wanderromantik pur erleben Naturliebhaber zwischen Schluchten, Höhlen, Waldwegen und Palteaus.

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  • Der Panorama-Blick lässt erahnen, was Goethe an dem kleinen Staat so faszinierte.

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  • Und noch eine Facette des Großherzogtums: An der Grenze lässt die Mosel zu einer Schifffahrt ein.

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  • Im Sonnenuntergang zieht der Ausflugsdampfer an Weinbergen, Dörfern und Campingplätzen vorbei.

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  • Johann Wolfgang von Goethe wusste es schon lange: Luxemburg vereint "Größe mit Anmut, Ernst mit Lieblichkeit".

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Beschaulich, herausgeputzt und abseits des hektischen Banken-Alltags ein wenig verschlafen. Dieses Bild von Luxemburg haben viele Menschen im Kopf, wenn sie an den zweitkleinsten Staat der EU und seine Hauptstadt denken. Stimmt es denn? Hans Fellner, Luxemburger durch und durch, lacht. „Ein bisschen Wahrheit ist da schon dran“, gibt er zu. Aber so leicht lässt er seine Gäste dann doch nicht mit diesem Klischee davonkommen. Als Kunsthistoriker und Kulturförderer weiß er um die historischen Wurzeln genauso wie um die Brückenschläge in die Moderne. Vor allem das kulturelle Potenzial sei enorm. Seitdem Luxemburg nicht nur 1995, sondern auch 2007 Europäische Kulturhauptstadt war, sei eine enorme Dynamik eingekehrt, zusätzlich befeuert von der multikulturellen Gesellschaft im Land. „Künstler erhalten hier jede erdenkliche Unterstützung“, sagt Fellner.

Davon zeugen neben vielen Beispielen von Kunst im öffentlichen Raum auch die zahlreichen kulturellen Einrichtungen, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind: Galerien, Bibliotheken, eine Philharmonie – für jede künstlerische Betätigung gibt es den passenden Rahmen à la Luxemburg. „Was der Luxemburger macht, das macht er richtig“, merkt Hans Fellner schelmisch lächelnd an. Paradebeispiel ist das „MUDAM“, das „Musée d’art Moderne Grand-Duc Jean“, das alle Bereiche der zeitgenössischen Kunst abdeckt. Schon beim Namen des Architekten läuft Kundigen das Wasser im Munde zusammen. Kein Geringerer als Ieoh Ming Pei, der unter anderem für die Umstrukturierung des Louvre mit den legendären Glaspyramiden verantwortlich war, hat den markanten Bau auf den Ruinen der alten Festung entworfen.

Aber es geht noch moderner im beschaulichen Luxemburg, das seinen Wohlstand einst auf Eisenerz aus dem „Land der Roten Erde“ im Süden gründete. In Belval Esch-zur-Alzette nahmen 1911 die Hochöfen für eines der leistungsfähigsten Stahlwerke Europas ihre Arbeit auf. Doch diese Ära ging 1997 zu Ende. Was tun mit Brache und Anlagen? Die Lösung bestand in einem spektakulären Städtebauprojekt im Zeichen der Industriekultur: Im Schatten der zwei noch verbliebenen Hochöfen entsteht peu à peu die „Cité des Sciences“ mit den Einrichtungen der jungen Universität Luxemburg, öffentlichen Forschungszentren, Start-up-Unternehmen, aber auch Wohnraum, Treffpunkten und Einkaufsmöglichkeiten. „Wir wollten etwas kre­ieren, das Leben hat“, betont Elisabete Nuno vom Eventmarketing. „Und gleichzeitig wollten wir die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten lassen.“ Dafür gibt es schon jetzt einen Titel: Esch-zur-Alzette wird „Europäische Kulturhauptstadt 2022“ sein.

Wer den Aufstieg auf Hochofen A auf sich nimmt, erhascht auf der Plattform in 40 Metern Höhe übrigens ganz nebenbei noch einen Blick auf eine weitere Facette Luxemburgs: die vielfältigen Naturlandschaften zwischen Ardennen, Luxemburgischer Schweiz und Mosel. Kleines Land ganz groß? Einer hat es ja schon immer gewusst! Auf der Corniche erinnert ein Gedenkstein an Johann Wolfgang von Goethe, der dem Landschaftsmaler Nicholas Poussin Luxemburg posthum ans Herz legte: „Hier findet sich soviel Größe mit Anmut, so viel Ernst mit Lieblichkeit verbunden, dass wohl zu wünschen wäre, Poussin hätte sein herrliches Talent in solchen Räumen betätigt.“

Anreise: Pkw, ÖPNV oder ein Flug mit der nationalen Gesellschaft Luxair – Luxemburg ist in jeder Hinsicht gut angebunden.

Unterkunft: Mitten im Stadtzentrum gelegen, bietet das familiengeführte Designhotel Simoncini eine perfekte Ausgangslage für eine Stadtbesichtigung.

www.hotelsimoncini.lu

Schlemmen: Zur Einstimmung am Nachmittag ein Madeleine? Dafür ist Autorin, Gastronomin und Fernseh-Sterneköchin Léa Linster berühmt. Ihr Geheimrezept: „Gute Butter – und davon ganz viel!“ www.lealinster.lu

Abends: Im Restaurant „La Cristallerie“ des Hotels „Le Place d’Armes“ in der Hauptstadt nimmt der mit einem Stern ausgezeichnete Chefkoch Fabrice Salvador die Gäste mit auf eine kreative kulinarische Reise.

www.la-cristallerie.com

Auskunft: www.visitluxembourg.com

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