Computer
Support-Ende für Windows XP: Was Nutzer jetzt wissen müssen

Berlin (dpa) - Seit dem 8. April unterstützt Microsoft sein Betriebssystem Windows XP nicht mehr mit Updates. Sicherheitslücken werden so nicht mehr geschlossen. Nutzer sollten dringend aktiv werden. Alle wichtigen Fragen und Antworten rund um das Thema gibt es hier.

Dienstag, 08.04.2014, 14:04 Uhr aktualisiert: 08.04.2014, 14:16 Uhr
Besser vom Netz nehmen: Mit einem Rechner mit Windows XP sollten Computernutzer jetzt nicht mehr im Internet surfen. Foto: Andrea Warnecke
Besser vom Netz nehmen: Mit einem Rechner mit Windows XP sollten Computernutzer jetzt nicht mehr im Internet surfen. Foto: Andrea Warnecke Foto: dpa

Was bedeutet es, wenn Microsoft den Support einstellt?

Das heißt vor allem, dass es keine Updates für neu entdeckte Sicherheitslücken mehr gibt. Kriminelle können solche Schwachstellen dann ausnutzen, um sich etwa über manipulierte Dateien oder Webseiten Zugriff auf fremde Rechner zu verschaffen. Auch in ausgereifter Software werden immer wieder Lücken entdeckt, die dann üblicherweise per Update geschlossen werden. So war es in den vergangenen Jahren auch bei Windows XP - doch damit ist jetzt Schluss.

Nach dem finalen Update ist XP also erstmal sicher?

Microsoft hatte seit Monaten darauf hingewiesen, dass am 8. April der Update-Support für XP endet . Experten wie Sebastian Barchnicki vom Institut für Internet-Sicherheit in Gelsenkirchen befürchten, dass Kriminelle neu entdeckte Schwachstellen für sich behalten haben und sie erst jetzt ausnutzen wollen. Es ist also denkbar, dass sofort nach dem letzten Update eine neue Angriffswelle auf XP-Nutzer beginnt - die wären den Attacken dann schutzlos ausgeliefert.

Wie hoch ist das Risiko?

Nach Schätzungen von Microsoft ist die Gefahr, sich mit Schädlingen zu infizieren, unter XP ohnehin 21 Mal höher als etwa unter Windows 7. Je sensibler die Daten auf dem Rechner, desto größer ist das Risiko. Angreifer können nun über bisher unentdeckte Schwachstellen zum Beispiel wichtige E-Mails oder Zugangsdaten fürs Onlinebanking abfangen. Denkbar ist auch, dass der XP-Rechner Teil eines Botnetzes wird und zum Verschicken von Spam-Mails oder für Angriffe auf große Webseiten genutzt wird. Auch ein guter Virenscanner hilft gegen da nur begrenzt, warnt Sicherheitsexperte Barchnicki.

Was sollten XP-Nutzer tun?

Die einzig sinnvolle Alternative ist, das Betriebssystem zu wechseln - entweder durch neue Software auf dem alten Computer oder mit einem ganz neuen PC. Weiter nutzen sollte man den XP-Rechner nur, wenn er nicht mit dem Internet verbunden ist. Das lohnt sich aber eigentlich nur für Anwender mit spezieller Hard- oder Software, die neuere Windows-Versionen nicht unterstützt.

Welche Betriebssysteme sind eine Alternative?

Am naheliegendsten ist eine neue Windows-Version. Microsoft hat für jene, die auf Windows 7 oder 8 aufrüsten wollen, einen Leitfaden veröffentlicht. Nach Angaben von Günter Born, der mehrere Windows-Ratgeberbücher geschrieben hat, läuft selbst das aktuelle Windows 8.1 auf vielen älteren Computern noch überraschend gut. Windows 7 gibt sich sogar mit noch weniger zufrieden. Von Windows Vista rät der Experte ab.

Bastler mit etwas Fachwissen können sich auch Linux installieren, etwa in der Variante Ubuntu. Die läuft sogar parallel zu XP, das auch dann aber nicht mit dem Internet verbunden sein sollte. Wer einen neuen Computer kauft, kann zu Apples Mac-Rechnern mit OS X oder zu den Chromebooks von Google wechseln - letztere brauchen aber eine permanente Internetverbindung.

Wie kann ich meine Daten auf den neuen Rechner mitnehmen?

Für den Umzug von einem XP-Rechner zu Windows 7 oder 8.1 hat Microsoft die kostenlosen Programme Easy Transfer und PCmover Express von Laplink ins Netz gestellt. Die sollen theoretisch alle persönlichen Dateien und Einstellungen auf den neuen PC übertragen. In einem aktuellen Test der «c't» klappte das aber nur teilweise. Nutzer sollten nach dem Umzug daher kontrollieren, ob alles angekommen ist. Profis können die Arbeit auch gleich selbst erledigen.

Etwas Handarbeit ist beim Wechsel zu OS X oder Linux gefragt. Viele populäre Programme gibt es inzwischen aber für alle Betriebssysteme - Office-Dokumente lassen sich so auch auf dem Mac problemlos öffnen. Und wer unter XP zum Beispiel den Browser Firefox nutzt, kann seine Lesezeichen und Einstellungen exportieren und auf dem neuen System wieder einspielen.

Was sollten Unternehmen wissen?

Unternehmen rät das Analysten-Haus Ovum, sich Alternativen zu überlegen, bevor sie Hunderte von Rechnern mit einem neuen Betriebssystem aufrüsten. So könnten die alten PCs etwa durch Virtualisierungs-Software ersetzt werden. Laptops mit XP könnten durch günstige Tablets mit Android ersetzt werden. Rund 30 Prozent der Unternehmen weltweit würden aber XP weiter nutzen müssen, weil einige ihrer Systeme nur auf diesem System liefen, schätzt der IT-Sicherheitsdienstleister McAfee. Durch eine Einschränkung der Nutzerrechte und bessere Sicherheitssysteme könnten sich kleine und mittelgroße Unternehmen jedoch schützen.

Sind Risiken bei Geldautomaten zu befürchten?

Sorgen um die noch massenhaft mit XP betriebenen Geldautomaten in Deutschland sind nach Einschätzung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) jedoch unbegründet. Microsofts XP gebe es in vielen verschiedenen Varianten, sagt Gärtner. In der Kreditwirtschaft habe man «völlig andere Strukturen und Schutzmechanismen». Das sei mit dem Einsatz etwa in der Bürowirtschaft nicht vergleichbar. Gärtner verwies zudem auf die starke Kontrolle durch eine Reihe großer IT-Unternehmen. «Es gibt hier Aufgabenstellungen, aber keine Probleme.»

Dinosaurier der Betriebssysteme

Mehr als 13 Jahre hat Windows XP nun schon auf dem Buckel und gehört damit zu den absoluten Oldtimern der Softwareindustrie. Laut dem Analysedienst StatCounter liefen im April in Deutschland noch immer 10,04 Prozent aller Rechner mit XP. Weltweit waren es demnach 17,42 Prozent. Es gab zuletzt aber auch Schätzungen, die mit bis zu 30 Prozent rechnen.

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