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Umweltdaten: Münster ist abfallarm, nachhaltig und grün

Der Umweltschutz ist ein Thema, das alle Städte etwas angeht. Münster möchte jedoch nicht nur mithalten, sondern eine Vorreiterrolle einnehmen. Aus diesem Grund wurde im Jahr 2014/2015 ein Leitfaden über den Zustand und die Entwicklung der Umweltsituation in Münster erarbeitet. Im Jahr 2018 kann ein positives Zwischenfazit gezogen werden: Münster ist grün, nachhaltig und überdurchschnittlich abfallarm.

Mittwoch, 09.05.2018, 14:12 Uhr aktualisiert: 09.05.2018, 14:19 Uhr
Statistik: Umweltdaten: Münster ist abfallarm, nachhaltig und grün
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100 Jugendliche schwammen am 06.05.2018 durch die Spree in Berlin-Mitte. Ihr Ziel lautete: Kohle-Ausstieg bis 2030. Es handelt sich dabei um nur eine von zahlreichen beispielhaften Aktionen für den Umweltschutz, welche derzeit in Deutschland stattfinden. Das Thema schlägt große Wellen und beschäftigt zunehmend die jüngeren Generationen. Auch in Münster gewinnt der Umweltschutz an Brisanz. Mit dem Leitfaden aus dem Jahr 2014/2015 sollte ein Zeichen gesetzt werden. Münster bahnt sich den Weg in eine Zukunft als umweltfreundliche Stadt und damit als Vorbild für viele andere deutsche Regionen.

Maßstab für umweltgerechtes Verwaltungshandeln

Es war der 15. Mai 2013, als der Rat der Stadt Münster die Formulierung von Zielvorgaben für den Umweltschutz in Münster beschloss. Die sogenannten „ Umweltdaten Münster“ sollten in diesem Zuge eine Erfassung des Status Quo ermöglichen, quasi einen Überblick über den aktuellen Zustand der Umweltsituation in der Stadt. Im zweiten Schritt galt es anschließend, in den Jahren 2014 und 2015 Ziele für die Entwicklung des Umweltschutzes in Münster zu definieren und konkrete Maßstäbe für ein umweltgerechtes Verwaltungshandeln festzusetzen. Da die Umweltdaten im zweijährlichen Turnus fortgeschrieben werden, lässt sich nun – zum Stand 2018 – bereits ein aussagekräftiges Zwischenfazit ziehen. Wie also ist es um den Zustand und die Entwicklung der Umweltsituation in Münster bestellt?

Zwölf Umweltindikatoren für Münster

Im Bereich des Umweltschutzes taucht immer wieder die Frage nach einer einheitlichen Definition von Umweltfreundlichkeit auf. Aus diesem Grund wurden bereits im Jahr 2009 sogenannte Umweltindikatoren definiert, welche Aufschluss über die Umweltsituation in der Stadt geben sollten und eine Vergleichbarkeit im Zuge der Entwicklungen über die Jahre hinweg ermöglichen. So lässt sich beispielsweise nachvollziehen, ob sich die Abfallmenge im Untersuchungszeitraum verändert hat und inwiefern. Ohne eine solche Vergleichbarkeit wäre keine Erfassung von Veränderungen oder dem Erreichen von Zielvorgaben möglich. Laut „Umweltdaten 2009“ wurden demnach zwölf Umweltindikatoren definiert, welche in der Stadt Münster als relevant betrachtet werden und für welche es jeweils spezielle Zielvorgaben gibt. Diese sind folgende:

  1. Abfall
  2. Abwasser
  3. Biodiversität
  4. Boden/Fläche
  5. Grün
  6. Klima/Energie
  7. Lärm
  8. Luft
  9. Natur und Landschaft  
  10. Umweltmanagement
  11. Verkehr/Mobilität
  12. Wasser

Ziel dieser Umweltindikatoren ist also einerseits die Erfassung des Status Quo, um Steuerungsnotwendigkeiten zu identifizieren. Andererseits sollen sie eine kontinuierliche Umweltdokumentation ermöglichen, um die Erreichung der Zielsetzungen im Bereich Umweltschutz zu überprüfen.

Entwicklung und Zielsetzung der Umweltindikatoren

Wie also sieht das Zwischenfazit im Jahr 2018 aus? Hier ein genauerer Blick auf die interessantesten Umweltindikatoren, deren Zustand, Entwicklung und Zielsetzungen:

Abfall: Beeinflusst durch das Starkregenereignis am 28. Juli 2014 ist die Abfallmenge in Münster im betreffenden Jahr gestiegen und auch in den folgenden Jahren im Vergleich zu 2010 nicht bedeutend gesunken. Dennoch gilt Münster alles in allem als abfallarm, begründet durch Initiativen, welche vor allem die Verschwendung von Lebensmitteln einschränken sollen. Wird die Steigerung der Einwohnerzahl in Münster berücksichtigt, ist die Abfallmenge pro Kopf seit 2010 tatsächlich gesunken. Die Entwicklung geht demnach in die richtige Richtung. Als Ziel gelten 425 kg/EW*a. Erreicht werden soll diese Vorgabe durch Maßnahmen wie eine gesteigerte Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Abfallvermeidung, die Vermeidung von Lebensmittelabfällen, mehr Angebote im Bereich Abfallpädagogik sowie ein Konzept zur Abfallberatung in Flüchtlingsunterkünften, um sie beispielsweise mit dem heimischen Trennsystem vertraut zu machen.

