Premiere für „Flugtaxi“
So soll der Nahverkehr künftig in die Luft gehen

Ingolstadt/Münster -

Premiere für das Spottobjekt: Vor einem Jahr erntete Digital-Staatsministerin Dorothee Bär mit der Erwähnung von Flugtaxis etliche Lacher. Am Montag war sie bei der Premiere des „CityAirbus“ dabei. Mit den Mini-Maschinen will der Flugzeugbauer den Nahverkehr der Zukunft in die Luft bringen.

Montag, 11.03.2019, 15:38 Uhr aktualisiert: 11.03.2019, 15:47 Uhr
Premiere für „Flugtaxi“: So soll der Nahverkehr künftig in die Luft gehen
Der viersitzige "CityAirbus" soll noch dieses Jahr erste Testflüge absolvieren. Foto: dpa

Als Hollywood Anfang der 1980er Jahre mit dem Film „Blade Runner“ einen Blick ins damals noch ferne Jahr 2019 warf, durften fliegende Autos natürlich nicht fehlen. Zwar gehören diese auch heute nicht zum Alltag, doch in der Region Ingolstadt wird die Vision aus dem Science-Fiction-Klassiker in den kommenden Monaten wenigstens ein bisschen zur Realität. Denn Airbus will dort demnächst Lufttaxis testen.

Der europäische Flugzeugbauer, der erst vor wenigen Wochen das Ende des größten Passagierjets der Welt, des A380, verkündet hat, sieht wie Erzkonkurrent Boeing in den kleinen Fluggeräten einen Zukunftsmarkt. Insbesondere in Millionenstädten sollen in einigen Jahren Lufttaxis eine Alternative zu fahrenden Taxis, Bussen und U-Bahnen sein. „Sowohl der Bau als auch das Betreiben ist interessant“, sagt Airbus-Sprecher Gregor von Kursell.

Premiere für „CityAirbus“ in Ingolstadt

Vor mehreren Hundert Interessierten stellte der Konzern am Montag auf dem Ingolstädter Rathausplatz den CityAirbus erstmals im Original vor. Die oberbayerische Stadt ist eine der Modellregionen der EU-Initiative „Urban Air Mobility“, mit der der Einsatz von Passagierdrohnen im städtischen Umfeld vorbereitet werden soll.

EU-Initiative „Urban Air Mobility“

Auch im Münsterland wird am Luftverkehr der Zukunft gearbeitet. In einem gemeinsamen Projekt mit Enschede und der Euregio soll herausgefunden werden, ob  Drohnen und ähnliche Flugobjekte in Zukunft die Effektivität der Hilfs- und Rettungsdienste in der deutsch-niederländischen Grenzregion verbessern können . Die Euregio ist das erste Testfeld innerhalb der „Urban Air Mobility“-Initiative der EU-Kommission, in der eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit realisiert wird.

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Zunächst wird der viersitzige, elektrisch betriebene Mini-Airbus mit vier Doppel-Rotoren aber nur auf einem Testgelände im benachbarten Manching abheben, wo Mitte des Jahres die Praxistests beginnen sollen. Flüge über bebautem Gebiet seien vorläufig noch nicht möglich, weil es noch keine Zulassung dafür gebe, erklärt Kursell.

Wissenswertes zum „CityAirbus“

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  • Der „CityAirbus“ soll in einigen Jahren die fliegende Alternative zu Bussen und U-Bahnen sein. Voraussichtlich wird es nicht als „Flugtaxi“ unterwegs sein mit frei wählbaren Routen, sondern nur auf festen Routen von einem definierten Punkt zum anderen fliegen. 

    Foto: Airbus/dpa
  • Vor mehreren Hundert Interessierten stellte der Konzern am Montag auf dem Ingolstädter Rathausplatz den „CityAirbus“ erstmals im Original vor. 

    Foto: Armin Weigel (dpa)
  • „Schaut ziemlich cool aus, jetzt muss er nur noch fliegen“, sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) über das von Airbus als „Demonstrator“ bezeichnete Fluggerät. 

    Foto: Armin Weigel (dpa)
  • Scheuer betonte, bei der neuen Technologie solle nicht nur über Verbote, sondern insbesondere über die Chancen diskutiert werden.

    Foto: Armin Weigel (dpa)
  • Zunächst wird der viersitzige, elektrisch betriebene Mini-Airbus mit vier Doppel-Rotoren aber nur auf einem Testgelände in Manching bei Ingolstadt abheben, wo Mitte des Jahres die Praxistests beginnen sollen.

