Norwegen
Einfach atemberaubend

Norwegens Natur ist einfach einzigartig. Besonders aufregend ist sie an der Westküste, wo sich die Fjorde tief ins Land hineinschlängeln. Das führt immer wieder zu tollen Perspektiven. Für Wanderer, Kajakfahrer und Outdoor-Fans aller Art.

Samstag, 23.03.2019, 06:00 Uhr
 Vom Preikestolen bietet sich ein atemberaubender Blick auf den Lysefjord. Der Aufstieg hat sich gelohnt:Vom Preikestolen bietet sich eine faszinierende Aussicht auf den Lysefjord. Günter Saborowski
 Vom Preikestolen bietet sich ein atemberaubender Blick auf den Lysefjord. Der Aufstieg hat sich gelohnt:Vom Preikestolen bietet sich eine faszinierende Aussicht auf den Lysefjord. Günter Saborowski Foto: Günter Saborowski

er junge Mann strahlt pure Lebensfreude und echte Begeisterung aus. Kein Wunder, wer in solch einer Landschaft seinen Beruf ausüben kann, der hat alles richtig gemacht. Vor 13 Jahren, damals noch als Student in den Niederlanden, hat Johannes Apon sein (Flach-)Land verlassen. „Es hat mir einfach nicht gefallen, was ich gemacht habe, und ich habe darüber nachgedacht, was ich mit meinem Leben eigentlich anstellen will“, erzählt er ­lächelnd auf Englisch, während er mit ausladenden Arm­bewegungen auf dem Weg zum Preikestolen hinauf die Landschaft anpreist. Mittlerweile ist er 34 Jahre alt, wird demnächst Vater und ist sein eigener Chef.

„Früher war es im Winter nicht erlaubt, zum Preike­stolen hochzugehen. Zu gefährlich. Seit 2015 machen wir die Tour auch im Winter. Die Wege sind jetzt besser ausgebaut“, sagt der Guide. Nepalesische Sherpas, die von den Norwegern zum Ausbau der Wege im Sommer für drei, vier Wochen angeworben werden, sorgen dafür, dass die sechs Kilometer lange Strecke sicherer wird und – zum Teil – aussieht wie eine alte Römerstraße. Da die Norweger die Sherpas nach norwegischem Einkommensverhältnissen bezahlen, kann in Nepal ein ganzes Dorf beinahe ein Jahr lang von den Einkünften leben. Die rund 600 Besucher des Preikestolen, die in der Zeit von Mai bis Oktober täglich bis auf die „Kanzel“ hinaufwandern, werden es ihnen danken.

Die Tour bis auf 604 Meter Höhe ist allerdings kein Spaziergang. Schon am Parkplatz weisen Schilder darauf hin, dass gutes Schuhwerk unabdinglich ist. „High Heels oder Flipflops sind nicht geeignet“, sagt Johannes Apon, in der Hoffnung, dass sich die jährlich 300 000 Besucher auch daran halten. „Vor 20 Jahren waren es noch 200 000 weniger“, erklärt er und grinst wieder: „Wir haben diesmal Glück: Im Sommer haben wir hier Autos und Busse. Im Winter haben wir die Vögel.“

Aktiv in Norwegen

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  • Bootstour auf dem Nærøyfjord von Flam aus. In den Sommermonaten fahren auch größere Touristenschiffe durch den engen Fjord bis zum Ort Gudvangen am Ende des Fjordes.

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  • Oben auf dem Preikestolen bietet sich in 604 Meter Höhe ein atemberaubender Blick auf den Lysefjord.

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  • Hund Molly versüßt den Aufstieg und die Pause beim Aufstieg auf den Preikestolen.

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  • Den Weg zum Preikestolen haben Sherpas aus Nepal befestigt.

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  • Schneeschuhwanderung in Myrkdalen.

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  • Was macht Johnny Rotten von den Sex Pistols an einer Hauswand in Stavanger? Ganz einfach. Das Werk von Martin Whatson ist Teil eines Streetartfestivals.

