Technik
Lektorate und Textkorrekturen als Folge verbesserter Neural Machine Translations

Maschinelle Übersetzungen sind heute weit verbreitet. Den Google-Übersetzer hat wohl jeder schon einmal genutzt. Ein einzelnes Wort und einfache Sätze kann die Software mittlerweile in vielen Fällen sehr gut übersetzen, doch komplexe Sätze stellen die Software noch immer vor eine sehr große Herausforderung, denn jede Sprache hat ihre Eigenarten, die eine Maschine oft nicht vollständig übertragen kann. Bei längeren Texten kommen hier oft sogar recht skurrile Ergebnisse heraus. Auch professionelle Übersetzer beschäftigen sich immer mehr mit maschinellen Übersetzungen. Diese können heute in vielen Bereichen effizient eingesetzt werden, stellen allerdings besondere Herausforderungen an die Vor- und Nachbearbeitung des Dokuments.

Mittwoch, 14.11.2018, 10:03 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 14.11.2018, 09:54 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 14.11.2018, 10:03 Uhr
Technik: Lektorate und Textkorrekturen als Folge verbesserter Neural Machine Translations
Die Arbeit eines Übersetzers bleibt trotz fortschreitender Technik gefragt. Foto: Colourbox.de

Vor einiger Zeit noch große Unzufriedenheit bei maschinellen Übersetzungen

Noch vor zehn Jahren waren viele Menschen mit dem Ergebnis maschineller Übersetzungen sehr unzufrieden. Seit rund zwei Jahren verbessern sich jedoch die Ergebnisse, da viele Übersetzungsprogramme mit künstlichen neuronalen Netzen, also künstlicher Intelligenz, arbeiten. Auch bekannte Programme wie der Google Übersetzer erzielen so bessere Ergebnisse. Zudem steigt vielerorts der Bedarf an maschinellen Übersetzungen, unter anderem, da viele Dokumente heute digital verfügbar sind und so direkt über PCs übersetzt und bearbeitet werden können. Darüber hinaus müssen immer mehr Texte in eine andere Sprache übertragen werden.

Einsatzmöglichkeiten für maschinelle Übersetzungen

Ein Übersetzungsprogramm kann dann sehr gut eingesetzt werden, wenn der Ausgangstext grammatisch korrekt ist. Auch der Stil des Ausgangstextes kann einen Einfluss haben, denn beispielsweise bei umgangssprachlichen Ausdrücken, Rechtschreibfehlern oder besonders langen Texten kann die Software an ihre Grenzen kommen.

Noch kommen maschinell übersetzte Texte nicht ohne eine gute Überarbeitung aus, zumindest, wenn man eine hochwertige Qualität sicherstellen will. Interessant sind maschinelle Übersetzungen vor allem für Texte mit wenig Kontext, semantischen und grammatischen Feinheiten oder kulturabhängigen Aspekten. Auch Fachbegriffe können die Software an ihre Grenzen bringen. Sehr sachliche Texte mit einfachem Vokabular und Grammatik können allerdings schon heute sehr gut von Maschinen übersetzt werden.

Verbesserte Technologie

Heute werden bei einer Übersetzungssoftware Worte nicht mehr nur nacheinander eins zu eins in die Zielsprache übertragen; einige Programme sind bereits in der Lage, die grammatischen Regeln der Zielsprache zu erkennen. Dabei arbeiten einige Programme auch mit einem Speicher an immer wieder auftauchenden Sätzen und Redewendungen. Diese erstellen die Übersetzung dann aus Kombinationen, die den gespeicherten Bausteinen am ähnlichsten sind.

Bei der Neural Machine Translation, der neuronalen maschinellen Übersetzung, werden zweisprachigen Texte analysiert und von einem künstlichen neuronalen Netz angelernt. So können die Zusammenhänge zwischen der Ausgangs- und der Zielsprache erfasst werden. Dieses Verfahren ist heute in der Lage, sehr gute Übersetzungen herzustellen.

Menschlicher Übersetzer nur schwer zu ersetzen

Die maschinelle Übersetzung wurde in den letzten Jahren zwar deutlich verbessert, kann jedoch weiterhin einen menschlichen Übersetzer nicht ersetzen. Aufgrund besonderer Variationen in fast allen Sprachen können maschinelle Übersetzungen weiterhin nicht in jedem Fall eine vollständig korrekte Übersetzung liefern. Vielleicht wird dies nie der Fall sein. Beispielsweise können kulturelle Eigenheiten oder semantische Nuancen von Maschinen nur schwer erfasst werden. Maschinelle Übersetzungen benötigen daher in der Regel viel Nachbearbeitung und stellen daher besondere Herausforderungen an eine professionelle Textkorrekturen und Lektorate.