    Foto: Armin Weigel (dpa)
  • Flüge über bebautem Gebiet seien vorläufig noch nicht möglich, weil es noch keine Zulassung dafür gebe, erklärte Airbus-Sprecher Gregor von Kursell.

    Foto: Armin Weigel (dpa)
  • Bei der Vorstellung des „CityAirbus“ war auch Dorothee Bär (CSU, im Bild rechts), Staatsministerin für Digitalisierung dabei. Vor einem Jahr war sie zum Ziel für Spott geworden, nachdem sie in einem Interview auf die Frage nach dem hapernden Breitbandausbau in Deutschland antwortete: „Das Thema muss doch sein, kann ich auf dieser Infrastruktur, die wir haben, dann auch mal autonom fahren. Habe ich die Möglichkeit, auch zum Beispiel mit einem Flugtaxi durch die Gegend zu können.“

    Foto: Armin Weigel (dpa)

Aus dem Labor in die Luft

Das neue Lufttaxi wurde in den vergangenen beiden Jahren im Airbus-Helikopterwerk im schwäbischen Donauwörth gebaut. Boeing hatte bereits im Januar in den USA einen ersten Testflug mit dem Prototypen eines autonomen Elektro-Lufttaxis unternommen. Der Luftfahrtriese räumte jedoch ein, dass die größte Herausforderung mit der Übergangsphase zur Anwendung verschiedener Flugarten noch bevorstehe.

Doch nicht nur die Luftfahrtindustrie sieht in den Flugtaxis Chancen für die Zukunft, auch die Autobranche mischt mit. „Das ist auf jeden Fall ein Thema, das man sich vorstellen kann“, sagt Sandra Courant, Pressesprecherin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

Daimler hat sich beispielsweise an dem Start-up Volocopter beteiligt, das sich ebenso wie Airbus einen regelmäßigen Flug-Nahverkehr von Stadtzentren zu außerhalb gelegenen Flughäfen vorstellen kann. Der Frankfurter Airport prüft derzeit mit Volocopter ein entsprechendes Projekt . „Wir wollen Drohnen und Flugtaxis aus dem Labor in die Luft bringen“, sagte Scheuer Ende Februar zum Start eines 15 Millionen Euro umfassenden Förderprogramms seines Ministeriums.

Eher „Luftbusse” als „Lufttaxi”

Die neuen Fluggeräte sind dabei eher als Konkurrent zum Personenverkehr per Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr zu sehen als zum klassischen Luftverkehr. So hat der CityAirbus eine Reichweite von etwa 50 Kilometern und eine dem Auto vergleichbare Spitzengeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern. „Solche Luftfahrzeuge werden wahrscheinlich nicht von Stadt zu Stadt fliegen“, sagt Kursell.

Auch der Begriff Lufttaxi sei „ein irreführender Begriff“, da es kein Taxi sei. Der CityAirbus werde voraussichtlich nur auf festen Routen von einem definierten Punkt zum anderen unterwegs sein. „Man kann da nicht individuell fliegen“, erklärt der Airbus-Sprecher.

Auf jeden Fall wird es einige Zeit dauern, bis die drohenähnlichen Fluggeräte ohne Piloten in den regulären Betrieb gehen. Frühestens Mitte des kommenden Jahrzehnts wird es nach Einschätzung von Airbus europäische Vorschriften für den Gebrauch geben. „Erst dann können Lufttaxis kommerziell eingesetzt werden“, sagt Kursell.

In seinem Ministerium werde schon über Flugrouten zum Münchner Airport diskutiert, sagte Scheuer am Montag in Ingolstadt. Die Gesetze dürften nicht erst geschaffen werden, wenn die Ingenieure die Fluggeräte fertig entwickelt haben. Beides müsse zeitgleich passieren.

Spott nach TV-Interview

Auch Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin für Digitalisierung war bei der Vorstellung des „CityAirbus“ dabei. Vor einem Jahr war sie zum Ziel für Spott geworden, nachdem sie in einem Interview auf die Frage nach dem hapernden Breitbandausbau in Deutschland antwortete: „Das Thema muss doch sein, kann ich auf dieser Infrastruktur, die wir haben, dann auch mal autonom fahren. Habe ich die Möglichkeit, auch zum Beispiel mit einem Flugtaxi durch die Gegend zu können.“

Bei Twitter schrieb sie zu dem Termin am Montag: „Zukunft wird aus Mut gemacht.” Ein User antwortete bissig: „Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann.”

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