Saisonstart mit Hindernissen
Die größten Gefahren für Radfahrer

Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen wird es auf den Straßen wieder deutlich enger und gefährlicher. Neben Pkw und Lkw gibt es für Radfahrer auch andere potenzielle Unfallquellen.

Dienstag, 02.04.2019, 09:53 Uhr aktualisiert: 02.04.2019, 12:41 Uhr
Auf der Straße lauern für Radfahrer viele Gefahren.
Auf der Straße lauern für Radfahrer viele Gefahren. Foto: Maja Hitij

Berlin (dpa) - Fahrradfahrten enden immer häufiger tödlich: 2018 starben 455 Radfahrer auf Deutschland Straßen, darunter 89 auf Elektrorädern (Pedelecs). Das waren 15 Prozent mehr Unfälle als 2017, bei den Pedelecs lag der Anstieg bei 27 Prozent, wie aus vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamts hervorgeht.

Der Anstieg lag nicht nur am langen Sommer: Immer mehr Radfahrer müssen mit Auto- und Lkw-Fahrern um den knappen Platz auf den Straßen kämpfen - vor allem in den Städten. 2018 wurden 4,2 Millionen Fahrräder in Deutschland verkauft, der zweithöchste Wert in diesem Jahrzehnt. Jedes vierte neue Fahrrad ist ein Elektrorad. Ab dem Sommer sollen auch E-Scooter hinzukommen - aus Expertensicht eine weitere Unfallquelle. Ein Überblick über die größten Gefahren für Radfahrer.

- Autos: Die meisten Unfälle zwischen Rad und Auto gibt es laut Unfallforscher Siegfried Brockmann im Kreuzungs- und Abbiegebereich. Hier kollidieren geradeausfahrende Radfahrer oft mit abbiegenden Autos oder Lkw. «Idealerweise müssten die Verkehrsströme getrennt werden, etwa durch Ampelschaltungen», sagt der Leiter des Berliner Instituts Unfallforschung der Versicherer (UDV). «Immer dann, wenn Radfahrer Grün haben, sollten Autos warten und umgekehrt.»

Mit dem Auto durch Münster: Auf diesen Straßen wird es brenzlig

Lastwagen: Immer wieder werden Radler von Lkw-Fahrern beim Abbiegen übersehen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will den Einbau von Abbiegeassistenten daher vorantreiben. Er setzt sich für eine verpflichtende Einführung dieser Systeme für neue Fahrzeuge ab 2020 ein. Außerdem gibt es ein Förderprogramm zur Nachrüstung. Nach Schätzungen des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ( ADFC ) verfügen weniger als fünf Prozent der Fahrzeuge über ein etwa 1500 Euro teures System. Unfälle mit Lkw sind laut Brockmann allerdings nur «ein kleinerer Teil des Problems Radfahrerunfall». 2017 seien 77 Radfahrer bei Unfällen mit Lkw gestorben, davon rund 30 beim Rechtsabbiegen.

Wovor sich Radfahrer fürchten

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  • Eine repräsentative forsa-Umfrage im Auftrag des Versicherungsunternehmens CosmosDirekt zeigt, wovor sich Fahrradfahrer am meisten fürchten. Dazu wurden im April 1.504 Personen ab 18 Jahren in ganz Deutschland befragt, darunter 1.113 Fahrradfahrer.

    Foto: Markus Lütkemeyer
  • Platz 7: Technischer Defekt

    Die Gefahr kann auch vom eigenen Gefährt ausgehen. Etwa, wenn die Bremse versagt, die Kette reißt oder die Lenkstange bricht: für 10 Prozent der Befragten Grund zur Sorge.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Platz 6: Andere Radfahrer

    Auch andere Radler können zur Gefahr werden, wenn sie zu dicht überholen. 18 Prozent haben vor dieser Situation Angst. 

    Foto: Oliver Hengst
  • Platz 5: Radwegschäden

    Unfälle wegen beschädigter Radwege fürchten 22 Prozent.

    Foto: Thomas Schubert
  • Platz 4: Schienen

    28 Prozent der Befragten haben Angst davor, in Straßenbahnschienen zu geraten. Ein in Münster eher zu vernachlässigendes Problem.

    Foto: Günter Benning
  • Platz 3: Autotüren

    Auch bei parkenden Fahrzeugen ist Vorsicht geboten. Etwa, wenn Pkw-Halter am Straßenrand parken und die Tür zum Aussteigen öffnen. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) haben davor Angst. Um einen Unfall zu vermeiden, sollten Radfahrer wenn möglich Abstand zu parkenden Wagen halten. Autofahrer sollten vor dem Aussteigen immer in den Außenspiegel und über die Schulter nach hinten schauen.