Biodiversität: Bei der Biodiversität geht es um die Messung, wie viele verschiedene Pflanzen- und Tierarten in welcher Menge im Großraum Münster vorkommen und wie sich deren Bestand entwickelt. Beobachtet werden hierbei als Indikatoren das Wiesenschaumkraut, der Laubfrosch, die Schwanenblume, der Steinbeißer, die Mohnblume, die Kornblume, die Rauchschwalbe und die Mehlschwalbe. Auf Grundlage eines Beschlusses des Hauptausschusses vom 29.09.2010 hat sich die Stadt Münster verpflichtet, die biologische Vielfalt durch folgende Maßnahmen zu fördern: Schaffung von Grün- und Freiflächen im Siedlungsbereich, Biotop- und Artenschutz, nachhaltige Nutzung sowie Bewusstseinsbildung. Tatsächlich konnte beobachtet werden, dass sich das Mohnvorkommen langsam erholt. Bei der Kornblume stagnieren die Werte hingegen. Alles in allem ist die Situation hinsichtlich der Biodiversität in Münster aber nach wie vor deutlich verbesserungswürdig. Dennoch geht die Entwicklung – wenn auch langsam – in die richtige Richtung.

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Grün: Nicht nur hinsichtlich der Biodiversität, sondern auch für eine Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt Münster ist die Schaffung und Gestaltung von Grünflächen bedeutend. So ist das Grünsystem von maßgeblicher Tragweite, wenn es um das Thema der Freiraumsicherung geht, welcher zum Zwecke der Freizeit und Erholung genutzt werden soll. Seit den Jahren 2013 wurden in diesem Bereich erfolgreich Eingriffe von mehr als 500 Quadratmetern verhindert. Weiterhin soll neben der Vermeidung einer Bebauung von Grünflächen auch deren Erreichbarkeit und Vernetzung gefördert werden. Durch eine optimale Gestaltung der öffentlichen Grünflächen sollen Angebote für sämtliche Nutzergruppen entstehen, sodass alle Stadtteile gleichermaßen mit qualitativ hochwertigen sowie bedarfsgerechten Erholungsgebieten ausgestattet sind.

Natur und Landschaft: Beim Indikator Natur und Landschaft werden derweil weniger die Nutzgebiete betrachtet als die Natur- und Landschaftsschutzgebiete. Hier sind die Zahlen über die Jahre hinweg konstant geblieben und verzeichnen sogar einen geringen Anstieg in Höhe von zwölf Prozent im Bereich der Naturschutzgebiete. Betroffen sind davon rund sieben Prozent der Gesamtfläche des Stadtgebietes Münster. Weiterhin erhöhte sich die Zahl der Landschaftsschutzgebiete, auch im Bereich der Waldflächen. Ziel ist es, die für Münster typischen Landschaften zu sichern und dadurch sowohl die natürlichen Lebensgrundlagen als auch die bedeutsamen Natur- und Kulturlandschaften der Umgebung zu schützen. Auch die Erhaltung der natürlichen Biodiversität in den Schutzgebieten gehört zu den Vorgaben aus den „Umweltdaten Münster 2014/2015“ und zuletzt sollen die Schutzgebiete durch gliedernde sowie belebende Elemente angereichert werden.

Verkehr/Mobilität:

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Eines der wohl wichtigsten Umweltziele, nicht nur für die Stadt Münster, ist die Einschränkung des Verkehrs und damit des CO2-Ausstoßes. Aus diesem Grund wird die Förderung des Fahrradverkehrs trotz bisheriger großer Erfolge weiterverfolgt. Ebenso soll der Wegeanteil der Fußgänger erhöht und der Pendlerverkehr verringert werden. Eine weiterer positiver Nebeneffekt davon wäre eine Reduktion der Lärmbelästigung. Konkret sehen die Ziele in diesem Bereich wie folgt aus: 70 Prozent Fahrrad, 18 Prozent Fußgänger und nur zwölf Prozent ÖPNV/SPNV. Das würde eine Minderung des Kfz-Anteils im Regionalverkehr um fünf Prozent bedeuten. Tatsächlich konnte der Zielwert des Umweltverbundes für das Jahr 2025 so bereits frühzeitig erreicht werden und das Fahrrad stellt in Münster den Verkehrsträger Nummer eins dar.

Wasser: Zuletzt soll der gute ökologische Zustand der Fließgewässer gemäß der EG-Wasserrahmenrichtlinie erhalten bleiben. Hierfür wird seitens des Landes Nordrhein-Westfalen regelmäßig ein Monitoring zur Zustandsbewertung durchgeführt. Im Jahr 2020 soll dadurch eine 100-prozentige Gewässergüteklasse II-III oder besser gewährleistet werden. Denn in Münster gelten die Gewässer als prägendes Element und als essentiell wichtig für den ökologischen Zustand der Region. Dazu zählen sowohl Oberflächengewässer als auch das Grundwasser. Im Fokus steht zudem der Schutz vor Hochwassergefahren. Zu den Zielen zählt auch die Vermeidung starker Verschmutzungen und die Verbesserung der Wasserqualität im Aasee.

Fazit: Münster als Vorreiter mit Verbesserungsbedarf

Alles in allem lässt sich also festhalten, dass die Stadt Münster bereits eine Menge für den Umweltschutz unternommen hat und sich mit ihren Zielsetzungen in den Umweltdaten auf dem richtigen Weg befindet. Bereits jetzt lassen sich zahlreiche Erfolge festhalten, welche die Region zum Vorbild für viele andere Städte machen. Münster gilt als abfallarm, grün und nachhaltig, jedoch steigen die Herausforderungen mit dem Bevölkerungszuwachs. Bei vielen Indikatoren ist nach wie vor Luft nach oben, sodass an weiteren Maßnahmen zur Zielerreichung gefeilt werden muss.

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