Tipps fürs Radfahren im Winter
Mit Mütze unter dem Helm

Münster -

Fahrradfahren im Kalten und Dunkeln ist alles andere als sommerlich unbeschwert. Doch wer die richtige Kleidung trägt, mit passender Beleuchtung unterwegs ist und weiß, wo es unerwartet glatt werden kann, kommt gut durch Regen, Schnee und Frost.

Sonntag, 13.01.2019, 13:40 Uhr
Tipps fürs Radfahren im Winter: Mit Mütze unter dem Helm
Foto: dpa

Kalte Finger, nasse Füße, eine vor Fahrtwind schmerzende Stirn: Radfahren im Winter ist zum Abgewöhnen. Es sei denn, man ist richtig ausgestattet. Das altbekannte Sprichwort „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung“ gilt auch fürs Radeln. Allerdings kommen vor allem für E-Bike-Fahrer noch ein paar Tipps für die kalte Jahreszeit hinzu.

In der richtigen Kleidung darf man anfangs etwas frieren: „Wenn man länger als zwei oder drei Kilometer unterwegs ist, sollte es einem auf den ersten Metern noch ein bisschen kühl sein“, sagt Stephan Behrendt vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club ( ADFC ). Denn wer sich zu dick einpackt, schwitzt schnell und kühlt dann umso schneller aus.

Spezialisten empfehlen Dreilagen-Prinzip

Um das Verhältnis von Körperwärme und Schweiß bei kalten Temperaturen ins richtige Verhältnis zu setzen, empfehlen Outdoorspezialisten das Dreilagen-Prinzip aus Wäsche, Isolations- und Wetterschicht. „Die ideale Pendlerunterwäsche hat einen hohen Anteil an Merinowolle“, sagt Alexander Gieb­ler vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) in Göttingen. Der Vorteil gegenüber Synthetik-Material: Es ist riecht kaum und trocknet schnell. „Man kann also so ein Shirt den ganzen Arbeitstag anhaben und muss es nicht wechseln“, sagt ­Giebler. Wichtig ist, dass die Wäsche eng anliegt, dann transportiert sie den Schweiß auch nach außen.

Über die Wäsche kommt die Isolationsschicht. Statt des Naturmaterials Entendaunen, das zwar wärmt, aber schnell feucht wird und dann verklumpt, empfehlen Experten Daunenimitate: „Polyester- oder Polyamidgarn wird fein aufgesplissen und ahmt die Eigenschaften der Daune sehr gut nach, ohne bei Feuchtigkeit zusammenzufallen“, so Giebler. Hohes Isolationsvolumen erreicht zum Beispiel Fleece.

Soft- und Hard­shell-Kleidung

Bei der Außenschicht hat der Radler je nach Wetter die Wahl zwischen Soft- und Hard­shell-Kleidung. Softshell bedeutet: nur wasserabweisend statt wasserdicht. „Hier steht die größtmögliche Atmungsaktivität im Vordergrund, also das Vermögen des Materials, Wasserdampf nach außen zu lassen“, sagt Giebler. Dies sei im Winter besonders wichtig, da man unter Umständen sehr schnell aufheize.

So machen Sie Ihr Rad fit für den Winter

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  • Auch wenn eine spezielle „Winterbereifung“ für Radfahrer nicht vorgeschrieben ist. Eine Investition kann sich hier durchaus lohnen, hat man mit schmalen und abgefahrenen Reifen bei Glätte sonst keine Chance. Die Gummimischung der Winterreifen wurde von den Herstellern mit Partikeln aus Siliziumkarbid besetzt, was die Lauffläche rauer macht. Maximalen Grip auf Schnee und Eis bieten Spike-Reifen.

    Foto: Pressedienst Fahrrad
  • Wem extra Winterreifen oder Spikes für das Fahrrad zu teuer oder schlichtweg zu aufwendig sind, kann sich alternativ eines simplen Tricks bedienen. „Lassen sie ein wenig Luft ab“, rät David Koßmann vom Pressedienst Fahrrad.