    Foto: DVR/dpa
  • Platz 2: Zu enges Überholen

    Besonders gefürchtet sind dicht überholende Autos und Lkws (83 Prozent). 

    Foto: dpa
  • Platz 1: Rechtsabbieger

    Die Straßenverkehrsordnung gibt es vor: Biegen Autofahrer rechts ab, haben geradeausfahrende Fahrradfahrer Vorrang. Dennoch kommt es dabei oft zu Unfällen. Nicht ohne Grund stellen abbiegende Autos mit 88 Prozent die größte Angst von Radlern dar. 

    Foto: Jürgen Peperhowe

Infrastruktur: Mit extrabreiten und durch Poller geschützte Wege soll das Radfahren in Großstädten wie Berlin sicherer werden. Doch diese vereinzelten Projekte reichten bei weitem nicht aus, sagt Brockmann. Aus Sicht des ADFC ist die «schlechte und völlig unterdimensionierte Fahrrad-Infrastruktur» das größte Sicherheitsproblem. «Zerschlissene und schlecht einsehbare Bordsteinradwege wechseln ab mit zugeparkten, viel zu schmalen Radfahrstreifen - und die enden dann oft im Nichts oder an der nächsten Baustelle. Das ist frustrierend und gefährlich», bemängelt Sprecherin Stephanie Krone.

- E-Bikes/Pedelecs: Immer beliebter werden Elektro-Fahrräder. Sie bescheren vor allem Senioren eine neue Mobilität, denen sonst womöglich die Puste ausginge oder die Gelenke einen Strich durch die Rechnung machen würden. «Das sind völlig neue Gruppen jenseits der 75, die wir vorher nicht hatten», so Brockmann. Die Kehrseite: «Die Beherrschung des Fahrzeugs, gerade mit der höheren Geschwindigkeit, ist in vielen Fällen nicht gegeben.» Statistiken zeigen, dass es vor allem bei Pedelec-Fahrern mehr tödliche Unfälle gibt. «Eine Lösung wäre, die Geschwindigkeit der Räder an die Kraft zu koppeln, die ein Radfahrer mit seiner Muskelkraft aufbringen würde», so der Experte.

- Radfahrer: Rücksichtsloses Überholen oder fehlender Abstand: Auch Radfahrer werden für andere Radler zur Gefahr. Laut Brockmann gibt es hier eine große Dunkelziffer von Unfällen. «Auf einen von der Polizei registrierten Unfall kommen etwa drei weitere Radunfälle, bei denen Beteiligte mit erheblichen Verletzungen in Krankenhäuser kommen», so der Experte. Oft werde die Polizei nicht gerufen, weil keine Versicherung im Spiel sei. Stephanie Krone vom ADFC rät, vorausschauend zu fahren, Radwege nicht in Gegenrichtung zu nutzen und im Dunkeln das Licht einzuschalten. Auch Helme können schützen - Minister Scheuer wirbt aktuell mit einer umstrittenen Kampagne dafür. Nur acht Prozent der jungen Radfahrer tragen demnach einen Helm.

So wird das Fahrrad fit für den Frühling

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  • 1) Vorbereitung und Werkzeug

    Rechtzeitig mit dem Rad‐Check zu beginnen, ist das A und O, denn nur so bleibt vor der ersten Radtour noch ausreichend Zeit für unvorhergesehene Reparaturen.

    Den Check am Sonntag zu machen, ist suboptimal, denn dann sind die Radläden geschlossen: Ersatzteile oder nötige Pflegemittel müssen warten.

    Im ersten Schritt ist die richtige Grundausstattung wichtig: Wassereimer, Putzmittel, Kettenöl und Bürste dürfen nicht fehlen.

    Zusätzlich lohnt es sich immer, ein Minitool „auf Tasche zu haben“. Die kleinen Helfer bieten in der Regel die wichtigsten Funktionen für den heimischen Frühjahrs‐Check parat.

    Praktisch sind Exemplare, die einen Reifenheber integriert haben, dann gelingt auch der Schlauchwechsel. (Quelle: www.pd-f.de)

    Foto: www.pd-f.de / Paul Maskuwitz
  • 2) Kette reinigen

    Die Kette ist meist das am hartnäckigsten verdreckte Teil am Fahrrad. Deshalb fängt man bei der Reinigung am besten hier an.