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Null Gegenverkehr beim Aufstieg um 9 Uhr. Drei Zwischenstationen gibt es. Kleinere Plateaus, wo man sich erholen kann und der Guide in höchsten Tönen Loblieder auf die Gegend singt. Oben angekommen, ist die Aussicht auf den Lysefjord atemberaubend. Zum Glück tummeln sich nur wenige Menschen und zwei Hunde auf dem Plateau. „Erstaunlich, dass es hier kaum Sicherheitsvorkehrungen gibt“, wundert sich ein Teilnehmer der Gruppe. „Hier ist noch keiner runtergefallen“, erwidert Johannes Apon. „Handys wird man unten allerdings genug finden“, grinst er wieder. „Ich habe mal in einer Felsspalte eine Kreditkarte stecken sehen“, mischt sich ein weiterer Teilnehmer in das Gespräch ein. Gut möglich, dass die Tom Cruise gehört, der im November 2017 am Preikestolen den sechsten Teil der „Mission: Impossible“-Serie gedreht hat.

Wer irgendwann keine Lust mehr auf Natur und Landschaft hat, sollte bei seinem Trip auf keinen Fall Westnorwegens Städte links liegen lassen. Kunst und Kultur gibt es bei Stavangers jährlich stattfindendem Streetart-Festival „NuArt“, bei dem namhafte Künstler ihre Werke großflächig an Häuserwänden präsentieren oder auch ganz winzig in irgendwelchen Ecken, die nur bei sehr genauem Hinsehen – oder mit einem Guide – zu entdecken sind. „Johnny Rotten dürfte aber kaum zu übersehen sein“, weist Karin Wolden auf den Sänger der Sex Pistols hin, den Martin Whatson mit Mütze auf eine ansonsten hässliche Wand projiziert hat.

Eisenbahnliebhabern dürfte das Herz höher schlagen, wenn sie mit dem Zug von Bergen erst nach Myrdal und dann weiter mit der Flambahn nach Flam einen Abstecher machen – natürlich elektrisch angetrieben, ganz ohne Dampf. Dort angekommen ist ein Besuch in der Mikrobrauerei Aegir, die vor allem durch ihre gemütliche Kaminecke am Eingang besticht, ein absolutes Muss.

Übernachtungsmöglichkeiten bieten sich im „Fretheim“, einem ehemaligen Bauernhof, der 1879 zu einem Hotel umgewandelt wurde. „Es gibt sogar einen historischen Teil“, erklärt der Hotel-Manager. Hier sind die Zimmer so umgestaltet worden, dass man sich im 19. Jahrhundert wähnt und jeden Augenblick damit rechnet, dass der Schriftsteller Henrik Ibsen hereinkommt.

Aber wer will schon in einem Hotel nächtigen, wenn er – wie Johannes Apon – in seinem Rucksack stets einen Schlafsack, ausreichend Nahrung und Flüssigkeit dabei hat.

Information

Stavanger und Bergen sind von ­Dänemark aus mit den Fähren von Fjord ­Line erreichbar. Innerhalb von zehn Stunden geht es von Hirtshals (ca. 40 Autominuten von Kopenhagen entfernt) nach Stavanger, nach Bergen dauert es 18 Stunden.     www.fjordline.com Die Flambahn ist eine eingleisige Nebenstrecke der Bergenbahn, die in historischem Zugambiente vom 866 Meter hoch gelegenen Myrdal hinunter durch das Flamstal nach Flam am Aurlandsfjord führt. Die Fahrt von Bergen nach Myrdal dauert circa eine Stunde. www.visitflam.com Wanderungen zum Preikestolen und andere geführte Touren unter https://outdoorlifenorway.com Das Festival Nuart in Stavanger findet in diesem Jahr vom 18. bis 21. April statt. www.nuartfestival.no www.visitnorway.com, www.fjordnorway.com

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