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Positive Signale aus Hongkong: Proteste nehmen ab

Die Besetzung der Universität in Hongkong konnte unblutig beendet werden und die Zahl der Proteste insgesamt hat abgenommen. Zwar kommen immer noch Tausende den Aufrufen an besonderen Tagen nach und versammeln sich auf den Straßen der Innenstadt. Doch es könnte durchaus bald eine Lösung geben, wenn alle Beteiligten zu Verhandlungen bereit wären.

Mittwoch, 19.02.2020, 13:53 Uhr aktualisiert: 19.02.2020, 14:01 Uhr
Specials: Positive Signale aus Hongkong: Proteste nehmen ab
Foto: Colourbox.de

Die chinesische Regierung hatte nach Protesten Anfang des Jahres bereits reagiert und seinen Chef des Verbindungs-Büros in Hongkong, Wang Zhimin , zurückgerufen und durch Luo Huining ersetzt. Dieser war eigentlich schon auf dem Weg in die Rente von seinem Posten als Provinzgouverneur. Die Berufung des erfahrenen Luo mach deutlich, wie wichtig China eine baldige Lösung des Konflikts ist.

Asiens Wirtschaft im Aufwärtstrend

Die kurz bevorstehende Vereinbarung eines neuen Handelsabkommens zwischen China und den USA hat die Aktien Asiens auf den höchsten Stand seit 19 Monaten steigen lassen. Nachdem China im vergangenen Jahr das langsamste Wachstum der letzten 30 Jahre verzeichnete, sehen die Anleger in den aktuellen Wachstums- und Handelsdaten die Anzeichen für eine positiven Aufwärtstrend.

Asien galt lange Zeit als die Lokomotive der Weltwirtschaft, mit China als führende Kraft was das Wachstum angeht. Aber auch asiatische Schwellenländer hatten in den vergangenen Jahren große Wachstumsraten zu verzeichnen. Diese kamen bereits durch den chinesisch-amerikanischen Handelskonflikt unter Druck und Investoren zeigten sich zurückhaltend.

Für Hongkong, das auch eine wichtige Funktion als Handels-Tor nach China hat, kommen deshalb die Proteste zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Hongkong ist erstmals in seiner Geschichte in eine Rezession gerutscht, die jetzt schon mehrere Monate anhält. Erstmals seit 15 Jahren musste man ein Haushaltsdefizit ausweisen. Nachdem China den Handelskonflikt mit den USA gelöst hat, ruhen die Hoffnungen der Markteilnehmer jetzt auf einer friedlichen Lösung der Hongkong-Krise. Auf die Stärke als globales Finanzzentrum hatten die Proteste bisher keinen Einfluss, wie Regierungschefin Carrie Lam auf einem Finanzforum bestätigte.

Zuversicht für den Finanzplatz

Der Finanzsektor Hongkongs ist nach Singapur der größte in der Region und hat eine wichtige Signalwirkung. Eine nachlassende Wirtschaft in Singapur hat Hongkong nicht gerade geholfen und die Proteste verunsichern viele Investoren. Aber bislang konnten Wirtschaft und Verwaltung Krisen immer abwenden, auch dank der starken Reserven in ausländischer Währung. Der Strom an Investitionen vor allem aus dem Euro- und Dollarraum wird aufgrund des Vertrauens der Marktteilnehmer in die wirtschaftliche Vernunft Chinas nicht abreißen. Viele Investoren nutzen die günstigen Kurse bereits für antizyklische Investments. Da China besonders auch für deutsche Unternehmen ein wichtiger Wachstumsmarkt ist, wird die chinesische Regierung eine baldige Deeskalation in Hongkong anstreben, um die guten Handelsbeziehungen nicht zu gefährden. Das gemeinsame Interesse der Bevölkerung Hongkongs und Chinas an Wohlstand und Stabilität hat Präsident Xi Jinping in seiner Neujahrsansprache ausdrücklich betont.

Verhandlungen sind der einzige Ausweg

Einen Verhandlungspartner zu finden ist schwierig, denn es fehlt an einer klaren Führung der Opposition. Zudem ist diese gespalten zwischen den friedlichen Demonstranten und der radikalen gewalttätigen Fraktion . Denn es ist vor allem die Minderheit der maskierten, in schwarz gekleideten radikalen Protestler, die sich Gefechte mit einer militärisch ausgerüsteten Polizei liefern. Selbst wenn sich Familien friedlich im Park versammeln, bleiben den Zuschauern die Molotowcocktails und Polizei mit Schlagstöcken und Gummigeschossen in Erinnerung. Oftmals werden auch unbeteiligte Zuschauer Opfer von Gewalt auf beiden Seiten, und auch lokale Geschäfte wurden erheblich beschädigt.

Selbst wenn es noch keine Personen in der Opposition gibt, die bereit sind, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, ist die Lage nicht hoffnungslos. Investoren kommen so schnell zurück wie sie geflüchtet sind, wenn sie gute Geschäfte wittern. Nach wie vor hat Hongkong die Ressourcen, einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt zu sein.

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