Sauer, gesund, lecker
Zur Cranberry-Ernte nach Wisconsin

Wisconsin ist der größte Produzent von Cranberrys in den USA. Wer zur Erntezeit im September und Oktober in den Mittleren Westen kommt, erlebt zugleich einen farbenfrohen Indian Summer.

Dienstag, 29.09.2020, 04:18 Uhr aktualisiert: 29.09.2020, 04:22 Uhr
Cranberry-Ernte in Wisconsin: Weil die Beeren innen hohl sind, schwimmen sie auf dem Wasser - daher werden zunächst die Felder geflutet.
Cranberry-Ernte in Wisconsin: Weil die Beeren innen hohl sind, schwimmen sie auf dem Wasser - daher werden zunächst die Felder geflutet. Foto: Verena Wolff

Warrens (dpa/tmn) - Wegen der Corona-Pandemie ist Deutschen die Einreise in die USA derzeit verboten. Doch sollten Urlaubsreisen dorthin wieder möglich sein, gibt es nach wie vor viel zu entdecken - zum Beispiel die Cranberry-Anbauregion in Wisconsin.

Der Indian Summer im US-Bundesstaat Wisconsin ist spektakulär. Doch nicht nur die Wälder färben sich in sattem Rot, Orange und Gelb, sondern auch die Früchte der unspektakulären Büsche, die etwa auf Knöchelhöhe wachsen: die Cranberrys.

Der Staat an den Großen Seen ist in den USA der größte Produzent der gesunden Beere, um deren Nutzen schon die Ureinwohner wussten - und die inzwischen weltweit bekannt und beliebt ist. Ihren Namen bekam sie von einem der zahlreichen tierischen Besucher in den Marschen, in denen sie wuchsen: Weil der Busch eine lange Blüte hat, die aussieht wie der Hals eines Kranichs, nannten Einwanderer die Frucht «crane berry». Im Laufe der Zeit wurde daraus die Cranberry.

Mit dem Traktor über geflutete Felder

Für die tonnenweise Produktion wächst sie inzwischen nicht mehr wild, sondern wird von rund 250 Farmern auf akkurat rechteckigen Feldern kultiviert. Bevor der Herbst richtig einzieht, müssen die Beeren geerntet sein. «Wenn sich das Laub färbt, dann sind auch die Beeren reif», sagt Phil Brown , dem die Glacial Lake Farm bei Wisconsin Rapids gehört. Dann ist viel los auf den Feldern.

Etwa ein Gramm wiegt so eine Beere, die von innen hohl ist. Mühsam ist sie zu ernten, wenn sie als Frucht verkauft werden soll. Dann fahren die Farmer mit schwerem Gerät über die gefluteten Felder und müssen vorsichtig sein, damit die Beere nicht zu Schaden kommt. Doch die allermeisten Cranberrys werden verarbietet.

Zur Erntezeit fahren Phil und seine Crew mit den Traktoren durch die Felder, die zuvor etwa knietief unter Wasser gesetzt wurden. Die langen Gabeln trennen die Beeren vom Busch. Weil die Beeren hohl sind, schwimmen sie sofort auf der Wasseroberfläche. Dann fahren zwei weitere Traktoren rechts und links des gewässerten Feldes mit einer Art breitem Seil an der Böschung entlang und sammeln die Ernte ein.

Cranberrys sind sauer und gesund

«Unsere Beeren werden alle weiterverarbeitet», sagt Phil. «Darum können wir sie mit schwerem Gerät ernten.» Und wann genau ist die Beere reif? «Wir messen keinen Zuckergehalt oder Ähnliches, wie die Winzer es bei Trauben machen. Wir wissen einfach, wann der richtige Zeitpunkt zur Ernte ist.» Cranberrys sind ohnehin sauer. Und fest.