    Für groben Dreck nutzt man eine spezielle Kettenbürste, die durch die Form ihrer Nylonborsten das Säubern von Kette, Kassetten und Kettenblättern vereinfacht. Alternativ geht auch eine alte Zahnbürste.

    Anschließend lässt man die Kette einfach durch einen trockenen Lappen laufen und entfernt so das alte Kettenöl und den restlichen Schmutz. Wichtig is

    t beim Putzen, die Kette gleich auch auf Verschleiß zu überprüfen. Ketten längen sich, vom Rost begünstigt, und müssen deshalb mit der Zeit ersetzt werden. Den Austausch nimmt am besten der Fachmann vor. (Quelle: www.pd-f.de)

    Foto: www.pd-f.de / Christoph Beyer
  • 3) Bremsen checken

    Für einen ersten Bremsen‐Check eignet sich ein schneller Test: Berührt der Bremshebel beim Anziehen den Fahrradgriff, ist ein Service zwingend fällig. Entweder müssen die Bremszüge nachgestellt werden, die Bremsleitung entlüftet oder der Austausch eines verschlissenen Bremsbelags steht an.

    Bei Felgenstoppern zeigen Kerben in den Bremsklötzen auch dem Laien, ob es noch Reserven gibt.

    Bei Scheibenbremsen gilt der Richtwert von einer Mindestbelagdicke von 1,5 Millimetern. Ein weiterer Indikator für einen notwendigen Austausch sind u. a. kratzende oder metallische Geräusche beim Bremsen.

    Für die wachsende Zahl an Scheibenbremsenrädern gibt es mittlerweile auch spezielle Reinigungsmittel. Hydraulische Bremsanlagen sollten aber einmal jährlich entlüftet werden, was der Fachmann gerne übernimmt.

    Bei Felgenbremsen macht ein bisschen Öl in der Öffnung der Zughülle und am Bremsgriff den Bowdenzug leichtgängiger. Keinesfalls darf Öl auf die Bremsbeläge kommen!

    Falls die Bremse weiterhin nicht griffig ist, wird ein Wechsel des Bremszugs unvermeidlich. Da die Bremse ein sicherheitszentrales Bauteil ist, sollten Sie beim kleinsten Zweifel die Fachwerkstatt konsultieren. (Quelle: www.pd-f.de)

    Foto: Colourbox
  • 4) Felgen‐ und Reifen‐Check

    Beim Prüfen der Bremsen lohnt sich zusätzlich der Blick auf Reifen und Felgen. Eine Rille auf der Felgenflanke zeigt beispielsweise an, ob die Felge wiederum verschlissen ist.

    Wenn das Rad beim Drehen schleift, kann ein „Achter“ der Grund dafür sein. Es kann sich aber auch Dreck im Schutzblech angesammelt haben und den Durchlauf verengen oder der Radschützer hat sich etwas verbogen. Das zeigt sich meist durch leicht reibende Geräusche und ist schnell beseitigt.

    Auch sollten alle Speichen fest sein und unter ähnlicher Spannung stehen. Lose Speichen können schnell die Stabilität beeinflussen und zu Stürzen führen.

    Den Reifen muss man auf Risse und Beschädigungen prüfen, kleine Eindringlinge in der Lauffläche sollte man entfernen, bevor sie sich zum Schlauch durchfressen.

    Lange vor einem Defekt am Profil sind bei vielen Reifen die Seitenwände schon beschädigt. Das lässt sich durch den richtigen Reifendruck vermeiden. Spätestens, wenn der Pannenschutz und die Karkassefäden zu sehen sind, ist der Reifen zu tauschen. (Quelle: www.pd-f.de)

    Foto: Colourbox
  • 6) Kette ölen

    Für die längere und bessere Funktion der Kette ist die richtige Schmierung Pflicht. Dabei helfen spezielle Schmiermittel. Diese Mittel lässt man einige Zeit einwirken und fährt eine kurze Proberunde, damit es sich gut verteilt.

    Anschließend lässt man die Kette kurz durch einen fusselfreien Lappen laufen, der überschüssiges Öl aufnimmt. Dieses zöge nämlich unnötig Dreck an. Bei Kettenschaltungen gilt es, zusätzlich alle beweglichen Teile zu reinigen und zu schmieren.