    Foto: Pressedienst Fahrrad
  • Das A und O im Winter: eine vernünftige Beleuchtung. Doch ein bloßer „Tut’s und gut ist“-Check reicht nicht aus. Denn wer noch mit einem klassischen Seitenläufer-Dynamo unterwegs ist, sollte für den Winter lieber auf einen zuverlässigeren Naben-Dynamo umrüsten. Denn der ist weniger anfällig für Schnee und Eis, rät zumindest der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC).

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  • Wer sich mit dem Rad auf Schnee und Eis eher unsicher fühlt, sollte den Sattel im Winter um ein bis zwei Zentimeter absenken. So wird das Sicherheitsgefühl gestärkt, denn im Notfall kommt man mit seinen Füßen schneller auf den Boden und kann so Fahrfehler korrigieren.

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  • Eigentlich in jeder Jahreszeit wichtig: funktionierende Bremsen. Gerade Vielfahrer sollten ihre Bremsbeläge regelmäßig kontrollieren und gegebenenfalls für den Winter erneuern. Noch ein Tipp: Auf rutschigem Untergrund am besten nicht mit der zugstarken Vorderradbremse bremsen.

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  • Selbst wenn die Beläge auf dem neuesten Stand sind, kann es sein, dass der Griff zur Bremse keine große Wirkung zeigt. Dann sind oft die Felgenränder stark verschmutzt und sollten gesäubert werden. Danach haben auch die Bremsbeläge wieder richtig Griff.

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  • Nässe und Streusalz setzen der Fahrradkette im Winter zu. Wenn sie schon quietscht und angerostet ist, hilft oft nur noch sogenanntes Kriechöl, um die Oberflächenkorrosion wieder zu lösen. Festere Schmiermittel mit Teflon haben zwar eine bessere Schmierfähigkeit, ziehen allerdings Dreck nahezu magisch an. Die Alternative für Radler: Riemenantriebe. Hier sind die Räder statt mit einer Kette aus Metall mit einem Zahnriemen aus einem Kunststoff ausgestattet.

    Foto: Pressedienst Fahrrad
  • Wer ein Pedelec hat, sollte sich im Winter um seinen Akku kümmern. Denn die in der Regel verbauten Lithium-Ionen-Batterien sind frostempfindlich, erklärt die Stiftung Warentest. Touren bei strengem Frost machen den Stromspeichern aber in der Regel nichts aus, da der Fahrstrom unterwegs für warme Akkuzellen sorgt. Schutzhüllen aus Neopren verhindern, dass der Akku bei Fahrpausen auskühlt. An kalten Tagen ist es allerdings besser, den Akku nach der Fahrt aus dem Rad zu nehmen.

    Foto: Pressedienst Fahrrad
  • Ganz grundsätzlich gibt es bei der Vorbereitung seines Rades für den Winter einiges zu beachten. Allen voran sollte der Boden auf dem man schraubt, sauber sein. Abhilfe schaffen spezielle Montageständer, die nach dem Gebrauch wieder platzsparend zusammengeklappt werden können. Zudem sollte man beim Werkzeug nicht sparen. Billige Tools erfreuen sich nicht nur einer extrem kurzen Lebensdauer, sondern können Rad und Teile sogar ernsthaft beschädigen. Und im Zweifel wendet man sich am besten immer noch an den Profi.

    Foto: Pressedienst Fahrrad

Peitscht allerdings der Regen oder schneit es ohne Unterlass, muss die „harte Schale“ drüber: wasser- und winddichte Regenjacke sowie -hose. Beides sollte nach Möglichkeit ebenfalls aus atmungsaktiven Membranstoffen gefertigt sein. Auf kürzeren Strecken, wenn man nicht so ins Schwitzen gerät, genügt beschichtete Kleidung mit guter Belüftung etwa durch Unterarmreißverschlüsse.

