Wipptal in Österreich
Urlaub auf einer Alm: Mähen, melken, Zäune bauen

Wenn Elke Hausberg Urlaub hat, beginnt sie mit der Arbeit. Mähen, melken, Zäune bauen – die Maloche auf der Tiroler Alm ist für die 52-Jährige eine willkommene Auszeit. Raus aus dem Büro, rein in den Ziegenstall: Diese Form des Aktivurlaubs erfreut sich steigender Beliebtheit.

Samstag, 13.04.2019, 11:00 Uhr
Morgenwanderung: Helga Hager mit ihren Ziegen auf dem Berg hinter ihrer Hütte am Ende des Wipptals in Österreich.
Morgenwanderung: Helga Hager mit ihren Ziegen auf dem Berg hinter ihrer Hütte am Ende des Wipptals in Österreich. Foto: Gunnar A. Pier

Wer das Ende der Welt, oder wenigstens eins der vielen Enden unserer Welt, sucht, muss nicht unbedingt nach Feuerland fliegen oder zum Südpol latschen. Ein Gefühl davon gibt es auch hier: kurz vor dem Brenner in ­Tirol links abbiegen, rein ins Wipptal, die Straße am Schmirnbach entlang bis zum Ende fahren, dann ein kurzer Fußmarsch den Berg hinauf. Hier ist Helgas Alm. „Wenn Fernseher und Staubsauger hier ankommen, dann bin ich weg“, sagt jene Helga Hager. Sie will am Ende der Welt bleiben. Auf ihrer Alm.

Dabei verbringt sie nennenswerte Abschnitte ihrer Zeit mitten im Leben. Im Winter arbeitet die Tirolerin als Sommelière in einem teuren Hotel im luxuriösen Kitzbühel. Reichen, schicken Restaurantgästen empfiehlt sie dann edle Tropfen zu jedem Gang. „Ich bin glücklich damit“, sagt sie.

Aber wenn der Schnee schmilzt und in den Bergen das Gras wächst, muss sie weg. Dann steigt sie aus, dann zieht sie auf ihre Alm am Ende des Wipptals. Ab dann dreht sich alles um Ziegenmilch und nur sehr selten um Wein.

Seit 35 Jahren beschäftigt sich die Öster­reicherin mit Ziegen. Mehr als 20 leben auf ihrer Alm. Und sie haben es gut bei Helga. Morgens schnürt sie ihre Schuhe, greift zum langen Wanderstab und stapft mit den Tieren gemeinsam den Berg hinauf. Dort, wo die Kräuter blühen und das nahrhafte Gras gedeiht, lässt sie die Tiere zurück. Erst abends, wenn die Sonne hinter den Wipfeln verschwindet, kommen die Ziegen zurück. Ganz eigenständig. Dann hören Helgas Gäste, beim zünftigen Abendessen auf der Alm etwa, plötzlich die Glöckchen klingeln: Aha, die Ziegen sind zurück.

Urlaub auf der Alm im Tiroler Wipptal

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  • Frühsport am Morgen: Helga Hager bringt ihre Ziegen den Berg hinauf.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Was früher gut funktionierte, kann heute nicht schlecht sein: Alois Gatt zeigt, wie Gras mit der Sense gemäht wird.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Arbeiten und entspannen: Elke Hausberg aus Mainz hat schon häufiger auf „Helgas Alm“ mit angepackt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Wein ist im Sommer Helgas Hobby - im Winter ihr Beruf.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Rund 20 Ziegen hält Helga Hager auf ihrer Alm in Tirol.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ansporn, nach einer längeren Wanderung auch zurückzukehren . . .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Rund 20 Ziegen hält Helga Hager auf ihrer Alm in Tirol.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Stilechte Garderobe im Bergsteigerhotel.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In St. Jodok beginnt für viele der Urlaub im Wipptal.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In St. Jodok beginnt für viele der Urlaub im Wipptal.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In St. Jodok beginnt für viele der Urlaub im Wipptal.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Was früher gut funktionierte, kann heute nicht schlecht sein: Alois Gatt zeigt, wie Gras mit der Sense gemäht wird.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Was früher gut funktionierte, kann heute nicht schlecht sein: Alois Gatt zeigt, wie Gras mit der Sense gemäht wird.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier

Gäste packen mit an

Gäste. Helga hat häufig Gäste. Denn weil die Arbeit für sie ­alleine einfach zu viel ist, nimmt sie Touristen auf. Als Einstieg ist ein Grundkursus obligatorisch. An drei Tagen lernen die Neugierigen, wie man Ziegen bei Laune hält, sie melkt, wie Holzzäune ohne Nägel gebaut werden und das Gras mit einer altmodischen Sense gemäht wird. Zwischen 302 und 422 Euro kostet das je nach Unterkunft – Übernachtungen im Dorf und Vollpension inklusive. Wer den Kursus hinter sich hat, kann wiederkommen und mitarbeiten. Kost und Logis in Helgas Hütte sind dann frei, dafür müssen die Gäste wirklich mit anpacken.

Elke Hausberg aus Mainz arbeitet im normalen Leben als Entwicklungstechnikerin in einem Labor. Auf der Suche nach einer guten Möglichkeit für eine Auszeit landete sie auf Helgas Alm. „Da bin ich so gut runtergekommen, dass klar war: Das muss ich wieder machen!“ Deshalb begibt sie sich immer mal wieder auf den langen Weg ans Ende des Wipptals, um für eine Woche richtig anzupacken und auszuspannen.

Das Wipptal liegt kurz vor dem Brenner.

Das Wipptal liegt kurz vor dem Brenner. Foto: Gunnar A. Pier, Grafik: Jürgen Christ

Mähen mit der Sense

Denn hier geht alles etwas langsamer. Schon das Einholen des Heus: Wo es steil und uneben ist, tun Maschinen sich auch im 21. Jahrhundert noch schwer. Deshalb gehen sie hier noch mit der Sense in die Berge. „Aber es macht auch Spaß“, gesteht Alois Gatt aus dem Dorf, der den Gästen das Sensen beibringt, und erinnert sich daran, wie er einst den Lehrerfrust des Schulalltags an Gras und Kräutern ausgelassen hat. Dann zeigt er den Berg hinauf, wo der Baumwuchs endet und die endlosen Weiden beginnen.

Im Spätsommer mähen sie. Das wertvolle Heu liegt dann dort oben auf großen Haufen, und wenn im Winter Schnee liegt, gehen sie wieder hoch und bringen das Heu auf großen Schlitten hinunter ins Tal. Kraftfutter für Hochleistungskühe? Von sowas hält Alois überhaupt nichts. Alois hat Schwung.

Alois Gatt zeigt, wie Gras gemäht wird - mit der Sense.

Alois Gatt zeigt, wie Gras gemäht wird - mit der Sense. Foto: Gunnar A. Pier

Urlaub im Wipptal

Anreise: Das Wipptal beginnt kurz hinter Innsbruck direkt am Brenner. Mit dem Auto sind es aus dem Münsterland gut 800 Kilometer, ein Zug braucht über München knapp 10 Stunden. Flüge ab Münster/Osnabrück über Frankfurt oder München.

Lernen: Die Angebote auf Helgas Alm laufen unter der Überschrift „Schule der Alm“. Dazu gehören ­verschiedene Schulungs- und Urlaubsangebote.

Auskunft: www.wipptal.at , www.schulederalm.at  

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Schwierig, schwierig

Gar nicht so einfach übrigens, mit der Sense das Gras zu schneiden, ohne am steilen Hang die Balance zu verlieren. Und ohne die Spitze in den Boden zu rammen. Alois lässt sich von untalentierten Städtern nicht aus der Ruhe bringen.

Überhaupt lässt sich im Wipptal niemand aus der Ruhe bringen – das ist das Ziel. Massentourismus wie ein paar Täler weiter gibt es hier nicht, stattdessen genügend Platz für Wanderer, Bergsteiger, Mountainbiker. Sie übernachten in einem Berggasthof, in urigen Hotels – oder eben bei Helga in der 300 Jahre alten Almhütte ohne Fernseher und Staubsauger.

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