Hunde-DNA
Wann Mischlings-Tests Sinn machen

Als Hundebesitzer möchte man gern wissen: Welche Rassen stecken in meinem wilden Mix? DNA-Tests versprechen Klarheit. Die Branche boomt. Doch die Analysen haben Schwächen - und sind nicht ohne Risiko.

Freitag, 22.01.2021, 04:38 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 04:40 Uhr
Katja Krauß ist staatlich anerkannte Hundesachverständige und Hundetrainerin.
Katja Krauß ist staatlich anerkannte Hundesachverständige und Hundetrainerin. Foto: Robert Günther

Berlin (dpa/tmn) - Ist mein Mischling ein Pitbull-Mix oder doch mit dem Labrador verwandt - oder sogar beides? Seit einigen Jahren boomen sogenannte Mischlings-DNA-Tests.

In privaten Laboren können Besitzer mithilfe einer Speichelprobe die Gene ihres Hundes scannen lassen und so möglicherweise herausfinden, was für Rasse-Anteile in ihrem vierbeinigen Freund stecken. Doch der Test ist umstritten.

Hunde-Verhaltensexpertin und Trainerin Katja Krauß aus Berlin gibt zu bedenken: «Zunächst einmal sind die Datenbanken der Gen-Labors, also die Rassen, mit denen abgeglichen wird, unterschiedlich und verschieden umfangreich. Es gibt also keinen standardisierten Test. Und keinen, der alle Rassen führt.» Das bedeutet, dass für Hunderassen, die selten sind, vielleicht ein falsches Ergebnis angezeigt wird.

Test bringt kaum Erkenntnisgewinn

Ihrer Erfahrung nach ziehen Hundebesitzer aus den Tests außerdem oft falsche Rückschlüsse. «Ich hatte mit einem getesteten Mischling aus Greyhound und Dackel zutun. Die Besitzer waren der festen Überzeugung, dass ihr Hund einen Greyhound-typischen Futterbedarf hat, und ernährten ihn demnach. In diesem Fall war das aber Quatsch», so Krauß.

«Ein Mischling aus Greyhound und Dackel kann sich eins zu eins wie ein Greyhound verhalten oder auch nur wie ein klassischer Dackel», erklärt sie. «Eine Kreuzung bedeutet ja nicht, dass der Charakter die genaue Mischung aus beiden Rassen ergibt.» Demnach bringe einen eine solche Analyse zunächst einmal kein Stück weiter.

Besonders heikel ist es ihrer Ansicht nach, wenn die Labors den eingesandten Speichel auch noch auf rassetypische Krankheiten untersuchen. Dies mache den Besitzern viel Angst und sorge vielleicht sogar für eine unnötige Behandlung - denn keiner weiß, ob die Tiere wirklich erkranken.

Schon Welpen zeigen klare Verhaltensmuster

Aber was ist mit dem Verhaltens-Aspekt? Test-Befürworter argumentieren, dass Halter damit besser auf die Eigenheiten des Hundes eingehen können. Warum ist mein Hund so unruhig und kreist immer um die Familie? Warum lässt mein Mischling niemanden aufs Grundstück? Krauß ist sich sicher: «Erfahrene Hundetrainer können Haltern das durch das Aussehen und die Beobachtung des Verhaltens der Tiere besser sagen als ein DNA-Test.»

Schwieriger ist es bei Welpen, die alle gleich flauschig, klein und unbeholfen sind. Tierschutzorganisationen, die Tiere aus dem Ausland vermitteln, setzen deshalb in manchen Fällen auf die DNA-Tests, damit es später keine bösen Überraschungen gibt. Doch selbst hier kann ein Fachmann das Verhalten des Tieres, und wenn nur durch ein Video, besser beurteilen. Auch im Welpenalter könne man mit geschultem Blick die Eigenheiten von Hunden erkennen, meint Krauß.

Sollte man einen solchen Rassetest also auf gar keinen Fall durchführen? «Nein», sagt Krauß. «Man kann das zum Spaß ruhig machen. Aber nehmen Sie das Ergebnis bloß nicht zu ernst.»

© dpa-infocom, dpa:210121-99-116514/5

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