Unterziehmütze und Kältebrücken

Für den Kopf empfiehlt ADFC-Experte Behrendt eine Unterziehmütze aus Kunstfaser, da über den Kopf viel Wärme abgegeben wird und man dort besonders schnell auskühlt. Gut geschnittene Kapuzen passen ebenfalls unter den Helm. Nur sollten Radler schon beim Anprobieren darauf achten, dass sie das Gesichtsfeld eng umschließen und sich beim Drehen des Kopfes mitdrehen. Wer beim Abbiegen in die Kapuze schaut, beschwört im Verkehr gefährliche Situationen herauf.

Radler müssen sich in der kalten Jahreszeit auch mit sogenannten Kältebrücken auseinandersetzen. Das sind Stellen am Rad, an denen der Fahrer mit Metall in Berührung kommt und Kälte in den Körper gelangt. Beispiel Lenker: Ist das Lenkerband dünn und der Fahrer trägt keine Handschuhe, bekommt er schnell kalte Finger. Für mehr Isolation am Po gibt es spezielle Sattelhüllen. Radler, die mit Klickpedalen unterwegs sind, die über die Schuhplatte Kälte in den Fuß leiten, können über Isolationseinlagen oder gar Heizsohlen gegensteuern, empfiehlt Behrendt.

Reflektoren und Lichter

Vor allem Radpendler werden im Winter spätestens den Rückweg in Dunkelheit bestreiten. Helle Kleidung sowie Reflektoren an Kleidung und Rucksack sind ratsam. Es gibt auch Winterhandschuhe, die blinken können: „Im Handschuhrücken sind Dioden und ein Neigungsmesser eingearbeitet. Sobald man den Arm zum Abbiegen ausstreckt und die Hand dabei hochkant hält, blinkt es“, erläutert Behrendt.

Immer mehr Fahrradfahrer sind mit hellem und mittlerweile erschwinglicherem LED-Licht unterwegs. Hier sei es wichtig, den Frontscheinwerfer korrekt einzustellen. „In zehn Metern Entfernung sollte der hellste Punkt des Lichtkegels auf den Boden treffen“, so Behrendt. Dabei setzen Radler am besten auf Stromversorgung per Nabendynamo, denn die alten Seitenläufer greifen vor allem bei Schnee und Matsch sehr schlecht und lassen das Licht bestenfalls flackern.

Achtung vor Schnee und Glätte

Auf verschneiten Wegen sollte man in Kurven nicht zu schnell fahren oder zu stark zu bremsen, um nicht zu stürzen, sagt Behrendt. Ab einer Reifenbreite von 35 Millimetern könne man auch mit weniger Luftdruck fahren, um die Aufliegefläche zu vergrößern. So greife das komplette Profil, erklärt Giebler.

E-Bike-Fahrer schalten zum Anfahren am besten in die kleinste Unterstützungsstufe, um nicht wegzurutschen. Ist der Untergrund vereist, versprechen Reifen mit Spikes mehr Bodenhaftung. Die größte Gefahr lauert laut Behrendt jedoch tagsüber auf trockener Fahrbahn in schattigen Abschnitten: „Wo die Sonne nicht hinkommt, kann unerwartet Reifglätte herrschen.“

Auch Akkus brauchen Wärme

Mit einer eigenen Sorge müssen sich indes Pedelec-Fahrer herumschlagen: bei Kälte machen die Akkus schnell schlapp. Bei Lithium-Ionen-Zellen kann der Energieverbrauch im Winter laut pd-f manchmal doppelt so hoch sein wie unter Idealbedingungen. Bedeutet: Wer die Batterie schön warm hält, optimiert die Reichweite.

„Für E-Bike-Akkus gibt es wärmeisolierende Cover, doch bei längeren Stopps oder über Nacht sollten sie mit ins Warme genommen werden, sonst verlieren sie an Leistung“, sagt Thomas Knecht vom E-Bike-Hersteller Flyer. Weil die Reichweite der Batterien dennoch geringer ausfalle als im Sommer, rät Knecht, sie bei entsprechender Rest­ladung lieber früher aufzuladen.

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