Die Beeren sind gesund, weil sie voller Antioxidantien sind. Diese sollen Alterungsprozesse im Körper verlangsamen und Harnwege sowie Herz-Kreislauf-System fit halten. «Die Cranberry ist zudem die einzige Frucht, die nicht schimmelt», sagt Mary Brown, Phils Frau. Auch der Cranberry Juice, der Saft, erfreut sich großer Beliebtheit

Zum Cranberry Festival aufs Land

Weil die Cranberry in den USA so beliebt ist und man dort nicht ohne Superlative auskommt, ist die Beere nicht nur die offizielle Frucht des Staates Wisconsin - das Cranberry Festival in Warrens ist auch das größte der Welt. Sagen die Veranstalter.

1973 kamen sie zum ersten Mal zusammen in dem kleinen, verschlafenen Dorf auf dem Land. Einst war das Cranberry Festival ein kleines Fest am letzten September-Wochenende, an dem die Landwirte zusammenkamen um die erfolgreiche Ernte zu feiern. Inzwischen sieht das Dorf, in dem rund ums Jahr nur knapp 600 Menschen leben, bis zu 140.000 Besucher an den drei Festival-Tagen - wenn nicht gerade Corona herrscht.

Wisconsin im Herbst erleben

Nicht nur zum Festival lohnt sich ein Besuch im Herzen Wisconsins, sondern generell im September und Oktober. Der «Cranberry Highway» dreht eine Schleife von rund 50 Meilen von Wisconsin Rapids nach Westen, bis nach Babcock und dann über Pittsville und Nekoosa wieder zurück. Zu sehen sind meilenweite Felder und bunte Wälder. Regelmäßig bieten die Farmer auf Touren über die Felder an, bei denen sie Spannendes über die Superfrucht und deren Anbau erzählen.

Die Farmhäuser mit ihren Shops laden zum Einkehren ein, denn dort gibt es vielfach selbst hergestellte Produkte aus den Beeren - von Keksen und Kuchen über Soßen und Chutneys bis hin zu Wein.

Wer früher in der Erntesaison dran ist, fährt statt nach Westen Richtung Norden, zur kanadischen Grenze. Denn auch dort werden die Beeren kultiviert. Am Lake Nokomis etwa sind sie meist früher reif zur Ernte, denn hier ziehen auch Frost und Winter früher ein. Dann müssen die Felder abgeerntet und geflutet sein.

Hinweis zur Corona-Lage (Stand 24. September): Die USA sind von Corona besonders stark betroffen, die Pandemie grassiert in dem Land weiter. Die Einreise ist deutschen Reisenden derzeit nicht erlaubt, zudem gilt weiterhin die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes für die USA.

© dpa-infocom, dpa:200928-99-742925/4

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Reiseziel: Wisconsin liegt im mittleren Westen der USA und grenzt an zwei der Großen Seen, den Oberen See und den Michigansee. Cranberrys wachsen vor allem im Norden und in der Mitte des Bundesstaates, in dem zahlreiche deutsche Einwanderer leben.

Reisezeit: Im Winter kann es in Wisconsin bitterkalt werden, die Sommer sind recht warm. Cranberrys werden von Ende September an bis in den Oktober hinein geerntet, bevor der erste Frost kommt. In den Nächten können die Temperaturen dann schon Richtung Gefrierpunkt sinken, an den Tagen ist es meist noch angenehm.

Anreise: Von Chicago aus fährt man rund vier Stunden mit dem Auto nach Wisconsin Rapids. Zwar gibt es Anschlussflüge vom Flughafen O'Hare nach Wisconsin, doch unkomplizierter ist die Tour mit dem Auto. Der Flughafen in Chicago wird von Deutschland aus täglich von verschiedenen Fluggesellschaften angeflogen.

Übernachtung: Hotels gibt es in den größeren Städten, im ländlichen Raum finden sich eher kleine Gasthäuser und Bed-and-Breakfasts.

Informationen: www.travelwisconsin.com

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