Schweiz
Wandern und Wundern

m Wallis ist alles möglich. Man kann den Stausee umrunden, Wasserfälle bestaunen, mit der Bergbahn auf gut 3000 m Höhe fahren oder An- und Abstiege ins Programm nehmen. Zur Belohnung gibt es eine grandiose Aussicht und die Vorfreude auf ein schmackhaftes Essen am Abend.

Samstag, 27.07.2019, 06:00 Uhr
Schon die Fahrt mit der Zahnradbahn ist ein Erlebnis. Und auf dem Gornergrat in 3100 Meter Höhe bietet sich ein fantastischer Blick auf das Matterhorn.Freier Blick aufs Matterhorn: Das wünschen sich alle, die mit der Bahn auf den 3100 Meter hohen Gornergrat fahren, um die Bergwelt des Wallis zu bewundern. Toni Mohr, Swiss Images
Schon die Fahrt mit der Zahnradbahn ist ein Erlebnis. Und auf dem Gornergrat in 3100 Meter Höhe bietet sich ein fantastischer Blick auf das Matterhorn.Freier Blick aufs Matterhorn: Das wünschen sich alle, die mit der Bahn auf den 3100 Meter hohen Gornergrat fahren, um die Bergwelt des Wallis zu bewundern. Toni Mohr, Swiss Images Foto: Toni Mohr, Swiss Images

Die kleine Japanerin hat es drauf. Linke Hand hoch, laut und vernehmlich „3, 2, 1, cheese“ und mit rechts ausgelöst. Das Ganze viermal, ein prüfender Blick auf das Ergebnis und fertig. „Typisch Touri“, bemerkt ein junger Mann und hat recht. Aber ein Fototermin unterhalb des Matterhorns (4478 Meter hoch) ist etwas Einmaliges, da kann man schon mal den Touristen geben.

Die Besucher auf dem Gornergrat, knapp 3100 Meter über dem Meeresspiegel, sind begeistert. Von großartig bis grandios schwankt das Gefühl – bei diesem Panorama bleibt einem nur Begeisterung. Und immer wieder geht der Blick zum Matterhorn, diesem Monument mit Mütze. Denn oben am Gipfel hat sich eine Wolke festgebissen und lässt nicht locker.

„Das wird heute nichts mit einer freien Sicht aufs Horn“, kommt es lapidar vom Kellner des Kulmhotels, der die Terrasse zu bedienen hat. Der Portugiese hat gut reden, seit 28 Jahren kann er diese einmalige Aussicht genießen. Falls ihn die Gäste lassen. „Ich bin schon Speedy Gonzalez, aber nicht schneller“, lacht er, als er hier kassiert, dort eine Bestellung aufnehmen soll und schon wieder in der Küche verlangt wird.

Fahrt mit der Zahnradbahn

Ja, es ist voll auf dem Grat. Offensichtlich schrecken die 114 Franken für Berg- und Talfahrt längst nicht jeden ab. Natürlich ist das viel Geld, keine Frage. Aber man bekommt auch eine Menge geboten. Allein die Fahrt ab Zermatt mit der Zahnradbahn ist ein Erlebnis, und spätestens oben ist alles ein Fest.

Es ist der letzte Tag einer Wanderwoche im Saaser Tal im Wallis. Dem südlichen Schweizer Kanton, der 41 der 48 Viertausender des Landes beheimatet. Hier gehört das Panorama zum Programm, Wandern und Wundern sind eins. Mal geht es mit der Bahn hoch und dann 900 Meter nur abwärts. Das geht auf die Knie, und auch die Schienbeine melden sich. Am anderen Tag das Kontrastprogramm, 500 Meter nur aufwärts. „Warum tue ich mir das an?“, fragen sich die meisten. „Ist gut für den Kreislauf“, sagt Thomas, pfeift aber selbst auf dem letzten Loch. Bei den Wanderern ist es mit der Puste längst Pustekuchen und der Schweiß rinnt in Strömen. Aber alle halten durch.

Dass Reiseleiterin Sabine Peter darüber nur lachen kann, liegt auf der Hand. Diese quirlige Frau ist nun mal so gut zu Fuß, dass sie zwischendurch sogar den Berg hochjoggt, „weil sonst meine Muskeln einschlafen“. Unfassbar. Da wird der zweite „Halbe“ vom Vorabend schnell zur Belastung und jeder freut sich auf den Moment, wenn der Weg etwas ebener wird. Und vor allem auf den Abend, um den Flüssigkeitsverlust wieder auszugleichen. Und dazu gibt’s das Vier-Gänge-Menü mit Nachschlag. Zum Nachtisch kommt stets der Chef, Rolf Zurbriggen, an den Tisch und gibt einen aus.

Gut 300 000 Menschen leben im Wallis. Manche behaupten, sie seien kauzig, verschroben, verschlossen oder schwierig. Ich kann das nicht bestätigen. Ob Busfahrer oder Gondelführer, Koch oder Kellnerin, Hotelier oder Tourismus-Chef – alles liebenswerte Menschen.

Ungewöhnliche Tierwelt

Dass die Tierwelt etwas anders ist, macht den Besuch noch attraktiver. Die Eringerkühe nehmen sich gegenseitig auf die Hörner, um die Rangfolge in der Herde zu ermitteln. Die Schwarznasenschafe sind vorne schwarz und hinten weiß, die Schwarzhalsziegen ebenfalls gemustert, und die Murmeltiere grüßen täglich am Spielboden oberhalb von Saas-Fee.

Es spricht nichts, absolut nichts gegen einen Urlaub im wunderbaren, wanderbaren Wallis. Und rückblickend auf die Tage erscheint schon wieder das Lächeln im Gesicht. Auch ohne „3, 2, 1, cheese“.

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