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Pflegesituation in NRW: Zu wenige Kräfte, steigender Bedarf

Sowohl in der Altenpflege als auch in weiteren ambulanten und stationären Bereichen leisten Pflegekräfte Großes. Dennoch fühlen sich viele, die in der Branche arbeiten, häufig nicht ausreichend wertgeschätzt. Hinzu kommt, dass die tatkräftige Unterstützung und Versorgung von Menschen auch in NRW zunehmend zu einer Mammutaufgabe wird. Den wachsenden Zahlen Pflegebedürftiger werden die Pflegenden dabei kaum mehr gerecht.

Montag, 06.01.2020, 10:40 Uhr
Specials: Pflegesituation in NRW: Zu wenige Kräfte, steigender Bedarf
Foto: Colourbox.de

Mehr Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen

Ein Blick auf die Statistik, die Information und Technik Nordrhein-Westfalen veröffentlichte, zeigt: die Anzahl pflegebedürftiger Menschen im bevölkerungsreichsten Bundesland steigt. Ende 2017 belief sie sich auf 769.132 Personen, die auf Unterstützung angewiesen waren. In 2015 waren es zur gleichen Zeit mit 638.100 mehr als 130.000 Pflegebedürftige weniger. Dies entspricht einer Steigerung um 20,5 Prozent im Laufe von nur zwei Jahren.

Diese Entwicklung wurde durch das Begutachtungsverfahren, das seit Januar 2017 gilt, weiter vorangetrieben. Für die Pflegeversicherung ist das nicht unbedeutend, denn zwischen 2015 und 2017 stieg auch die Anzahl der Menschen mit Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung: in 2015 waren es 3,6 Prozent, in 2017 bereits 4,3 Prozent.

Vollstationär in Heimen untergebracht waren in 2017 über 169.600 Pflegebedürftige. Die Qualität der Betreuung hängt hier stark von der Auslastung des Personals und den Personalschlüsseln ab. Je mehr Zeit sich Pflegende für Bewohner nehmen können, desto leichter ist auch eine umfassende Betreuung möglich.

Zuhause versorgt wurden 2017 insgesamt 599.371 Menschen. Um sie kümmerten sich Familien entweder in Eigenregie oder mit Hilfe ambulanter Dienste. In diesem Zusammenhang kommen oftmals auch Kräfte aus dem Ausland zum Einsatz, da diese über Agenturen legal mit der Pflege Angehöriger betraut werden können und oftmals weniger Kosten verursachen.

Insbesondere die finanzielle Situation stellt für viele Familien und Angehörige eine Herausforderung dar. Laut einer Studie des Sozialverbands Deutschland kann heimische Pflege zu verringertem Einkommen und finanziellen Einbußen führen ( zur Zusammenfassung von WN ).

Pflegekräfte dringend benötigt

Einen Anstieg der Pflegebedürftigen um mehr als 20 Prozent kann nur eine entsprechende Erhöhung des Personals in der Pflege auffangen. Die praktische Umsetzung gestaltet sich allerdings schwierig. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat erst kürzlich darauf aufmerksam gemacht, dass im Bundesland ganze 10.000 Vollzeitkräfte mit pflegerischer Berufsausbildung fehlen.

Diese Zahl erscheint hoch, wirkt jedoch umso drastischer, wenn ein Vergleich zu 2015 gezogen wird: damals wurde nämlich noch ein Defizit von lediglich 2.300 Vollzeitkräften ermittelt. Die Unterversorgung hat sich binnen zweier Jahre folglich dramatisch verschlimmert. Vor allem in der Gesundheits- sowie Krankenpflege und in der Altenpflege mangelt es überall an Personal.

Maßnahmen gegen den Notstand

Nordrhein-Westfalen fehlen zahllose Pflegekräfte: ein Zustand, der sich nicht binnen kürzester Zeit ändern lassen wird. Wie Experten zu bedenken geben, spielen vor allem die Ausbildungszahlen eine besondere Rolle. Je mehr junge Menschen sich zu Altenpflegern oder auch Gesundheits- und Krankenpflegern ausbilden lassen, desto mehr Nachwuchs steht dem Sektor zur Verfügung.

Für Auszubildende dürfte die Aussicht auf einen sicheren Job vorteilhaft sein. Gerade in der Pflege ist kaum ein gegenläufiger Trend erkennbar, zumal die Generation der Babyboomer in den kommenden Jahren zunehmend in ein Alter kommen wird, in dem Pflegebedarf entsteht.

Experten beraten sich zudem darüber, ob eine Erhöhung der Gehälter die Pflegeberufe attraktiver gestalten könnte. Nach der Ausbildung erhalten Krankenschwestern laut praktischarzt.de 2.800 bis 2.900 € als Einstiegsgehalt, sofern die Bezahlung auf dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst beruht. Steigerungen der monatlichen Gehälter könnten durchaus dafür sorgen, dass sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung in der Pflege entscheiden.

Immer wieder zur Diskussion steht auch die Attraktivität der Pflegeberufe bei den unterschiedlichen Geschlechtern. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen deutlich, dass erheblich mehr Frauen als Männer Berufe im sozialen und pflegerischen Umfeld ergreifen. Durch Kampagnen, die die Pflege für männliche Bewerber interessanter machen, könnte sich die Anzahl Auszubildender ebenfalls steigern lassen.

Einem Mangel an Pflegekräften im stationären Bereich vorbeugen soll abgesehen von ausbilderischen Maßnahmen auch eine Mindestvorgabe, die das Bundesgesundheitsministerium in 2018 ausgestaltet hat. Diese Vorgabe schreibt optimierte Verhältnisse zwischen Pflegenden und Pflegebedürftigen in sogenannten „pflegesensitiven“ Bereichen vor. In Nordrhein-Westfalen sind hiervon 1.249 Stationen betroffen. Für die Einhaltung der Untergrenzen ist ausreichend verfügbares Personal aber zweifellos unabdingbar.

Dass etwas getan werden muss, ist dabei übrigens nicht neu. Schon in 2011 hatte die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) in ihrer Studie (Titel: „Fachkräftemangel in Gesundheitswesen & Pflegewirtschaft bis 2030“) darauf aufmerksam gemacht, dass der Mangel Nordrhein-Westfalen aufgrund seiner hohen Einwohnerzahlen noch stärker treffen könnte. Die Experten gaben die Wichtigkeit bereits ausgebildeter Pflegekräfte zu bedenken. Sie sollten ihrer Auffassung nach sowohl im Beruf gehalten als auch in die Berufstätigkeit zurückgeholt werden.

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