    Insbesondere die Röllchen am Schaltwerk setzen leicht Schmutz an und brauchen regelmäßige Pflege. (Quelle: www.pd-f.de)

    Foto: Colourbox
  • 7) Schaltung richtig einstellen

    Die kurze Testrunde eignet sich hervorragend, um auch die Gangschaltung einmal zu testen: Einfach alle Gangsprünge einmal durchprobieren. Sollte einer hakeln, heißt es nachbessern.

    Bei Nabenschaltungen muss man dabei lediglich den Schaltzug am Schalthebel nachstellen; bei Kettenschaltungen dürfen auch gerne einmal die passenden Schräubchen am Schaltwerk bedient werden.

    Wenn sich allerdings nicht mehr in den kleinsten Gang schalten lässt und dabei zusätzlich die Kette überspringt, ist üblicherweise das Schaltauge verbogen. Das Problem löst am besten der Fachmann. (Quelle: www.pd-f.de)

    Foto: www.cosmicsports.de
  • 8) Schraubverbindungen prüfen

    Bereits ein kurzes Anheben und Fallenlassen des Rades verrät, ob eine Schraube locker ist. Aber auch ohne Klappern überprüft man vorsichtshalber die Schrauben an den tragenden Bauteilen wie Vorbau, Lenker, Gepäckträger, Schutzblechen, Kurbeln und Kettenblättern. Hier kommt das Multitool zum Einsatz.

    Vorsicht ist geboten an Verbindungen, die mit Drehmomentangaben versehen sind. Es lohnt sich die Investition in einen Drehmomentschlüssel, damit keine Schrauberfehler passieren, denn nach  „fest“ kommt schnell „ab“. (Quelle: www.pd-f.de)

    Foto: Colourbox
  • 9) Richtigen Reifendruck finden

    Der passende Reifendruck hat immensen Einfluss auf Rollwiderstand, Pannenschutz und Haltbarkeit. Deshalb ist es besonders wichtig, nicht auf die allseits beliebte „Daumenmethode“ zu vertrauen, sondern den Druck ordentlich zu prüfen.

    Für einen ersten Überblick hilft ein präziser Reifendruckmesser. Beim Aufpumpen darf im heimischen Keller eine Standpumpe mit Manometer ebenfalls nicht fehlen. Wer sich unsicher ist, wie viel Bar passend sind, der findet die Angaben zum zulässigen Minimal‐ und Maximaldruck auf der Reifenflanke. (Quelle: www.pd-f.de)

    Foto: www.pd-f.de / Thomas Geisler
  • 10) Besonderheiten

    Riemenantrieb und Zentralgetriebeschaltung erfreuen sich wachsender Beliebtheit unter Radfahrern. Diese noch nicht alltäglichen Räder brauchen jedoch einen speziellen Service.

    Während ein Riemenantrieb keines Kettenöls bedarf und einfach mit Wasser gereinigt wird, ist bei einem Getriebe ein Ölwechsel einmal im Jahr Pflicht. Dafür muss das alte Öl entfernt und durch neues ersetzt werden.

    Diese Arbeit kann man getrost auch zu Hause durchführen, man braucht aber ein spezielles Getriebeöl. (Quelle: www.pd-f.de)

    Foto: Colourbox

- E-Scooter: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will Elektrische Tretroller (E-Scooter) zulassen. Möglichst ab dem Frühjahr sollen sie unterwegs sein und rechtlich wie Fahrräder behandelt werden. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h sollen sie auf Radwegen fahren - wenn es keine gibt, darf auch die Fahrbahn genutzt werden. Aus Sicht Brockmanns ein weiteres Risiko. «Ein E-Scooter-Fahrer verhält sich anders als ein Radfahrer, ist aber genauso schnell. Die Dinge sind nur sehr schwer miteinander kompatibel», so Brockmann. E-Scooter würden Schlaglöchern beispielsweise eher ausweichen als Radler.

- Unverändert gefährliche Unfallschwerpunkte: Viele Unfallschwerpunkte sind laut Brockmann zwar bekannt, werden aber nicht geändert. «Unfallkommissionen kommen in vielen Städten nicht nach, die identifizierten Stellen zu bearbeiten und entsprechend umbauen zu lassen. Oft wird auch das Geld nicht bewilligt», kritisiert der Experte. Berliner Forscher wollen die Gefahrenstellen mit Hilfe von Radfahrern und der App «SimRa» sichtbar machen. Sie kann erkennen, wann Radfahrer stark bremsen, beschleunigen oder einer Gefahr ausweichen müssen - also auch Beinahe-Unfälle registrieren.

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