Spezielle Überarbeitung von maschinellen Übersetzungen

Einige Linguisten haben sich darauf spezialisiert, die Nachbearbeitung von maschinellen Übersetzungen durchzuführen. Sie nutzen ihre Erfahrungen mit maschinellen Übersetzungen und korrigieren oftmals nicht nur Übersetzungen, die mit einer Software entstanden sind, sondern helfen auch dabei, die Software zu verbessern. Wer bei der Nachbearbeitung von Übersetzungen auf die richtigen Werkzeuge zurückgreift, kann die Qualität einer Übersetzung verbessern und auch die Effizienz und die Korrektheit maschineller Übersetzungen voranbringen.

Unterschiede bei der Nachbearbeitung maschineller Übersetzungen

Maschinelle Übersetzungen sind ebenso wie das maschinelle Überarbeiten sehr individuell und unterscheiden sich von Übersetzungen, die von Menschen ausgeführt wurden deutlich. Menschliche Übersetzer lesen in der Regel den Ausgangstext sehr sorgfältig und machen sich dann Gedanken über die Übersetzung, die sie heute in der Regel in ein Schreibprogramm oder eine andere Software eingeben. Je nach Text und den Aufgaben des Übersetzers überarbeitet dieser den Text direkt, nach weiterer Recherche oder erst nach Abschluss des gesamten Projekts. Der Übersetzungs- und Nachbearbeitungsprozess kann damit je nach Text und Projekt variieren. 

Nachbearbeitung eines maschinell übersetzten Textes

Bei der Überarbeitung eines maschinell übersetzen Textes ist der Arbeitsprozess etwas anders. Der Übersetzer liest zunächst einen Satz oder einen Abschnitt des übersetzten Textes. Dann vergleicht er diesen mit dem Ausgangstext. Dabei nimmt der Lektor eine Art Qualitätsbewertung für jeden Abschnitt vor, für die es in der Regel Vorgaben gibt. Er muss zudem meist schnell entscheiden, ob die Übersetzung korrekt ist oder nicht. Danach muss er entscheiden, ob er den Text lediglich an einigen Stellen verbessert oder vollständig neu übersetzt.

Beim Überarbeiten von maschinell erstellten Übersetzungen werden andere Fähigkeiten benötigt sowie ein anderer Ansatz angewandt als bei Übersetzungen, die von Menschen erstellt wurden. Fehler in menschlichen Übersetzungen unterscheiden übrigens sich deutlich zu Fehlern in maschinellen Übersetzungen. So können maschinelle Übersetzungen beispielsweise genauer sein, wenn es um die Übersetzung von Zahlen geht. Dennoch finden sich in maschinellen Übersetzungen weiterhin Formulierungen, die eher unnatürlich klingen. Hier ist es dann die Entscheidung des Lektors, ob er diese verändert oder neu übersetzt.

Nachbearbeitung vs. Vorbereitung

Die Nachbearbeitung (Post-Editing) einer maschinellen Übersetzung sollte nie mit der Vorbereitung (auch Pre-editing genannt) einer Übersetzung verwechselt werden. Bei der Vorbereitung einer Übersetzung geht es beispielsweise darum, Fehler im Ausgangstext ausfindig zu machen, den Text zu strukturieren und zu formatieren oder festzulegen, ob ein Text auf eine bestimmte Art und Weise übersetzt werden soll.

Sind dieser Vorarbeiten erfolgt, kann der Text mit einer passenden Software übersetzt werden. Eine solche Vorbereitung kann vor allem bei maschinellen Übersetzungen das Ergebnis deutlich verbessern und ist damit ein wichtiger Arbeitsschritt bei maschinellen Übersetzungen. Außerdem kann dies dem für die Nachbearbeitung zuständigen Übersetzer oder Lektor die Arbeit erleichtern. Da die Qualität der Software für maschinelle Übersetzungen immer besser wird, kann man die Fähigkeiten von Mensch und Maschine kombinieren, um bessere Übersetzungen zu erstellen und die Software kontinuierlich zu verbessern.

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